Test Audi R8 – Corvette Z06 – Viper SRT-10

Audi R8 – Dodge Viper SRT-10 – Corvette Z06 Audi R8 – Dodge Viper SRT-10 – Corvette Z06

Test Audi R8 gegen Corvette und Viper

— 20.02.2007

Speeding Las Vegas

Der Audi R8 erregt Aufsehen. In und um Las Vegas traf der deutsche Supersportler auf zwei Legenden: Corvette Z06 und Viper SRT-10. Der erste Vergleich.

Das Tempolimit ist die Höchststrafe

Hat da was geblitzt? War ich zu schnell? Ein paar Tage Amerika mit drei sehr schnellen Autos reichen, dass man sich immer ein bisschen wie ein Verbrecher fühlt. Hinter jeder Ecke könnte ein Cop mit Laserpistole lauern. Aber die blitzen ja gar nicht. War es eine der Leuchtreklamen, diese Milliarden elektrischer Glühwürmchen, die dir den American Way of Life direkt ins Hirn brennen wollen? Ich fahre im brandneuen Audi R8 mit etwa 50 km/h den Strip entlang, aus dem vorzüglichen Bang & Olufsen-Soundsystem rappt Laurence Fishburne zu Buckshot LeFonques Version von "My Way". Keine Musik zum Langsamfahren. Kein Auto zum Langsamfahren. Und bei Sinatra klang das auch ganz anders. Die Sonne kommt bald raus, neben mir geht Mark in der Z06 für Fotozwecke auf Tuchfühlung. Und vor mir fährt sein Bruder Frank die offene Viper mit Fotograf Volker.

Das üppige Hinterteil der Viper wird fast noch getoppt vom Anblick der mächtigen Schlappen. An jeder Ampel geben wir zügig Gas – bis etwa 50, dann ist Schluss. Ein Trauerspiel. Alle gucken, krosse Hardbodies ebenso wie die Doppelwhopper mit dicken Marshmallow-Ringen, verlebte Spieler, Touristen in schlechter Kleidung, verliebte Pärchen, Penner. Mich sehen sie nicht. Der Star der Spielermetropole heißt Audi R8. Und der saugt die Blicke auf wie ein schwarzes Loch. Corvette Z06 und Dodge Viper werden nur am Rande beachtet, wenn das Trio vor einem der unzähligen Glitzer-Casinos der Spielermetropole parkt. Dabei sind die beiden Amis alles andere als Mauerblümchen. Die Corvette, Inbegriff des amerikanischen Sportwagens, fasziniert von außen durch die klassische Frontmotor-Optik mit langer Schnauze und kurzen Überhängen. Und die Viper ist als Inbegriff und Abziehbild der phallischen Verlängerung ohnehin das Auto für Leute, die den großen, schreienden Auftritt lieben.

Doch neben dem R8 mit seiner gelungenen Mischung aus italienisch angehauchter Rassigkeit, der für Audi typischen Klarheit und Strenge der Linienführung und der Cab-Forward-Optik eines Mittelmotorsportlers haben es die beiden US-Ikonen verdammt schwer. Selbst auf Officer Bob Paxton wirkt der Audi offenbar entspannend. Wir stehen recht fett vor einer Casino-Auffahrt, befürchten das Schlimmste. Aber Bob holt sich nur was zu essen, erkundigt sich nach dem Audi und lässt fürs Foto sogar seinen Christbaum blinken. Bei Motorleistung und Technik der drei Kandidaten gibt es ziemliche Unterschiede. Audi schickt seinen knackigen Beau zunächst mit einem modernen, hoch drehenden V8-Benzin-Direkteinspritzer auf die Piste, der aus 4,2 Liter Hubraum 420 PS auf alle vier Räder verteilt. Ein V10-Triebwerk mit etwa 520 PS soll Ende nächsten Jahres kommen.

Die Corvette ist aus anderem Holz. Nicht nur weil auch bei der Z06 ein in Kohlefaser eingehüllter Balsaholzkern die Sandwichböden der Fahrgastzelle unterstützt. Bewährte Zweiventiltechnik, untenliegende Zentralnockenwelle und sieben Liter Hubraum sind für 512 sehr drehfreudige PS gut, die notfalls von elektrischen Asphaltgummierverhinderern eingebremst werden. Die Viper sattelt beim Hubraum noch einen Zacken drauf und geht mit 8285 cm³ an den Start. Zehn Zylinder, auch befeuert über je zwei Ventile, aber mit zwei obenliegenden Nockenwellen, garantieren bereits bei niedrigen Drehzahlen einen bestialischen Antritt. Vorausgesetzt man übertreibt es nicht, denn dann suchen selbst die breiten 345er-Walzen hilflos nach Halt. Fahrhilfen wie ESP oder Traktionskontrolle sind der Giftschlange fremd. Wenigstens ist ABS an Bord.

