Test: Audi gegen BMW (4)

Audi S4 vs. BMW 335i Coupé Audi S4 vs. BMW 335i Coupé

Test: Audi gegen BMW (4)

— 16.11.2006

Saft oder Muskeln?

Runde vier im großen Fitness-Duell: Der Audi S4 will den BMW 335i nass machen, und der S6 tritt gegen den M5 an. Wer hat mehr Power?

Audi S4 vs. BMW 335i Coupé

Kühlergrill an Kühlergrill: In der vergangenen Runde – TT gegen Z4 und RS4 Cabrio gegen M3 Cabrio – konnte Audi tatsächlich aufholen. Nun steht es 3:3, und die Spannung wächst: Wer macht das Rennen um den Sportpokal? In den folgenden zwei Wettkämpfen treten vier Bollerwagen an: S4 und 335i, S6 und M5. Festhalten!

Audi S4 vs. BMW 335i Coupé

Leckerer Reihensechser trifft auf prallen V8 – bringt so etwas allein die Entscheidung? Zumindest haben die Motoren von Audi S4 und BMW 335i Coupé einen saftigen Anteil am sportlichen Auftritt. Besonders der sagenhaft potente Doppelturbo des BMW begeistert. Gefühlt hat der Dreiliter "untenrum" sogar mehr Kraft als der hubraumstarke Audi-Ballermann. Kein Wunder: Der 335i presst mit 400 Newtonmetern ein ähnlich gewaltiges Drehmoment heraus wie der 4,2-Liter des Audi (410 Nm) – und das bei deutlich geringerer Drehzahl. So sorgen die beiden Turbolader des BMW-Motors für homogenen Schub ab gut 1000 Touren. Wenn es sein muss, lässt sich das Aggregat auch bis weit in den roten Bereich auswringen – und es wirkt dabei noch nicht einmal gequält. Auch das perfekt geschnürte Handlingpaket aus toller Aktiv-Lenkung (mit variabler Übersetzung) und sanft einleitenden Lastwechselreaktionen fördert den Spaß an der Kurvenhatz. Sensationell: Der 335i lässt sich bei abgeschaltetem Stabilitätsprogramm DSC geradezu spielerisch im leichten Drift durch Kurven scheuchen. Auf Nässe hat der BMW dann aber deutlich das Nachsehen. Mit rubbelnden Vorderrädern schiebt der 335i in Richtung Kurvenäußeres – an Stellen, wo sich der S4 noch in die Ideallinie verbeißt. Die gute Balance des S4 und das zuverlässig Antriebskräfte verteilende quattro-Konzept sorgen hier für das Optimum an Traktion. Trotz der gewaltig wirkenden FSI-Maschine mit Suchtgefahr durch den hämmernden Klang – dem S4 fehlt die gewisse Leichtigkeit. Etwas mehr Karosserieneigung, das unpassend weiche Bremsgefühl sowie eine weniger gefühlvolle Lenkung schieben den S4 auf unserer sportlichen Spur dann doch an den Rand. Schade nur, dass der 3er sein dynamisches Potenzial im Innenraum nicht zeigen mag. Zu viel Clubatmosphäre und eine Spur zu gediegene Eleganz dämpfen die Freude am Fahren spürbar. Da zeigt Audi – mit unten abgeflachtem Lederlenkrad oder appetitlichen Anzeigen – wohltuend mehr Rasse.

Fazit der AUTO BILD-Testredaktion

Das 3er-Coupé zeigt hier, wo der sportliche Hammer hängt. Fahrwerk und Motor liefern aufregend-anregende Dynamik. Auch ein S4 ist schnell. Der kernige Motor ebenfalls ein Sahnestück. Aber für den ganz großen Spaß am Leistungssport hat das Paket Lücken. Sportlicher Sieger: der BMW für 10.000 Euro weniger!

Audi S6 vs. BMW M5

Jeweils zehn Zylinder und Hubräume um fünf Liter befördern S6 und M5 unmissverständlich auf die Chefposten der Klasse. Aber jede Limousine regiert die Straße auf eine ganz eigene Weise. Der im Innenraum mit Carbon eingerichtete S6 beschleunigt mit einer gelassenen Souveränität, die er aus unbeirrbarer Traktion des quattro-Anriebs in Verbindung mit explosiven 435 PS des 5,2-Liter-FSI-Motors schöpft. Unter dumpfem Getöse donnert ein S6 über die Bahn. Mit beeindruckender Elastizität reißt es den Audi beim Überholen nach vorn. Berechen- und beherrschbar hämmert der S6 über den Handlingkurs.

Ist dieser nass, umrundet der Audi die Teststrecke sogar schneller als der stärkere M5. Auf rutschiger Piste helfen ihm Allradantrieb und weich einsetzende Lastwechselreaktionen, auch in engen Kurven in der Spur zu bleiben. Die Gangwechsel der adaptiven Audi-Sechsstufenautomatik passieren rasend schnell – aber selbst bei Benutzung der Schaltwippen am Lenkrad auch etwas unspektakulär. Kein Vergleich zum Schalt-Spektakel des Monsters aus München. Von seinen vielen Einstellungen der elektronisch ausgelösten Gangwechsel, Motorsteuerung und des DSC kann der Fahrer einen Modus abrufen, der aus dem M5 einen brutalen Rennwagen macht. Mit entsprechender Härte beim Gangwechsel. Das bringt dem ohnehin stärkeren M5 Zeitgewinn und den Fahrer in einen Adrenalinrausch. Die materialmordenden – aber Zehntelsekunden schindenden – Schaltrucke stellen im gleichen Tempo die Nackenhaare des Piloten auf. Dazu sorgt die hemmungslose Drehfreude des V10 für eine schöne Serie aus Gänsehautschauern. Die rote Nadel des Drehzahlmessers im Fünfer schwingt wie eine Sense über die Skala – liebend gern auch bis über die 8000er-Marke. Und das aufregende Klangspektakel des Motors zeigt der Vernunft die gelbe Flagge. Dazu kommen das überaus präzise Handling, die direkte Lenkung und der klebrige Grip auf trockener Straße. All das schraubt das Rundstreckentempo des BMW auf Porsche-Niveau.

Fazit der AUTO BILD-Testredaktion

Wir fragen hier ja bewusst nicht nach Kofferraum und Garantie – wir kitzeln den Sportgeist. Also: So kompromisslos und brutal wie der M5 geht keine andere Sportlimousine zu Werke. Gegen den Brenner M5 hat der Super-S6 hier keine Chance.

Autoren: Gerald Czajka, Jan Horn

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