Test Audi Q7, BMW X5, Porsche Cayenne S — 20.03.2007
Formel Super-SUV
Dickschiffe so flink wie Sportwagen? Das ist heute längst kein Widerspruch mehr. Hightech macht den schweren Jungs von Audi, BMW und Porsche so richtig Beine.
Extreme Straßenlagen dank Wankstabilisierung
Das Zauberwort heißt Wankstabilisierung. Hierbei wird die Seitenneigung in Kurven bei voller Fahrt reduziert oder sogar ganz unterbunden. Audi steckt diese Stabilisierungsfunktion in der 2575 Euro teuren Luftfederung Adaptive Air Suspension. BMW verbindet die aktive Dämpfung Adaptive Drive mit einem hydraulisch unterstützten Karosserieausgleich (3290 Euro). Porsche bietet ein ganz ähnliches Prinzip an, verlangt für das PDCC 3213 Euro – allerdings muss dieses Extra zusammen mit den elektronisch geregelten Luftfedern für zusätzliche 2963 Euro bestellt werden.Das sind stolze Preise für eine würdevolle (Karosserie-)Haltung. Wie effektiv die Systeme wirklich sind, haben wir auf der Rennstrecke ermittelt (siehe Tabellen auf Seite 2). Bei allen auf höchstem Stand: die Ausstattung, die Sicherheitslage und das fürstliche Platzangebot inklusive bester Transportqualitäten. Wobei wir hier fein unterscheiden wollen: Der BMW glänzt mit einem Ausstattungsvorsprung und seinem umfassenden Sicherheitskonzept inklusive Adaptiv-Bremslicht und Xenonlicht. Audi hält mit Funktionalität und Variabilität sowie den besten Sitzen dagegen. Porsche macht sich an anderer Front stark, lässt den stärksten Motor von der Leine.
| FAHRZEUGDATEN | AUDI | BMW | PORSCHE |
| Motor Bauart/Zyl./Einbaul. | V8, vorn längs | V8, vorn längs | V8, vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette | Kette |
| Hubraum | 4163 cm³ | 4799 cm³ | 4806 cm³ |
| kW (PS) bei U/min | 257 (350)/6800 | 261 (355)/6300 | 283 (385)/6200 |
| Nm bei U/min | 440/3500 | 475/3400 | 500/3500 |
| Vmax | 248 km/h | 240 km/h | 250 km/h |
| Getriebe | 6-Stufen-Automatik | 6-Stufen-Automatik | 6-Stufen-Automatik |
| Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 255/55 R 18 Y | 255/50 R 19 W | 275/45/ R 19 Y |
| Radgröße | 8 J x 18 Zoll | 9 J x 19 Zoll | 9 J x 19 Zoll |
| Abgas CO2 | 326 g/km | 349 g/km | 329 g/km |
| Verbrauch* | 19,5/10,2/13,6 l | 17,5/9,6/12,5 l | 20,2/10,1/13,7 l |
| Tankinhalt | 100 l/Super plus | 85 l/Super plus | 100 l/Super plus |
| Vorbeifahrgeräusch | 73 dB (A) | 72 dB (A) | 76 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 3500/750 kg | 2700/750 kg | 3500/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 775/2035 l | 620/1750 l | 540/1770 l |
| Abmessungen L/B/H | 5086/1983/1737 | 4854/1933/1766 | 4798/1928/1699 |
| Radstand | 3002 mm | 2933 mm | 2855 mm |
| Spurweite v/h | 1651/1676 mm | 1644/1650 mm | 1647/1662 mm |
| Testbereifung | Bridgest. Dueller H/P | Conti. Contact SSR | Michelin Latitude Sp. |
| Kofferraumtiefe min/max | 1150/2000 mm | 1010/1930 mm | 690/1620 mm |
| Kofferraumbreite | 1160 mm | 1100 mm | 1160 mm |
| Ladekantenhöhe | 800 mm | 785 mm | 670 mm |
| Testwagenpreis** | 69.775 € | 74.290 € | 74.036 € |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** inkl. Zusatzausstattung wie z.B. Luftfahrwerk, Aktivlenkung, 19"-Ber. | |||
| MESSWERTE | |||
| 0-50 km/h | 2,6 s | 2,5 s | 2,4 s |
| 0-100 km/h | 7,4 s | 7,3 s | 6,8 s |
