Audi gegen Mercedes und VW

Vier Super-SUV im Vergleich Vier Super-SUV im Vergleich

Test Audi gegen Mercedes und VW

— 20.07.2006

Gesucht: Deutschlands Super-SUV

Nach dem Sieg gegen die dicken V8-SUV tritt der Audi Q7 jetzt gegen die Diesel-Dampfer an. Macht er auch M- und R-Klasse als 320 CDI und den VW Touareg V6 TDI naß?

Q7 ist außen böse, innen brav

Fortsetzung folgt. Das Fazit des ersten AUTO BILD-Vergleichs mit dem Q7 endete mit einem Versprechen. Als Audis Big Mac vor drei Wochen souverän gegen die V8-Boliden BMW X5 und Porsche Cayenne gewann, war uns klar: Den sehen wir bald wieder. Denn die dicken 300-PS-Gefährte sind für unsere Straßen einfach zu gefräßig und zu teuer.

Deshalb muß der Q7 jetzt noch mal ran – mit einem Dreiliter-TDI. Diesmal heißen seine Gegner VW Touareg. Und weil die lange R-Klasse von Mercedes mit 5,16 Metern ähnlich monströs geraten ist wie der Audi, haben wir sie hier als Überraschungsgast mit dabei.

Der Q7 trumpft nicht nur mit seiner Statur mächtig auf, sondern auch mit seinem grimmigen Design. Kein Modellathlet, eher ein Kampfschwimmer auf Anabolika. Eher enttäuschend hingegen der Innenraum. Da ist den Formgestaltern nicht mehr viel eingefallen. Oder haben die Controller die Kostenbremse gezogen? Innen sieht der große, böse Audi aus wie der brave Bruder A6 Avant. Klar, blitzsauber verarbeitet und funktionell tadellos – wer aber ein wirklich schönes und detailverliebtes Cockpit möchte, sollte sich mal ganz genau den Technik-Bruder Touareg anschauen.

Wie ein Powerboot auf dem Entenweiher

Erstaunlich auch, daß sich hinter den Muskelbergen des Q7 nicht etwa der größte Innenraum verbirgt. Nicht nur die Mercedes R-Klasse bietet mehr Platz, das war ja irgendwie zu erwarten. Unsere Messungen haben ergeben, daß auch der ML mehr bietet. Der ist innen zwar vorn vier Zentimeter schmaler, aber eben auch 3,5 Zentimeter höher. Der Verstellbereich der Sitze ist größer und auch das Knickmaß (für das Anwinkeln der Beine). Nur der Touareg ist sowohl vorn als auch im Fond spürbar enger als der Q7.

Knapp geschnitten kommt der Audi deshalb noch lange nicht daher, Platz gibt es eigentlich genug, die Sitzposition hinten mag aber nicht wirklich gefallen: Hier ist der Winkel zwischen Sitzbank und Boden zu flach. In den beiden Mercedes und im VW sitzt man bequemer. Gegen Aufpreis (ab 700 Euro) gibt es für den Q7 eine dritte Sitzreihe, die Sitze in der zweiten Reihe sind dann längs verschiebbar.

Nichts anbrennen läßt der Q7 bei Motor und Fahrwerk. Die Basis-Technik teilt er sich ja mit dem VW, hat aber einen um 14,7 Zentimeter längeren Radstand. Sein Dreiliter leistet dank veränderter Elektronik 233 PS statt 225 PS beim VW. Im Stadtgetümmel fühlt sich der Audi dabei etwa so wohl wie ein Power-Boot im Entenweiher. Auf Landstraße und Autobahn ist er ein Erlebnis. Der kräftige, etwas grummelige Motor wuchtet das 2,4-Tonnen-Gerät wie entfesselt durch die Gegend. Der ungestüme Vortrieb hat erst bei Tempo 220 ein Ende.

Wie seine drei Rivalen ist auch der Audi mit einer elektronisch geregelten Luftfederung ausgestattet (2510 Euro), die wir für Geländewagen immer empfehlen. Damit liegt der Q7 straff und sehr handlich – besonders angesichts von Größe und Gewicht. Aber nicht so gelassen wie R-Klasse und ML 320 CDI. Das liegt auch an der zackigen, sehr direkt ausgelegten Lenkung. Mit ihren fast nervösen Reaktionen bringt sie unnötig Unruhe ins Auto.

