Test Audi R8

Audi R8 Audi R8

Test Audi R8

— 23.01.2007

Die neue Lichtgestalt

Audi bringt Licht in die Sportwagenszene. Doch der neue R8 begeistert nicht nur mit seinen schicken LED-Leuchten, sondern vor allem mit unbändiger Lust an der Leistung.

Wenn Erwachsene spielen wollen, fahren sie nach Las Vegas. Und hoffen auf das große Glück. Wobei es eigentlich egal ist, ob die Glücksritter im Kasino oder in einer der zahlreichen Hochzeits-Kapellen ihr Glück versuchen. Einsatz und Risiko muss jeder selbst abschätzen. Damit Jetons und Jaworte auch entsprechend locker sitzen, vertraut die größte Stadt Nevadas auf Glitzer und Glamour. Millionen von Glühbirnen und Neonröhren lassen die City leuchten wie einen ganzen Wald geschmückter Weihnachtsbäume, sorgen so für schönen Schein und gnädigen Glanz.

Diabolisch-dynamische Aluminium-Skulptur

Doch was bisher immer funktionierte, versagt angesichts eines Autos made in Germany. Heute verblasst die Lichterstadt Las Vegas gegen 30 weiße und 80 rote Leuchtdioden. Sie illuminieren Front, Heck und Motorraum des neuen Audi R8. Und sie verschaffen dem Ingolstädter Mittelmotor-Sportwagen einen derart imposanten Auftritt, dass auf dem berühmten Strip spontan Staus des Staunens entstehen. Von geradezu übernatürlicher Magie dürfte uns der R8-Auftritt dann in einem Jahr erscheinen. Ende 2007 bringt Audi erstmals Frontscheinwerfer, die ausschließlich Leuchtdioden nutzen. Insgesamt 44 LED übernehmen das Abblend- und Fernlicht, die LED-Tagfahrleuchten erscheinen – anders als bei den serienmäßigen Bi-Xenon-Leuchten – als durchgehendes Band und nicht mehr als einzelne Lichtpunkte. Also wagen wir ein Spielchen. Und notieren begeistert, dass der R8 auch auf den zweiten Blick nicht einen Hauch seiner Faszination einbüßt.

Wenn Sie Menschen kennenlernen wollen, parken Sie den 4,43 Meter langen und 1,90 Meter breiten Renner einfach am Straßenrand. Die diabolisch dynamische und engelsgleich elegante Aluminium-Skulptur verfehlt ihre Wirkung garantiert nicht. Wird Ihnen der Trubel zu viel, erweist sich der Audi R8 als idealer Fluchthelfer. Durch weit öffnende Türen gelangen wir in einen teuren Technik-Tempel, der uns nichts vermissen lässt und hervorragende Unterhaltung garantiert. Nicht nur wegen der klangvollen 465-Watt-Surround-Anlage von Bang & Olufsen, sondern vor allem wegen der hohen Funktionalität und der markentypischen Sportlichkeit. Von der Tür über die gut ablesbaren Instrumente bis in die ihm zugewandte Mittelkonsole wird der Fahrer von einem Streifen in schwarzem Klavierlack umschlossen – was nicht ganz zufällig an einen Monoposto erinnern soll.

So umhüllt, genießt er die körpernah geschneiderten Sportsitze mit Leder/Alcantara-Bezug und darf sich zu Recht als Herr der Ringe fühlen. Zumal sich selbst Zwei-Meter-Mannen gut untergebracht finden. Dass sie die Alukarosserie beim Rangieren nur schwer einsehen können, der rechte Arm auf der beweglichen Abdeckung des Handbremshebels eher unkommod ruht und der Stauraum für kaum mehr als ein Flitter-Wochenende reicht, lässt sich da durchaus verkraften. Schließlich soll der R8 Porsche und Ferrari nicht bei der Alltagstauglichkeit, sondern vor allem beim Adrenalinausstoß überholen. Zu diesem Zweck lauert hinter dem Piloten ein 4,2-Liter-V8, der einen mitreißenden Marsch für 420 PS intoniert. Ebenso klang- wie kraftvoll erwacht der unter Glas gebettete Direkteinspritzer mit einem heiseren Huster zum Leben und grummelt im Standgas ungeduldig hechelnd dem Start entgegen.

