Test Audi A4 1.8 TFSI — 09.10.2007
Schöner fahren im A4?
Starke Töne aus Ingolstadt: Der neue A4 will sportlicher sein als alle Konkurrenten. Und das trotz Vorderradantrieb. Eine sehr selbstbewusste Ansage. AUTO BILD hat es geprüft – am Steuer des derzeitigen Basis-Benziners mit 1,8-Liter-TFSI-Motor.
Mit neuer Größe gegen die Konkurrenz
Trotz aller Wasserperlen auf dem Blech – der rote A4 sieht verdammt gut aus. Nicht so hüftschwingend sexy wie sein Bruder A5, dafür geradlinig, straff, präsent. Der ist wer. Kein Wunder, mit 4,70 Meter Länge rangiert Audis Mittelklasse (passt das Wort noch?) nur zwei Handbreit unter dem A6, aber eine halbe Galaxie über dem A3. Sportliche Diät sieht anders aus. Dafür dürfte der A4 drinnen seine Konkurrenten abhängen. Im Fond haben die Knie spürbar mehr Luft als in der Mercedes C-Klasse. Das Cockpit wendet sich sportlich dem Fahrer zu; diese perfekte Ergonomie hat BMW vor Jahren ohne Not aufgegeben. Und diese Oberflächen, diese Qualität – so, als habe Audi tatsächlich ein Patent für Materialien mit dem gewissen Etwas. Kein Zweifel, das ist der Maßstab in der deutschen Belle Etage.Der Vierzylinder entpuppt sich als Leisetreter
Wie ein Stilbruch wirkt dagegen der dicke Zündschlüssel, der, in einen Schacht gedrückt wie beim VW Passat, den neuen 1,8-Liter startet. Der 160 PS starke Vierzylinder ist ein echter Leisetreter, zieht mit seiner Turbokraft schon ab 1500 Touren wie ein Berserker und dreht klaglos bis 7000 Touren. Ein herrlicher Alltagsmotor, der lebendiger wirkt als der C 180 Kompressor von Mercedes. Ob der 1.8 TFSI auch im Alltag mit den versprochenen 7,1 Liter Super auskommt, werden wir nachmessen. Nächstes Sport-Kriterium: die neue Lenkung, die das Lenkgetriebe vorn unter die Radachse rückt. Tatsächlich, sie arbeitet aus der Nulllage deutlich direkter als früher. Die Stöße von fiesen Asphaltkanten, früher ein Komfortkiller im A4, sind fast weg. Die Audi-Insassen spüren förmlich, wie der Neue sich vorn auf eine 45 Millimeter breitere Spur stemmt. Zudem profitiert die Limousine vom längsten Radstand ihrer Klasse: Es sind stolze 2,81 Meter, und die verleihen einen generösen Komfort, den wir bislang vom A4 nicht gekannt haben – trotz der flachen 45er-Reifen der Sportversion Ambition (1950 Euro extra).Ergebnis: Der A4 schiebt die erlebbaren Grenzen des Vorderradantriebs wieder ein Stück weiter hinaus. Aber: Er ist und bleibt ein Fronttriebler, wie unser Tief Felisa schon bald entlarvt. Da konnte Audi die Vorderachse so weit nach vorn, den Motor nach unten rücken - wenn es bergauf schnell durch Serpentinen geht, wenn der Asphalt feucht wird, dann scharrt der kurveninnere Reifen wieder nach Halt. Dann drängt der A4 über die Vorderräder zum Kurvenrand und verrät das Manko des langen Radstands: Einen leichtfüßigen Tänzer hat Audi da nicht großgezogen. Sportlichste Limousine? Wohl eher Marketing-Poesie - zumindest beim Basismodell. Gut, das können die stärkeren, sportlicheren und teureren A4 später vielleicht korrigieren. An der Auswahl wird es nicht mangeln: Der A4 kommt im November zunächst mit fünf Motoren von 143 bis 265 PS, mit einem neuen, heckbetonten quattro-Antrieb, der 60 Prozent der Kraft (früher: 50) an die Hinterräder schickt, und mit einer Armada von elektronischen Gimmicks.
Drive Select macht den A4 dynamischer
Zum Beispiel der Dynamiklenkung mit variabler Lenkübersetzung wie bei BMW oder der Wundertüte Drive Select, die für 2400 Euro extra in der Preisliste steht. Der Fahrer kann Gasannahme, Schaltpunkte, Lenkung und Stoßdämpfer in 24 Programmen individuell einstellen. Ob das jemand braucht und wie gut es funktioniert, muss sich zeigen. Wer bei Audi eine letzte Prise Sportsgeist sucht, findet ihn in den Preislisten. Im Januar kommt der 1,8-Liter-Benziner mit 120 PS und drückt den Einstiegskurs auf 25.970 Euro. Für 28.950 Euro fährt der A4 1.8 TFSI mit CD-Radio, Klimaautomatik und 16-Zoll-Alurädern vor. BMW und Mercedes kosten ein paar Hunderter mehr. Aber warum spricht niemand vom großen, günstigen Fast-A6? Auch das wäre jetzt passend.Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat
Der neue A4 hat deutlich an Fahrdynamik zugelegt. Das ist der beste Vorderradantrieb, den Audi je gebaut hat: Er kommt den Qualitäten eines 3er-BMW sehr nah. Bei Platzangebot und Preis setzt der A4 sogar Maßstäbe: In der deutschen Nobelliga wird es jetzt noch enger.| Audi A4 1.8 TFSI | |
|---|---|
| Motor/Hubraum | Vierzylinder, Turbo/1798 cm³ |
| Leistung | 118 kW (160 PS) |
| Drehmoment bei 1/min | 250 Nm/1500 |
| 0–100 km/h | 8,6 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 225 km/h |
| Verbrauch (l/100 km) – CO2 | 7,1 l S – 169 g/km |
| Kofferraumvolumen | 480 l |
| Länge/Breite/Höhe | 4703/1826/1427 |
| Preis | ab 28.950 Euro |
| Stärken | kraftvoller Motor, guter Komfort, für einen Fronttriebler sehr agil |
| Schwächen | leichte Traktionsschwächen bei Nässe |
| Note | 2+ |
| Konkurrenten | BMW 320i, 170 PS, 29.500 Euro; C 180 Kompressor, 156 PS, 29.988 Euro |
| Motorisierungen | Benziner | Diesel | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Modell | 1.8 TFSI | 3.2 FSI | 2.0 TDI | 2.7 TDI | 3.0 TDI |
| Motor/Hubraum | R4, Turbo/1798 cm³ | V6/3197 cm³ | R4, Turbo/1968 cm³ | V6, Turbo/2698 cm³ | V6, Turbo/2967 cm³ |
| Leistung kW/PS | 118/160 | 195/265 | 105/143 | 140/190 | 176/240 |
| Nm bei 1/min | 250/1500 | 330/3000 | 320/1750 | 400/1400 | 500/1500 |
| Verbrauch – CO2 | 7,1 l S – 169 g/km | 9,2 l S – 219 g/km | 5,5 l D –144 g/km | 6,6 l D – 176 g/km | 6,9 l D – 183 g/km |

