VW zeigt Reife und Ausgewogenheit

Im VW spricht die Lenkung weniger direkt an, arbeitet sehr leichtgängig. Ein Gefühl wie an der Spielekonsole und nicht wie in einem 2,5-Tonner. Der Touareg zieht seine Bahnen nicht ganz so agil wie der Audi, sondern eine Spur ruhiger und weniger aufgeregt. Die Luftfederung (im Paket für 5050 Euro) reagiert stets gelassen. Und auch das ESP schreitet in kritischen Situationen nicht so brachial ein wie im Q7.

An solchem Feinschliff spürt man die Reife des seit knapp vier Jahren gebauten Touareg. Zudem hat sein Design nicht diesen "Hallo, hier komm ich!"-Faktor des Q7. Und innen kann er – wie gesagt – mit seinem edel gemachten Cockpit im Phaeton-Stil punkten. Mit dem V6-TDI sowieso. Der paßt prima, geht mit seinen 225 PS so lebhaft zur Sache wie im Q7, ist aber besser gedämmt.

Mit einer Länge von 4,75 Metern und einer Breite von 1,93 Metern hat auch der Touareg Gardemaß – aber trotzdem im Vergleich den kleinsten Innenraum. Besonders im Fond kneift es hier und dort, lange Beine lassen sich in den anderen drei besser sortieren.

M- und R-Klasse: ungleiche Brüder

Im ML geht es spürbar geräumiger zu, auch deshalb ist die Sitzposition im Fond entspannter als im VW, zudem sind die Sitze bequemer. Außen hat der Mercedes etwa die Größe des VW, bei ihm gelang den Designern aber das Kunststück am besten, diese Dimensionen zu kaschieren. Der ML wirkt im Vergleich mit den anderen kompakter. Und genauso fährt er sich. Auch mit der Luftfederung (1868 Euro) liegt hier keiner satter und präziser, fährt sich so flink und leichtfüßig.

Die Technik teilt sich der ML mit der R-Klasse, beide werden vom gleichen Dreiliter-Diesel mit 224 PS befeuert. Zusammen mit der serienmäßigen Siebenstufen-Automatik – die bei Audi und VW hat sechs Stufen – ergibt das bei beiden ein nahezu perfektes Antriebspaket. Der kernige, bullige V6 hat nicht nur jede Menge Kraft, sondern klingt auch noch wohltuend heiser, die Automatik reagiert durchweg aufmerksam, schnell und sanft.

Trotz dieser Gemeinsamkeiten hinterläßt der R 320 CDI ein ganz anderes Bild. Bei Moby Dick sind wir uns immer noch nicht ganz sicher, was für ein Auto er eigentlich sein will. Er wirkt im dichten Stadtverkehr so hilflos wie ein an den Strand gespülter Wal. Anekdotenreife Stress-Situationen in Parkhäusern inbegriffen. Keine Frage, diese Riesenklasse braucht die unbegrenzte Freiheit (und die Parkplätze) seines Zielmarktes USA.

Einmal auf großer Fahrt, gibt es jedoch kaum ein entspannteres Auto.

Ein Fall für die Lufthansa: unbegrenzte Sitzfreiheit in der Mercedes R-Klasse.

Die ausladenden Einzelsessel in Reihe eins und zwei sollte sich die Lufthansa mal ansehen – so kommod kann Gestühl sein. Selbst in der dritten Reihe läßt es sich aushalten, auch wenn Erwachsene hier mehr hocken als sitzen. Der R 320 CDI gleitet mit seiner Luftfederung (1276 Euro) ganz leicht schaukelnd über alle Widrigkeiten hinweg, die unsere Straßen so bereithalten, läuft stoisch geradeaus. Fast schon aufreizend gelassen, läßt er sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Trotzdem: Langsam ist er keineswegs und auch keine Spur schwerfällig. Er fährt sich ausgewogen und erstaunlich mühelos.

Werksangaben und Testwerte

Trotz des Allradantriebs werden wir aus diesem Quartett wohl kaum einen im harten Gelände antreffen. Obwohl ML und Touareg durchaus für echten Offroad-Spaß zu haben sind, wie unser Gelände-Experte Martin Braun von AUTO BILD ALLES ALLRAD herausgefunden hat. Mit den Luftfederungen und einer Bodenfreiheit von bis zu 30 Zentimetern, Differentialsperren (VW 780 Euro, Mercedes im Paket 2030 Euro) sowie kurzem Geländegang für dramatische Steilhänge klettern beide ganz souverän zur Almhütte. Im Gelände stört nur ihr hohes Gewicht, vor allem auf weichem Untergrund.

