Test Audi A3 Sportback – BMW 120d

Audi A3 Sportback Attraction 2.0 TDI gegen BMW 120d Audi A3 Sportback Attraction 2.0 TDI gegen BMW 120d

Test Audi A3 Sportback gegen BMW 120d

— 18.12.2006

Da steckt Dampf drin

Antrieb vorn gegen Antrieb hinten: Im Duell der noblen Kompakten wird reichlich Qualm produziert. Vor allem mit den stärksten Dieselmotoren.

ER steht an der Bar. 35 Jahre, graue Nadelstreifen, italienische Schuhe, die richtige Uhr. Mit diesem Typen sollen Sie ein Bier trinken? Angeregte Debatten garantiert folgende Frage: Audi A3 oder BMW 1er? Welchen Schlüssel legt man auf den Tresen? Hmmh, da lässt sich wunderbar streiten, da steckt Dampf drin! Vor allem, wenn die bayerischen Aufsteiger mit ihren stärksten Dieselmotoren antreten: 2.0 TDI mit 170 PS gegen den 163 PS starken 120d. Von denen träumt die "Generation Powerpoint": die Leistung der großen Benziner zum Schnäppchenpreis an der Tankstelle – das gilt am Tresen als smarter Kauf. Smart? Die Hersteller kennen die Diesel-Träume ihrer aufstrebenden Kunden nur zu gut und langen kräftig zu: 25.700 Euro kostet der 120d, der A3 als viertüriger Sportback nur 50 Euro weniger! Das soll noch Golf-Klasse sein? Nennen wir sie lieber Gold-Klasse: die nobelste Art, viel Geld in ein kompaktes Auto zu versenken.

Einsteigermodelle vermitteln den ersehnten Stallgeruch der Edelmarken

Klare, kühle Funktionalität in toller Qualität im Audi A3 Sportback.

Wer zum Sportback greift, lässt im Schnitt weitere 5000 Euro für Extras springen. Tja, Freunde, da steckt Dampf drin! Dafür schenken die Einsteigermodelle auch den ersehnten Stallgeruch der Edelmarken. Im geräumigen A3 ist das eine stille, technische Funktionalität, die manche kühl finden. Feste Polster, klare Skalen, sogar die Plastiknarbung sagt "Audi-Audi". Hinten wird auch Schwiegermutter klaglos einsteigen. Denn Sportback heißt übersetzt: Muss es unbedingt ein A4 Avant sein? Im Vergleich zum längeren Nobelkombi bietet der viertürige A3 kaum weniger Platz, mit 1100 statt 1354 Liter Volumen reicht sein Heck aber für die meisten Fälle aus. 70 Prozent der A3-Kunden greifen zum Sportback.

Das Raumgefühl im BMW ist eng, doch das Fahrgefühl macht es wett.

Das steile markante Heck des 1ers täuscht. So luftig wie die Koffer (maximal 1150 Liter) möchten die Insassen gern reisen. Der 120d mit seinen kleinen Türen ist hauteng wie ein körpernahes Hemd, der Knieraum hinten kaum größer als ein Briefschlitz. Ketzerische Frage: Warum gibt es noch kein 1er-Coupé (kommt im November 2007)? Weil schon der Viertürer ein 2+2-Sitzer ist. Das liegt daran, dass der Motor nicht wie bei allen Kompakten vorn quer, sondern längs eingebaut wird – das kostet eben Platz. Doch mit jedem Kilometer wirkt das BMW-Prinzip: Lenkrad, Schalthebel und die fahrerzugewandte Mittelkonsole liegen genau dort, wo sie sein sollen – plötzlich ist der 1er gar nicht mehr eng.

