Test Alfa Spider – Audi TT Roadster

Alfa Spider – Audi TT Roadster Alfa Spider – Audi TT Roadster

Test Alfa Spider – Audi TT Roadster

— 12.03.2007

Emotion trifft Perfektion

Adieu Winterfrust, hier kommt der Frühling: Alfa Spider und Audi TT Roadster lassen unsere Herzen hüpfen. Vergleich der beiden Topversionen mit 3,2-Liter-V6.

Fahrleistungen und Technische Daten

Es war das Jahr der Überraschungen: 1967. Als erster Japaner verkaufte Honda mit dem S800 in Europa akzeptable Stückzahlen. Auf der Frankfurter IAA debütierte der NSU Ro 80, der ein völlig neues Design aufwies. Und der Film "Die Reifeprüfung" war für den ein Jahr zuvor gestarteten Alfa Spider Duetto eine echte Karriereplattform. Der offene Zweisitzer wurde zur Legende und bis 1994 nur wenig verändert weitergebaut.

Beim Allrad-Spider reißen 260 PS an allen vier Rädern.

Vier Jahrzehnte später macht die sechste Auflage des Spider wieder von sich reden. Diesmal nicht durch einen Filmauftritt, sondern mit einem Design zum Niederknien. Wie der rote Roadster mit seinen zusammengekniffenen Dreifach-Scheinwerfern und dem klassischen Scudetto (Dreieckgrill mit Alfa-Wappen) dazwischen die Straße furchtlos ins Visier nimmt, nötigt einem schon Respekt ab. Ein Danke den Karosserie-Schneidern von Pininfarina, die das Cabrio auch produzieren. Klar, dass wir dieser italienischen Ikone des guten Geschmacks nicht irgendeinen Gegner vorsetzen können. Also wählten wir den nagelneuen Audi TT Roadster, die offene Variante des AUTO BILD-Design-Königs, der in zweiter Auflage gerade durchstartet. Und mit seiner reduzierten Formenspache sowie teutonischem Temperament ebenfalls heftig am Tor zum Roadster-Olymp rüttelt.

Unterstützt wird er dabei von einem 3,2-Liter-V6, Allradantrieb, einem elektrohydraulischen Stoffverdeck und vielversprechendem Sound – Eckdaten, die im wesentlichen auch auf den Alfa Spider zutreffen. Einzige Ausnahme: der Klang des Sechszylinders mit Nockenwellen-Verstellung für Ein- und Auslassseite, der mit weniger Leistung auch im Opel Antara steckt. Röhrt er beim Anlassen und auf den ersten Metern noch wie ein echtes Alfa-Tier, dünnt der Sound nach oben deutlich aus. Die Gänsehaut muss da schon anderweitig provoziert werden, sie stellt sich nicht mehr so selbstverständlich ein wie beim Lächeln von Kate Moss.

Aber vielleicht sind wir ja auch einfach nur verwöhnt, noch gefangen vom Klangspektakel des voluminös vibrierenden Vorgängers. Oder auch von der gierigen V6-Interpretation des Audi – ebenfalls mit kontinuierlicher Nockenwellenverstellung auf beiden Seiten. Zwischen Saugrohreinspritzung und doppeltem Endrohr verwandelt der TT Superbenzin in Supersound – zunächst bassig bollernd, dann heiser hechelnd, sorgt er über das ganze Drehzahlband für ausgesprochen anregende Hintergrundmusik. Auch wenn der gleich motorisierte Golf R32 noch schärfer und frecher die Hymne auf den Motorsport bläst, macht der TT schon gewaltig an. Echte Begeisterungsstürme entfacht allerdings vor allem die Kraftentfaltung des Sechszylinders mit dem schmalen Zylinderwinkel von 15 Grad. Auch hier bringt der Audi deutlich mehr Schwung in unser Leben als der Alfa.

Der TT hat Dampf in allen Drehzahllagen

Dem Audi TT Roadster reichen knappe 5,8 Sekunden bis Tempo 100.

Ohne erkennbare Haftungs- Ausschlüsse reißen die 250 PS an allen vier Rädern und peitschen den kompakten TT nach vorn. Die elektrohydraulische Lamellenkupplung, die ohne besondere Vorkommnisse 85 Prozent der Antriebskraft nach vorn leitet, macht den TT dabei je nach Fahrsituation zum reinen Front- oder zum waschechten Hecktriebler. So reichen schlanke 5,8 Sekunden für den Ritt bis Tempo 100, das früh anliegende Drehmoment sorgt für Schub in allen (Drehzahl-)Lagen, mit dem Direktschaltgetriebe (2150 Euro extra) flippert es sich schneidig durch die sechs Gänge.
Das überschäumende Temperament des offenen TT wurzelt allerdings nicht nur in der schieren Leistung von 250 PS, sondern auch im Verzicht an anderer Stelle. Die Karosserie im Alu-Stahl-Mix begrenzt das Gewicht auf 1560 Kilogramm – der übergewichtige Alfa bringt fast 300 Kilo mehr auf die Waage.

Trotz 260 PS ist der Alfa recht behäbig. Schuld ist das hohe Gewicht.