Doch zurück zur momentanen Situation: Drei gierige Fahrer cruisen mit drei heißen Ballermännern einigermaßen frustriert durch die knallbunte Showstadt Las Vegas. Aber haben im Moment eine völlig andere Vorstellung von Vergnügen. Mehr so in Richtung Gummigestank, harte Bremsmanöver, heulende Motoren. Mittlerweile brennt der Himmel rot-gelb. Nix wie raus aus der Stadt. Das Valley of Fire liegt weit abseits von Vegas. Incognito groovt über die B&Os, Smiling Faces auch bei uns. Wir tauschen uns aus. Mark bemängelt die etwas weichen Corvette-Sitze und ihren nicht optimalen Seitenhalt, ich lobe das perfekte Audi-Gestühl und das Moncoque-artige Cockpit. "Eins-plus-eins-Sitzer" nennt das quattro-Entwicklungsleiter Stephan Reil. Und Frank hadert mit der betonharten Kupplung und der Bodybuilder-Schaltung der Viper, ist aber vom unheilvoll grollenden Motor recht angetan.

Reichlich Prominenz am Steuer

Das hat entschieden was, aber der hoch drehende R8 (roter Bereich bei 8250) mit seiner bis zum Trompeten hohen Geräuschkulisse macht mich mehr an. Und die sechsstufige R-Tronic (7390 Euro) mit Sportmodus lässt sich bequem über Paddel am Lenkrad schalten. Wobei die wunderbare Schaltkulisse aus poliertem Edelstahl (Serie) viel ästhetischer wirkt. Mark ergötzt sich derweil am Head-up-Display der Z06, auf dem man zum Beispiel die Querbeschleunigung ablesen kann. Oder könnte, denn das Valley of Fire erweist sich als Naturpark, der zwar mit atemberaubender Landschaft, jeder Menge leckerer Kurven und endlosen einsehbaren Geraden aufwartet.

Aber auch mit rigorosen Tempolimits: maximales Tempo 50 Meilen, leichte Kurve 35 Meilen, enge Kurve 25 Meilen. 35 Meilen zu schnell bedeutet hier eine Nacht im Knast, was in Gesellschaft eines crackgestählten Zellennachbarn zum eindrucksvollen Erlebnis werden kann, das man nicht haben muss. Und tschüss, Valley of Fire. Über den Highway geht es mit immerhin 75 Meilen in Richtung Las Vegas Speedway. Hier zeigt sich, dass der Audi mit adaptivem Fahrwerk Magnetic-Ride (1740 Euro) auf Komfortstufe durchaus für lässige Autobahnfahrten taugt. Die für mich in Gesellschaft von Steely Dans entspanntem Jack of Speed an Genuss gewinnen. Frank und Mark bekommen in Viper und Corvette dagegen mehr mit, als es für eine Fahrt auf einer breiten, aber nicht so guten Autobahn nötig wäre.

Doch Mark hat sich mittlerweile ein bisschen in die Z06 verguckt. "Die Drehfreude des Motors ist einfach gigantisch. Dazu das Drehmoment – der Druck ist gewaltig". Und Frank, Spezialist für die quere Form der Außenwahrnehmung, hat auch die Autobahnausfahrt quer genommen. Wie immer perfekt, aber nicht ganz freiwillig. "Der Motor ist ein Übervieh. Und mit den Runflat-Walzen bist du schneller quer, als du Shit sagen kannst." Wir vermuten: Die Traktionsstärke könnte dem R8 auf der Rennstrecke trotz der beachtlichen Minderleistung ziemliche Vorteile bringen. Aber noch kennen wir den Kurs nicht.

Singender Autofan will auch mal ans Volant: Seal auf Probefahrt im R8.

