Zwei getunte Diesel

Alpina D3 – Lexus IS 220d TTE Alpina D3 – Lexus IS 220d TTE

Test Alpina D3 gegen Lexus IS 220d TTE

— 20.10.2006

Stadtgespräch

Es hat sich herumgesprochen: Diesel kann viel Spaß machen, und Lexus ist eine Alternative. Ein Vergleich zwischen IS 220d TTE und Alpina D3.

Tuningmaßnahmen und Preise

Der Dreier-BMW ist ein feines Auto – auch mit Dieselmotor. Leider hat mittlerweile jeder einen. Wer nicht das gleiche Auto wie sein Nachbar, Friseur oder Kollege fahren möchte, hat im Grunde nur zwei weniger inflationär verbreitete Mittelklasse-Alternativen mit Heckantrieb: Den direkten Abkömmling Alpina D3 und den Konkurrenten aus Fernost, Lexus IS 220d. Letzterer tritt im TTE-Werkstuning-Trimm zum Test an. Beide Fahrzeuge vermeiden trotz ihres Exoten-Status jegliche Paradiesvogel-Attitüden. Beim Lexus fallen nur die großflächigen 19-Zöller ins Auge. In Verbindung mit einem Tieferlegungssatz steht der Japaner stämmig auf der Straße, erntet aber nur selten neugierige Blicke.

Hersteller, nicht Tuner: Sieht aus wie ein BMW, ist aber ein Alpina.

Der D3 geht einen guten Schritt weiter. Die typischen Akzente setzt Alpina mit absoluter Stilsicherheit: Frontspoilerlippe mit Marken-Schriftzug, zeitlose 18-Zöller, Edelstahlauspuff. Nur die Tatsache, dass der einzige für ein Alpina-Auto ernsthaft infrage kommende Farbton – das herrliche Blau metallic – satte 1900 Euro Aufpreis kostet, betrübt ein wenig. Serienmäßig hingegen: der überarbeitete Motor aus dem BMW 320d. Den konfigurieren die Allgäuer auf eine Art und Weise, die verstehen lässt, warum Alpina den Tuning-Kinderschuhen längst entwachsen ist und auf die Bezeichnung "Hersteller" so großen Wert legt. Chiptuning machen die anderen, Alpina baut den Motor neu auf – und zieht dabei alle Register: Ein eigenentwickelter Garrett-Lader, Ladeluftkühler und Magnetventil-Injektoren aus dem großen Bruder 330d sollen aus nach wie vor zwei Liter Hubraum standfeste 37 Extra-PS (200 statt 163 PS) generieren.

TTE begnügt sich beim Lexus IS 220d mit einem weniger komplexen Eingriff: Ein Zusatzsteuergerät bringt 31 Mehr-PS (208 statt 177 PS). Über einen Knopf im Armaturenbrett kann das Leistungsplus jederzeit deaktiviert werden. Ein Provisorium: Das PS-Paket hat aktuell Prototypen-Status. Wann die Leistungssteigerung in den Handel gelangt, steht noch in den Sternen. Vielleicht kann der Werkstuner bis dahin das Durchzugsvermögen optimieren: 23,1 Sekunden von 80 auf 120 km/h im sechsten Gang sind indiskutabel. Auch der Alpina D3 kann in Sachen Elastizität nicht glänzen: Gegen entspanntes City-Cruisen – 50 km/h im 5. Gang – wehrt sich der D3 entschieden. Davon abgesehen begeistert der Motor jedoch auch Diesel-Hasser. Wobei ihm der geschmeidige Benziner-Klang Natürlich abgeht.

Technische Daten, Fahrleistungen und Fazit

Was die Performance anbelangt, braucht er jedoch keinen Vergleich zu scheuen. Es beeindruckt stets von Neuem, wie sich die 200 PS in Szene setzen. Der Motor dreht willig bis in den roten Bereich, auch ab 200 km/h lodert unter der Haube noch ein Feuer wie bei kaum einem anderen Diesel. Null auf 100 km/h dauern schmale 7,7 Sekunden. Der Lexus verliert das 100-km/h-Sprintduell deutlich: Woher die 1,2 Sekunden Rückstand bei gleicher Leistung rühren, ist rätselhaft. Liegt es allein an den größeren Rädern und den 125 Kilogramm Mehrgewicht? Zur TTE-Ehrenrettung seien zwei Dinge erwähnt: Zum einen hat das Auto subjektiv empfunden ordentlich Dampf. Zum anderen hängt der modifizierte Lexus den serienmäßigen IS 220d deutlich ab. Der ist vom Werk zwar ebenfalls mit 8,9 Sekunden angegeben, benötigt aber von AUTO BILD gemessene, enttäuschende 10,2 Sekunden von null bis 100 km/h.

Lexus IS 220d TTE: Beim Sprint zeigt er Schwächen, in der Kurve nicht.

Ein Jammer, dass das Performance-Defizit den Japaner derart zurückwirft: Der Lexus fährt nämlich alles andere als schlecht. Die Kombination aus Riesenrädern und Sportfedern wirkt sich auf den Komfort zwar nicht gerade vorteilhaft aus, dafür fährt der IS aber sehr manierlich um Biegungen jedweder Ausprägung. Alpina demonstriert auch in der Disziplin Dynamik, was "gut" von "annähernd perfekt" trennt: Das Auto fährt sich schlicht und ergreifend hervorragend. Die vollkommen alltagstaugliche Federung legt exakt jenes Maß an gesunder Härte an den Tag, das spaßorientierte Vernunftsmenschen wünschen. Die auch beim Unterhalt ihre Überzeugungen nicht verleugnen müssen: 7,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer sind eine Ansage. Trotzdem spielt sich in diesem Kapitel der Lexus in den Vordergrund: Ihm genügen 6,6 Liter. Da staunen die Nachbarn und Kollegen – und der Friseur sowieso.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ben Arnold

Ein deutliches Resultat: Der D3 gefällt als herrlich harmonische Sportlimousine und bietet, abgesehen von der kleinen Durchzugsschwäche, keine Kritikpunkte. Der Lexus IS von TTE geht isoliert betrachtet als gutes Auto durch. Der stichhaltigen BMW-Alpina-Kombination kann er jedoch kaum etwas entgegensetzen.

Autor: Ben Arnold

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