| 0-160 km/h | 17,2 s | 18,0 s | 16,1 s |
| 60-100 km/h | 4,0 s | 4,0 s | 3,6 s |
| 80-120 km/h | 4,8 s | 4,9 s | 4,6 s |
| Leergewicht/Zuladung | 2395/540 kg | 2305/480 kg | 2460/620 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % | 51/49 % | 53/47 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,8/11,9 m | 12,4/12,7 m | 11,3/11,5 m |
| Bremsweg aus100 km/h kalt | 38,1 m | 37,0 m | 38,0 m |
| aus100 km/h warm | 36,6 m | 36,9 m | 37,1 m |
| Innengeräusch bei 50 km/h | 58 dB (A) | 56 dB (A) | 59 dB (A) |
| bei 100 km/h | 65 dB (A) | 63 dB (A) | 66 dB (A) |
| bei 130 km/h | 68 dB (A) | 68 dB (A) | 69 dB (A) |
| Testverbrauch -Test CO2 | 15,1 l - 362 g/km | 14,6 l - 49 g/km | 15,8 l - 379 g/km |
| Reichweite | 660 km | 580 km | 630 km |
Ende Gelände erst bei 250 km/h
Überhaupt stecken im Antrieb des Porsche – wie bei Audi und BMW natürlich auch – leckerste Zutaten. Der bissig hochdrehende V8 wird von einer Benzindirekteinspritzung mit Sprit versorgt, erhält Unterstützung durch die Nockenwellenverstellung Variocam-Plus und schöpft Drehmomentreserven aus einem schaltbaren Ansaugsystem. So fällt es dem leicht, den dicken Cayenne in Marsch zu setzen. Nach 6,8 Sekunden wuchtet er ihn auf Tempo 100, erst bei 250 endet der Schub. Allerdings: Der potente Achtzylinder klingt eher zurückhaltend mechanisch. Erst mit einer optionalen Sportabgasanlage (2606 Euro) röhrt der Cayenne mit adäquater Sportwagenstimme. Das wäre auch dem hohen fahrdynamischen Potenzial gemäß.Fahrsicherheit steht vor übertriebener Agilität
Mit spitzer, sehr direkter Lenkung reagiert der Cayenne extrem spontan auf Kursänderungen. Gefühlt bleibt der Aufbau dabei bis in den Grenzbereich hinein in der Waage. Dazu kommt eine hilfreiche Lastwechselreaktion, die den Porsche in Kurven spontan eindrehen lässt. Das erfordert zwar reaktionsschnelle Mitarbeit des Fahrers – aber so herrlich aktiv fühlen sich sonst nur Limousinen oder hochkarätige Sportwagen an. Da kann Audi nicht mithalten. Der Q7 ist trotz variabler Federhärte eher auf Reisen eingestellt. Grundsätzlich bewegt er sich ebenfalls aktiv und stabil durch Kurven, lässt sich mit seiner gefühlvollen Lenkung tadellos korrigieren. Aber jeden Ansatz von Ausrutschern bekämpft das ESP übereifrig. Motto: Absolute Fahrsicherheit steht vor übertriebener Agilität. Trost: Im Q7 pocht – ach was, hämmert – wie im Porsche ein muskulöses Direkteinspritzer-Herz. Nur klingt der 4.2 FSI von Audi satter, kraftvoller. Dabei ist der V8 auf dem Papier schlapper als das starke Stück im Cayenne. Verstecken muss sich der mächtig im Fahrtwind stehende Audi nicht. Durchzug und die imposante Höchstgeschwindigkeit von 248 km/h zeigen: Die FSI-Technik hat Audi fest im Griff. Genau wie das souveräne Fahrverhalten bei hohem Tempo. Ab Geschwindigkeiten von 120 und 160 km/h senkt sich die Karosserie des Q7 in Schritten ab. Zusammen mit der variablen Lenkung ergibt sich ein hervorragender Geradeauslauf. Fast ballistisch stabil wie eine Gewehrkugel fegt der Q7 über die Autobahn. Dazu passt der ausgewogene Charakter der Luftfederung. Im Comfort-Modus ähnelt der sanft durchschwingende Q7 einer Luxuslimousine.Brachialer Bayer