Ganz anders sieht es bei Mercedes R und Audi aus: Beide verzichten trotz der höhenverstellbaren Luftfederung auf Rekordwerte bei der Bodenfreiheit, bieten dennoch ansehnlich Luft unter dem Bauch (R 22 cm, Q7 24 cm). Beide haben zudem keinen separaten Geländegang. Und besonders bei der R-Klasse besteht im Gelände stets die Gefahr, daß man Bug oder Heck an Fels oder Baumstumpf kalt verformt. Alle vier sind dank hoher Anhängelasten und wirksamer Allradantriebe hingegen prächtige Zugwagen. Bei der R-Klasse darf der Anhänger allerdings nicht mehr als 2,1 Tonnen wiegen, die anderen schleppen 3,5.

Kosten und Ausstattungen

Schwer zu tragen haben Kunden an den Preisen (alle mit Luftfederung und Automatik). Der Audi Q7 3.0 TDI mit 51.410 und der Mercedes ML 320 CDI mit 51.400 Euro liegen auffällig dicht zusammen, der VW Touareg V6 TDI ist im Test-Trimm mit 51.750 Euro etwas teurer. Der lange R 320 CDI (serienmäßig mit sieben Sitzen) fährt mit 55.216 Euro eindeutig an der Spitze. Zumindest beim Preis. In der Summe aller Eigenschaften liegt Bruder ML vor R-Klasse und Q7. Eine Sternstunde, die Audi gar nicht schmecken dürfte.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: So kann es kommen: Den ersten Vergleich gewinnt der Q7 ganz locker, den zweiten verliert er gleich gegen zwei Mercedes, wenn auch ganz knapp. Am Dreiliter-TDI liegt das jedenfalls nicht, der macht eine hervorragende Figur. Aber der Q7 trifft hier auf einen austrainierten Mercedes ML in Bestform, der genau den Feinschliff hat, über den der Audi (noch) nicht verfügt.

Der ML ist handlich, hat viel Platz und die für unsere Straßen und Parksituationen sympathischere Größe. Davon kann beim gewaltigen R 320 wirklich keine Rede sein, aber auch der fährt eben mit der Klasse-Technik des ML, sammelt natürlich mächtig Punkte mit seinem Riesen-Abteil und verwöhnt mit außergewöhnlichem Komfort. Nur wer Design und Größe mag, macht mit der R-Klasse nichts falsch. Der VW Touareg wiederum hat uns so gut gefallen wie lange nicht, im Detail verbessert, ausgereift und mit dem TDI harmonisch motorisiert. Trotzdem kann er mit den jungen Höchstleistungs-Sportlern nicht mehr ganz mithalten. Er ist etwas enger, darf weniger zuladen und verbraucht etwas mehr.

ML und R – ist hier einer zuviel? Beide werden in Amerika gebaut, beide benutzen die gleiche Technik: Brauchen wir ML und R wirklich? Daß die M-Klasse einen Vergleich wie diesen gewinnt, ist eine Riesen-Überraschung. Hier war die Straße das entscheidende Kriterium, zählten Platzangebot, Komfort, Fahrdynamik – das ganz normale Programm. Da sollte die R-Klasse eigentlich richtig punkten. Hat sie auch, aber nicht genügend, um sich vom ML abzusetzen. Der liegt am Ende vorn. Wie aber soll das erst aussehen, wenn die Geländeeigenschaften größere Bedeutung bekommen würden als jetzt bei uns im Test? Das kann nur finster ausgehen für den unbeholfenen R.

Ich finde diesen Raumgleiter dabei gar nicht mal unsympathisch – sitzt man drin, hat man Luft zum Atmen, er erzieht zur Gelassenheit, zur entspannten Reise, bietet hohen Komfort. Aber – und das ist der entscheidende Punkt – viel schlechter macht das der ML auch nicht. Auch der ist ja nicht wirklich klein, sondern richtig geräumig. Auch der fährt leise, hat bequeme Sitze, federt komfortabel... Den R brauchen wir hier bei uns wohl eher nicht.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi Q7 3.0 TDI quattro, Mercedes-Benz ML 320 CDI, Mercedes-Benz R 320 CDI und VW Touareg V6 TDI. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Dirk Branke

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