Furioses Gebrüll, gepaart mit atemberaubenden Fahrleistungen

Also den ersten Gang rein und los. Die offene Schaltkulisse der Sechsgangbox quittiert unsere Wahl mit einem metallischen Klacken, der allradgetriebene R8 mit einem mächtigen Satz nach vorn und rennmäßiger Soundkulisse. Der 1560 Kilo schwere Alu-Athlet soll in 4,6 Sekunden auf Tempo 100 kommen und bis zu 301 km/h schnell sein. Versprechungen, an denen wir angesichts der ersten Testtour nicht zweifeln. Wild entschlossen krallen sich die 235er- bzw. 285er-Reifen auf den optionalen 19-Zoll-Alus (Serie 18-Zoll) in den Asphalt, während die serienmäßige Sicherheitselektronik sie erfolgreich davor bewahrt, sich in Rauch aufzulösen.

Unter dem furiosen Gebrüll des Vierventilers beamt sich der R8 im Zeitraffer in eine für Audi neue Dimension. Wenn der Zeiger des Drehzahlmessers sich voller Vorfreude der Vier nähert, lässt der V8 die Sau raus und alle Hemmungen fallen. Brutal wie Charles Bronson, scharf wie Chili, verführerisch wie ein Vamp – der R8 macht mit jedem Kilometer mehr Spaß und süchtig. Wir freuen uns schon jetzt auf die V10-Variante, die uns Weihnachten 2008 mit rund 520 PS beglücken dürfte. Bis dahin nehmen wir aber nur zu gern mit dem R8 4.2 FSI vorlieb. Und zwar in Basisausstattung.

Zwar lässt sich mit der sequenziellen R-Tronic für rund 7400 Euro Aufpreis wohl schneller schalten als von Hand, nicht aber lustvoller. Außerdem knallt die Elektronik die Gänge im Sportmodus und unter Last so heftig rein, dass man mit dem Räderwerk mitleidet. Auch die elektromagnetische Fahrwerkregelung Dynamic Ride erweist sich als verzichtbare Option. Der R8 lässt sich so zwar gnadenlos hart und unempfänglich für jede Form der Karosseriebewegung abstimmen, das Standardfahrwerk reicht aber völlig aus und bietet darüber hinaus sogar noch einen ordentlichen Fahrkomfort.

Im Rahmen der Möglichkeiten in und um Las Vegas erlebten wir den R8 straff, sicher und vor allem extrem kurvengierig. Die direkte Lenkung scheint die Ideallinie fast von allein zu finden, die Gewichtsverteilung von 44 zu 56 Prozent sorgt für sauber ausbalancierten Fahrspaß, der Allradantrieb mit hecklastiger Grundauslegung (Kraftverteilung 10:90 bis 35:65) garantiert lustbetontes Kurvenkratzen. Dieser Audi erlaubt nicht nur eine forcierte Fortbewegung, er fordert sie regelrecht. Und erweist sich nach erstem Anschein als durchaus ernst zu nehmender und sehr ambitionierter Sportwagen. Die erste Ausfahrt auf einer Rennstrecke dürfte das wahre Potenzial des Ring-Kämpfers offenbaren – wir kümmern uns drum. Versprochen.

Wenn Sie jetzt Lust auf den R8 bekommen haben, sollten Sie zunächst Ihre Finanzlage klären. Für den R8 4.2 FSI mit Bi-Xenon, Klimaautomatik, 18-Zoll-Alus, Radio und Leder/Alcantara-Polstern müssen 104.400 Euro überwiesen werden. Und ganz ehrlich: Da finden Sie in Las Vegas wahrscheinlich schneller eine heiratswillige Frau, als dass Sie diese Summe aus einem einarmigen Banditen holen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Mit dem R8 gelingt Audi gleich in doppelter Hinsicht ein Meisterstück. Erstens sieht der unter Walter de'Silva gezeichnete Sportwagen sagenhaft gut aus. Und zweitens fährt er auch noch so messerscharf, dass Porsche & Co die Marke mit den vier Ringen jetzt wohl ernst nehmen müssen. Sehr ernst sogar.

Technische Daten

V8, Mittelmotor • Trockensumpfschmierung • vier Ventile pro Zylinder • vier oben liegende Nockenwellen • Hubraum 4163 cm³ • Leistung 309 kW (420 PS) bei 7800/ min • max. Drehmoment 430 Nm bei 4500/min • Allradantrieb • manuelles Sechsganggetriebe • innenbelüftete, gelochte Scheibenbremsen rundum • Reifen vorn 235/40 R 18, hinten 285/35 R 18 • L/B/H 4431/1904/1252 mm • Leergewicht 1560 kg • Kofferraum 100 l • Tank 75 l • Spitze 301 km/h • 0–100 km/h in 4,6 s • Verbrauch (EU-Mix) 14,6 l SP • Preis: 104.400 Euro

Autor: Gerald Czajka

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