Und die spürt der Fahrer jederzeit. Zum Beispiel in den 1,5 Sekunden, die der Spider länger bis Tempo 100 braucht. Oder bei der unglaublich mühsamen Annäherung an die versprochenen 240 km/h Spitze. Und das alles, obwohl der Alfa immerhin 260 PS auf seine vier Räder loslässt. Wobei uns das Q4 genannte Allradsystem durchaus bekannt vorkommt. Denn die Alfa-Techniker klemmen dem Spider ein mechanisch arbeitendes Torsendifferenzial zwischen die Achsen – quattro lässt grüßen. Im Standardbetrieb gelangen so 57 Prozent des Motormoments an die Hinterräder. Maximal werden 69 Prozent nach hinten geleitet, weniger als 39 Prozent können es nicht sein.

Das ausgesprochen üppige Gewicht des scharfen Italo-Roadsters stört außerdem das Handling. Trotz ausreichend exakter Lenkung schwankt der schwere Spider eher behäbig durch Kurven, neigt im Grenzbereich zum Übersteuern und muss vom ESP energisch auf Kurs gezwungen werden. Gefahr droht dabei zwar keine, viel Fahrspaß vermittelt das allerdings auch nicht. Der Spider empfiehlt sich ziemlich eindeutig als schöner Boulevard-Tiger zum entspannten Cruisen. Der TT erledigt das alles leichter und lockerer, findet die Ideallinie fast von allein, lässt vom ESP-Einsatz deutlich weniger spüren. So leichtfüßig und lustvoll, wie der TT durchs Kurvengewimmel wuselt, kann der Spider nicht mithalten.

Preise, Fazit und Bewertung


Auch in Sachen Fahrkomfort fährt der Italiener hinterher. Kleine Stöße melden sich beim Fahrer direkt übers Lenkrad, die gröberen lassen Mensch und Maschine komplett erzittern. Zugegeben, auch der Audi setzt auf sportlich-feste Federn und Dämpfer – die Abstimmung ist aber deutlich harmonischer, stößt weniger unangenehm auf. Auf langen Wellen neigt das straffe Alfa-Fahrwerk zudem zum Stampfen. Und gegenüber dem unerschütterlichen Audi verwindet die Karosserie deutlich stärker. Obendrein bietet der TT etwas mehr Platz, beherbergt auch größere Fahrer vernünftig. Im Alfa sitzt man mit über 1,90 Metern einfach eine Etage zu hoch. Ungemütlich geht es dennoch nicht zu. Im Gegenteil.

Die "Exclusive"-Ausstattung des Alfa verwöhnt mit feinem Ledergestühl.

Auch die Alfa-Ausstatter verwöhnen mit umfangreicher Ausstattung und feinem Ambiente. Und dennoch: Im TT wurde noch mehr aufs Detail geachtet und der Funktionalität noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet – für den Alfa Spider muss sich aber niemand schämen. Gute Laune verbreitet er sowieso. Und das genau wie der TT ohne Aufpreis und auf Knopfdruck. Wenn die dicken Stoffkapuzen hinter den bequemen, im Audi sogar richtig packenden Sitzen versinken, geht spontan die Sonne auf – sogar nachts.

Die Preise sind nichts für Pauschaltouristen

Im Audi dauert der Strip gerade mal zwölf Sekunden und kann sogar noch bei Tempo 50 inszeniert werden, im Alfa warten wir gern rund zehn Sekunden länger. Denn danach beginnt unser ganz persönliches Open-Air-Festival. Anders als bei manchem Blechdach-Bruder teilen sich Wind und Wetter in TT und Spider unmittelbar mit, hier fahren wir wirklich unter freiem Himmel.

Die serienmäßigen Windschotts (elektrisch beim TT, transparent im Spider) überlassen wir gern allen, die Angst um ihre Frisur haben. In einem Roadster darf es, ja, muss es ziehen. Ein Genuss, der bei beiden teuer erkauft werden muss. Der Audi TT Roadster 3.2 quattro DSG kostet stolze 45.950 Euro, der Alfa Spider 3.2 JTS V6 Q4 Exclusive fordert 45.200 Euro.

Recht selbstbewusste Forderungen, für die es aber auch reichlich Luxus gibt. Beide Sonnenanbeter regulieren das Klima im Innenraum automatisch, platzieren ihre Gäste auf feinem Leder, unterhalten mit klangvollen CD-Radios, lassen vollautomatisch die Sonne rein und vereinfachen das Leben an Bord auch sonst mit zahlreichen elektrischen Helferlein. Noch viel wichtiger aber, und dennoch in keiner Preisliste vermerkt: Diese Roadster stehen nicht für Emotionen oder Perfektion – sie vereinen (in unterschiedlichem Maße) Perfektion und Emotion, sie machen einfach glücklich. Und das ist schließlich unbezahlbar.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Der Alfa Spider überrascht – leider nicht nur im Positiven. Seine äußere Erscheinung lässt uns nur zu gern glauben, dass Alfa lebt – mehr Emotion und Rasse lässt sich in einem so kompakten Auto kaum verpacken. Beim Fahren fällt der Italiener allerdings deutlich hinter den ebenfalls schicken, fast perfekten TT zurück. So sagt der Verstand laut Audi, das Herz aber Alfa.

Autor: Gerald Czajka

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