Test Alfa Spider gegen Mazda MX-5

Alfa Spider 2.2 JTS – Mazda MX-5 2.0 Alfa Spider 2.2 JTS – Mazda MX-5 2.0

Test Alfa Spider gegen Mazda MX-5

— 26.06.2006

Ein klassisches Duell

Ein Vergleich mit Tradition: Der nagelneue Alfa Spider trifft den Mazda MX-5, beide mit Vierzylinder. Haben auch die Neuauflagen das Zeug zum Klassiker?

Zwei Cabrio-Klassiker in neuem Kleid

Vor 40 Jahren sah vieles schon ganz ähnlich aus wie 2006. In Deutschland regierte eine große Koalition, die Wirtschaft kriselte, und es gab eine Fußball-WM. Die Engländer gewannen zu Hause gegen die Deutschen und schossen ein Tor, das keines war. Und Alfa Romeo stellte den 1600 Spider vor. Ultramodern, er wurde ein Klassiker. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen, daß sich seitdem nicht viel geändert hat. Der Wirtschaft geht es auch heute nicht gut, die Große Koalition übt die Krisenbewältigung, und eine Fußball-WM findet statt (bei der die Engländer hoffentlich nicht Weltmeister werden ...). Und Alfa baut einen neuen Spider, rassig und bildschön. So weit, so gut.

Aber was macht der Mazda MX-5 hier? Wir meinen, auch der ist ein Klassiker. Sein Stammbaum reicht zwar "nur" bis 1989 zurück – aber seinen Ruf hat er sich hart erarbeitet. Gut, die Idee war geklaut – das Auto eine freundliche Kopie des Lotus Elan von 1962 – bewundernswert aber vor allem der Löwenmut des braven japanischen Massenherstellers. 1989 steht ja vor allem für den Mauerfall und die Euphorie über die deutsche Einheit. In diese Aufbruchstimmung paßte der MX-5 ideal.

Offene Autos waren eigentlich gerade auf dem Weg ins historische Abseits, es gab kaum noch welche. Und wenn, waren es Exoten. Gerade da machte sich Mazda mit diesem kleinen, schnittigen, knuffigen Roadster unsterblich. Von seiner jugendlichen Frische hat der MX-5 auch in seiner jüngsten Auflage nichts verloren. Schlank und klar steht er da, zierlich und mit reduziertem Design.

Bullig und voller Eleganz steht der Alfa da

Der Alfa Spider wirkt daneben regelrecht bullig. Er hat mindestens eine Konfektionsgröße mehr. Eine Augenweide – voller Stil, Eleganz und Raffinesse. Bildschön auch, was ganz selten bei Cabrios vorkommt, mit geschlossenem Verdeck. Fast vergessen, aber wahr: Sein Urahn stieß 1966 einhellig auf Ablehnung. Osso di Sepia nannten ihn die Italiener, das heißt soviel wie Rückenschale des Tintenfischs. Kein Lob. Der Name "Duetto" war das Ergebnis eines Alfa-Wettbewerbs, um dem Spott zu entgehen.

Den Durchbruch für das Auto brachte erst ein Film: "Die Reifeprüfung" von 1967 wurde zum Kult und brachte nicht nur Dustin Hoffman den ganz großen Erfolg, sondern auch dem Sanges-Duo Simon & Garfunkel – und eben dem tapferen Alfa, mit dem Hoffman unentwegt durch Kalifornien brauste. Mit dem 990-Kilo-Leichtgewicht von damals hat die 1,5-Tonnen-Wuchtbrumme von heute allerdings nichts mehr gemeinsam. Die Platzverhältnisse sind ungleich besser, und nicht nur Italiener sitzen jetzt anständig. Das Cockpit ist aber typisch Alfa geblieben. Etwas verspielt, ausgesprochen nett anzuschauen, mit echtem Alu, ansehnlichen Kunststoffen, vielen Rund-Instrumenten und üppiger Ausstattung. Tendenz eher luxuriös als sportlich.

Ganz anders der Mazda, der paßt hauteng. Das Design verzichtet auf jeden Schnörkel, hier geht es um die reine Funktion. Die Ausstattung ist eher karg – wofür vor allem das manuell zu öffnende Verdeck steht, beim Alfa geht das elektrisch auf Knopfdruck. Zwei Motoren gibt es für den Spider – einen 2,2-Liter-Vierzylinder mit 185 PS und Frontantrieb sowie einen 3,2-Liter-V6 mit 260 PS und Allradantrieb (41.000 Euro). Beide Direkteinspritzer stammen von General Motors, im Prinzip jedenfalls, denn natürlich hat Alfa beide verfeinert.

Technische Daten, Fahrleistungen und Fazit

Kann man damit leben? Man kann, der Vierzylinder macht seine Sache gut, klingt aber nur bis zu mittleren Touren nach Alfa und bringt das Blut bestimmt nicht in Wallung. Der V6 dagegen röchelt und brabbelt und röhrt genau so, wie es sein soll. Und darum geht es, die Fahrleistungen liegen gar nicht so viel besser (null bis 100 km/h in 7,0 Sekunden, Spitze 235 km/h).

Der im Vergleich zum 2,2-Liter gefahrene Zweiliter-Vierzylinder im Mazda sieht gegen den Alfa richtig gut aus: Antrittsstark und drehfreudig quirlen die 160 PS mit dem 1,1-Tonnen-MX-5 durch die Gegend. Dazu der Heckantrieb, die knackige Abstimmung und das trocken klackende Getriebe – fertig ist ein hautnahes, unverfälschtes Fahrerlebnis.

Der unausgewogen abgestimmte Alfa kommt an das präzise Handling des Mazda MX-5 einfach nicht heran. Weder als untersteuernder Fronttriebler noch als schwergewichtiger (1,7 Tonnen!) Allradler. Bleiben die Preise: 33.400 Euro kostet der 2,2-Liter-Alfa. Den Mazda gibt es mit 160 PS schon ab 23.700 Euro. Der eine steht für bildschöne Extravaganz, der andere für ein pures, reines Fahrerlebnis. Genau wie früher.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Hinreißend schön ist er geworden, der neue Alfa Spider. Bei Stil und Raffinesse macht den Italienern also noch immer keiner was vor. Bei Fahrwerken schon: Der Mazda liegt einfach besser. Der MX-5 ist ein kerniger Roadster, so wie er sein soll. Ich würde meine persönliche Reifeprüfung lieber im Mazda ablegen.

Autor: Dirk Branke

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