Test Audi A8 quattro – Mercedes S 500 4Matic

Audi A8 4.2 quattro – Mercedes-Benz S 500 4Matic Audi A8 4.2 quattro – Mercedes-Benz S 500 4Matic

Test Audi A8 quattro – Mercedes S 500 4Matic

— 07.11.2006

Das große 4x4

S-Klasse gegen A8 – ein bekanntes Duell. Mit neuem Allradantrieb macht Mercedes die Rechnung neu auf. Wer kommt ins Schleudern?

Schon die Kleinsten unter uns wissen es und entdecken die Mobilität deshalb im Krabbelgang: Auf allen vieren kommt man einfach sicherer ans Ziel. Klar, später erweist sich der aufrechte Gang als die bessere, vor allem schnellere Art der Fortbewegung. Doch wo immer es glatt oder steil wird, gewinnt der Vierfüßlergang plötzlich wieder an Bedeutung. Eine simple Erkenntnis, die sich längst auch im Automobilbau durchgesetzt hat. Audi hat den Allradantrieb schon vor einem Vierteljahrhundert für sich entdeckt. Und genoss damit lange einen exklusiven Vorteil. Erst recht in der Oberklasse.

Doch jetzt greift Mercedes an. Mit einem neu entwickelten Allradkonzept in der S-Klasse will der Stern glänzen. Wir schicken den frischen S 500 4Matic auf die Verfolgung des A8 4.2 quattro. Wobei es hier nur am Rande darum gehen soll, dass der Mercedes mehr Platz bietet und auch noch ein Köfferchen mehr schluckt. Oder der Audi einen Liter weniger verbraucht und deutlich preiswerter ist. Unser Interesse gilt vor allem den unterschiedlichen Antriebssystemen: Wer hat alles besser im Griff?

Braver Untersteuerer ohne Tücken: der Audi A8 4.2 quattro.

Egal ob nass oder trocken, beide Allradler bauen ein beeindruckendes Maß an Traktion auf. Aufgrund der höheren Leistung sichert sich der S 500 zwar klar die Sprintkrone, der A8 zeigt aber ebenfalls keine Probleme, die Leistung auf den Boden zu bringen. Und verbucht für sich auch noch den Vorteil des agileren Handlings. Wer das rigoros eingreifende ESP abschaltet, erlebt den großen Audi als braven Untersteuerer ohne Tücken. Narrensicher und ohne größeres Karosserieschaukeln lässt sich der A8 um den Kurs scheuchen, die Lenkung liefert ordentliche Rückmeldung und schafft eine vertrauensvolle Verbindung zur Straße.

Der Mercedes überzeugt mit nahezu perfekt abgestimmtem ESP, deutet bei abgeschaltetem Schleuderschutz aber schon mal einen Heckeinsatz an – bevor die Elektronik sich als Notfallhelfer doch noch zurückmeldet. Die erstaunlich direkte Lenkung lässt dabei Lenkkräfte und Rückmeldung von der Straße vermissen. Zusammen mit den spürbar heftigeren Karosseriebewegungen erweckt die S-Klasse hier den behäbigeren Eindruck. Anders sieht die Sache aus, wenn die Bedingungen schwieriger werden. Zum Beispiel auf unterschiedlichen Reibwerten zwischen linken und rechten Rädern: links eisglatt, rechts rauer Asphalt. Beim Beschleunigen auf der sogenannten µ-Split-Bahn hängt der S 500 den A8 locker ab. Und das nicht etwa wegen der Mehrleistung, sondern weil beim Stuttgarter das Zusammenspiel zwischen mechanischer Zentralsperre und elektronischen Achssperren deutlich besser funktioniert.

Fast wie auf einer normalen Straße: Mercedes S 500 auf bewässerter Piste.

Der Audi leidet beim Anfahren sowie bei jedem Gangwechsel unverkennbar an Traktionsproblemen. Der V8 produziert derart viel Drehmoment, dass das Torsendifferenzial überfordert ist. Gleichzeitig erfolgt der elektronische Bremseingriff zu zögerlich. Die Folge: geringere Sperrwirkung, mehr Schlupf und damit schlechtere Zeiten. Mercedes scheint die Hausaufgaben hier gründlicher erledigt zu haben. Ohne zu murren oder den Halt zu verlieren, stürmt der S 500 über die Bahn, die auf einer Seite aus bewässerten Edelstahlplatten besteht und so Eis simuliert. Bis 100 km/h fährt der Benz über zwei Sekunden Vorsprung heraus und schenkt seinem Piloten das gute Gefühl, auf einer ganz normalen Straße unterwegs zu sein.

Der umgekehrte Weg, also das Bremsen auf halbseitig vereister Fahrbahn, wird von beiden Kandidaten souverän bewältigt. Deutlich unter 100 Meter brauchen A8 und S-Klasse aus 100 km/h auf null. Und auch wenn der Mercedes mehr Lenkarbeit erfordert, stellt keiner der beiden uns vor echte Probleme. Rechnen wir also 4x4 zusammen, hinterlässt die 4Matic insgesamt den besseren Eindruck. Aber auch das größere Loch auf dem Konto. Verlangt Audi für seinen A8 4.2 FSI quattro schon stolze 76.700 Euro, müssen für den Mercedes S500 4Matic sogar 93.380 Euro überwiesen werden.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Nicht nur, aber auch wegen des erstaunlich guten Allradantriebs wird die S-Klasse in diesem Vergleich verdient Sieger. Eigentlich kann sie fast alles besser als der Audi. Sie bietet mehr Platz, beschleunigt schneller, federt komfortabler und bremst kürzer. Die Stunde des A8 schlägt bei engagierter Fahrweise. Das sportliche Handling bleibt unerreicht. Außerdem fällt der Audi deutlich günstiger aus als der Mercedes.

Autor: Gerald Czajka

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