Anlassen, speziell morgens beim Kaltstart, wird zur akustischen Nagelprobe. Muss es BMW sein oder geht auch Audi? Der TDI im Sportback ist zwar mit Piezo-Injektoren und Ausgleichswellen so leise wie nie, aber weiter unüberhörbar ein Pumpedü-dü-dü-dü-düse-Motor. Nussknacker, Kaffeemühle, Nageleimer – es fallen einem viele Vergleiche ein, bis nach einer Minute der Nussknacker verschwindet. Der Geräuschkomfort ist ein wichtiger Grund, warum Audi 2007 auf Common Rail umschwenkt, auf das Einspritzsystem wie im 120d. Der Zweiliter von BMW startet dezenter (wenngleich nicht so ruhig wie ein Peugeot-Diesel), glättet sein Turboloch im Anfahren und entschärft den harschen, kräftigen Ladereinsatz, der beim Audi gern die Vorderräder zum Scharren bringt. Gefühltes Fazit: Audi ist sportlicher, der BMW der sanftere Diesel. Das bestätigen auch die Fahrleistungen. Egal ob bei Ampelstart, Durchzug oder Spitze – der A3 geht immer einen Tick schneller. Aber das ist Theken-Folklore und im Alltag nicht wirklich zu spüren.

Auf der Autobahn ist Tacho 235 drin

Selbstbewusste Sportliga: Bei 200 schaltet man in den sechsten Gang.

Beide Top-Diesel turnen selbstbewusst in der Sportliga mit, bei Tacho 200 schaltet man noch mal in den Sechsten hoch, auf der Autobahn ist Tacho 235 drin. Das kostet allerdings mindestens 15 Liter Momentanverbrauch als Eilzuschlag. Wohlgemerkt bei freier linker Spur, aber wann ist die so frei? Im Alltag sind die nächstschwächeren Diesel (140 PS im TDI, 122 PS bei BMW) kaum langsamer. Müssen es also unbedingt die stärksten Selbstzünder sein? "Nein", sagen die Kunden fast überwiegend. Bei BMW ist der 2800 Euro günstigere 118d (29 Prozent Kaufanteil) eindeutig beliebter als der 120d (16 Prozent). Bei Audi ist der Vorsprung des schwächeren Motors derzeit noch größer (32 zu zwölf Prozent), aber bei nur 1000 Euro Preisdifferenz kommt die Luxus-Klientel sicher bald ins Grübeln. Noch eine Gemeinsamkeit: Beide Testwagen sind hart gefedert. Zu hart. Der Trend zu größeren Rädern (beide auf 17 Zoll) sowie die straffere Abstimmung wegen der Diesel-Motoren machen A3 wie 1er so unkomfortabel, dass auf Dauer der Magen rebelliert. Hier sind die deutschen Fahrwerk-Entwickler derzeit auf dem Holzweg. Deshalb unser Rat: Hände weg vom Sportfahrwerk, vor diesem Extra in der Preisliste sei gewarnt.

Der 120d untersteuert in Kurven gern. Trotz seines Hinterradantriebs.

Ebenso vor zu sportlichen Ambitionen. Denn mit dem schweren Motor auf der Vorderachse driften beide noch mehr vom vergeblich erhofften Kurvenwunder in Richtung souveräner Autobahngleiter. Trotz seines Hinterradantriebs, in den Prospekten gern als Garant für Fahrfreude gepriesen, untersteuert der 120d recht kräftig. Der Audi hält mit neutraler Kurvenlage und feiner Lenkung dagegen. So schrumpft das BMW-Bauprinzip auf einen allerdings handfesten Komfort-Vorteil: Da zerrt nichts in der Lenkung, wenn man auf nasser Straße zu viel Gas gibt. Was mit 340 Newtonmetern schnell passiert. Zu viel Drehmoment regelt die Elektronik so oder so ab – beim BMW hinten. Es steckt halt Dampf drin.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Joachim Staat

Der Audi siegt deutlich, weil er geräumiger und flotter ist sowie echte Garantie bietet. Wenn der Diesel nur nicht so rau liefe. Viel kultivierter der BMW, der zudem mit besserer Ausstattung und Lenkung punktet. Doch ehrlich: Beide sind so gut, dass eher persönlicher Geschmack entscheidet. Oder Ärger übers Geld: Bei BMW kostet trotz saftigem Preis der Rußfilter extra, bei Audi das Radio.

Autor: Joachim Staat

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