Dagegen verhält sich der X5 beinahe zappelig. Besonders bei hohem Tempo muss der Fahrer feinfühlig den Kurs halten. Die synthetisch ansprechende Aktivlenkung mit variabler Übersetzung verlangt häufiges Korrigieren. Das fügt sich nicht zum sonst unbeirrbaren Bild des großen X5. Wie konsequent der Trumm vorwärtsstürmt, ist ein Gedicht. Brachial bricht sich der Bayer eine Schneise durch den Fahrtwind, zieht bärig durch, klingt sportlich böse knurrend und stürmt in 7,3 Sekunden auf 100. Und das bei niedrigem Verbrauch. Vorbildlich auch die Bremsen mit toller Verzögerung. Gebremst wird aber auch der Komfort – durch die straffe Grundeinstellung des X5. Besonders Passagiere im Fond leiden unter unsensiblem Ansprechverhalten. Der X5 lenkt spontan ein, bleibt in Ausweichversuchen gelassen, wirkt allein über den Wankausgleich um Welten agiler, als es seine Gewichtsklasse vermuten lässt. Objektiv ist der X5 jedoch kaum flinker als der Q7. Enge Radien mag der BMW nicht, schiebt hier über die Vorderreifen nach außen. Gegen den Cayenne sieht er mit dieser Auslegung sogar ausgesprochen alt aus. Denn der ist wirklich der Porsche unter den Super-SUV.Die Rennstrecke entlarvt: Wirklich sportlich ist nur der Cayenne
Audi Q7 – total auf Nummer sicher: Audi nutzt die elektronisch geregelten Stoßdämpfer (bei Adaptive Air Suspension), um Aufbaubewegungen zu minimieren. Dabei stellen sich die Dämpfer härter, wenn der Q7 in schneller Kurvenfahrt außen stärker einzufedern droht. Allerdings kann das System nur die Eintauchgeschwindigkeit beeinflussen, was in Wechselkurven oder beim Ausweichen sehr vorteilhaft ist. Eine länger anhaltende Abstützung leistet diese Wankstabilisierung nicht. In weiten Kurven – zum Beispiel in einer Autobahnabfahrt – neigt sich der Audi. Zwar nur leicht, aber im Innenraum spürbar. Für die Fahrdynamik gilt: Grundsätzlich ist das ESP des Q7 extrem vorsichtig eingestellt – das raubt jedoch Tempo auf der Dynamik-Strecke.BMW X5 – schnell, aber nicht ausgereizt: Ein hydraulisches System stemmt sich mit bis zu 850 Nm der wankenden Karosserie des X5 entgegen. Dabei werden geteilte Stabilisatoren vorn und hinten durch je ein Stellelement verbunden. Droht zum Beispiel der BMW in einer Linkskurve nach rechts zu neigen, spannt die Hydraulik die rechte Seite des Stabilisators vor, unterstützt dann die Fahrzeugfederung. In Folge kann der X5 an der Kurvenaußenseite nicht so stark einfedern. In unseren Fahrdynamik-Tests bleibt der X5 subjektiv beeindruckend aufrecht. Allerdings wirkt sich im Extremfall die Versteifung der Stabis aufs Fahrverhalten aus. Der X5 untersteuert in schnellen Kurven, verliert dadurch Zeit.
Porsche Cayenne – kompromisslos dynamisch: Die Wankstabilisierung arbeitet ähnlich wie bei BMW. Geteilte Stabilisatoren halten den Porsche in der Waage. Ein hydraulischer Stellmotor wirkt auf die Enden der Stabis, bis 180 Bar Druck aus einer riemengetriebenen Pumpe am Motor verdrehen die Hälften gegeneinander, entlasten bzw. spannen die Federung. So bleibt der Cayenne bis zu einer Querbeschleunigung von circa 0,65g aufrecht. Allerdings: Das System kostet Sprit – bis zu einem Liter Mehrverbrauch. Porsche hat zudem den Cayenne extrem fahraktiv abgestimmt. Inklusive leichter Eindrehtendenz beim Lastwechsel. Ergebnis: beste Rundenzeiten im Contidrom.

