Lange Geraden brächten den beiden Bic Macs Vorteile. Auf dem schnellsten Stück kommt der R8 etwa auf 180 km/h, hat Stephan Reil erzählt. Doch bevor wir selbst ins Lenkrad greifen, suchen wir uns illustre Fahrer. Frank schnappt sich Seal, ich bitte Prof. Dr. Martin Winterkorn, ehemals Audi-Chef, unter dessen Leitung das R8-Projekt geboren wurde, heute VW-Vorstandschef. Winterkorn ist ein forscher Angaser, der genau weiß, was er tut. In der ersten Runde checkt er erst mal ab, lässt aber lang stehen und ist schon sehr schnell. Die zweite Runde kommt er ein paar Mal leicht quer, gleicht aber sehr ruhig aus. Die Linie scheint indes verbesserungsfähig.

Was mir dann Jacky Icks demonstriert, der im R-Tronic R8 den linken Fuß am Boden lässt und sehr weich und rund fährt. Die Kerbs nimmt er an einigen Passagen voller, bremst an den engen Kurven viel weiter runter und ist dafür wieder früher am Gas, und – das zeichnet diese Jungs aus – bleibt wirklich bis zum letzten Moment auf dem Pedal, bremst sich exakt und hart bis zum letztmöglichen Punkt, um ohne Drift durchs Eck zu kommen. "Ich entdecke gerade Audi. Und bin überrascht, wie präzise und vor allem stabil der R8 zu fahren ist."

Technische Daten und Fazit

Er hat recht. Man muss schon sehr spät bremsen, um in der Kurve überhaupt leichte Querbewegungen zu erzeugen. Was Mark bestätigt, der ein begabter und schneller Linienfahrer ist. "Sauber bewegt, ist der R8 sehr schnell, einfach zu handeln und entspannt zu fahren." Eindeutig nicht rennstreckentauglich ist dagegen der Cupholder. Wir wechseln in die Corvette, die auch leichte Traktionsprobleme zeigt und etwas vorsichtiger behandelt werden will. Die Lenkung ist sehr taktil, recht direkt, "aber nicht ganz so messerscharf wie bei einem GT3", sagt Mark. Doch das schon gemein klingende Triebwerk will vorsichtig gedreht werden, denn sonst sind Quertreibereien vorprogrammiert. Was aber nur an ein paar Stellen geht, denn die Strecke ist von Pylonen verkleinert. Ehrensache, dass wir die nicht berühren werden. Okay. Zwei.

Drei für die Rennstrecke: Audi R8, Corvette Z06, Viper SRT-10.

Zuletzt jagen wir die Viper, die am giftigsten mit dem Heck schwänzelt. Kupplung, und Schaltung sind schweißtreibend, die Lenkung härter, das Fahrverhalten sehr blitzartig. Volle Konzentration ist angesagt, wenn man schnell sein will: "Man darf nichts schnell machen, muss präzise und behutsam schalten, lenken und Gas geben, wenn man sicher unterwegs sein will", sagt Frank. Nach fünf Runden geht eh nichts mehr schnell, weil man einfach fertig ist, könnte man auch sagen. Außerdem ist das Ding alles andere als grazil wie eine Viper, sondern nach vorn ziemlich unübersichtlich, präzises Einlenken wird so manchmal zum Glücksspiel. Und die Quintessenz?

Mal fernab von Rundenzeiten, die wir nicht ermittelt haben, ist der R8 durch seinen Allradantrieb, die ausgeglichene Gewichtsverteilung, das gutmütige Fahrverhalten und seine sensible Lenkung auf engen Kursen im Vorteil. Vor allem verzeiht er mehr. Aber die erste Jahresproduktion – pro Tag entstehen 20 – ist eh schon verkauft. "Wir wollen auch mit dem R8 Geld verdienen", erklärt Audi-Chef Rupert Stadler. Die Z06 hat einen Hammer- Motor, ein präzises Alu-Fahrwerk, gehört aber in besonnene Hände. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist überragend. Und das ehemals schlechte Image wird endlich von der Einschätzung abgelöst, dass die Corvette ein guter, im Fall der Z06 ein verdammt guter Sportwagen ist.

An der Viper zu kritisieren, sie wolle am liebsten "straight forward", würde den Verweis auf die phallische Form nun doch überstrapazieren. Und ihr auch unrecht tun. Denn sie erfordert einfach ein bisschen mehr Gewöhnung und Übung. Das V10-Ungetüm ist immer wieder eine Wonne, wenn es ziemlich unspektakulär und nicht sehr schnell hochdreht, aber einen unglaublichen Zug entwickelt. "Und dieses Sprotzeln bei der Gaswegnahme – schon geil", meint Frank. Mittendrin statt nur dabei mit den Sidepipes. Allerdings auch mitten in der Hitze. Und das Verhältnis von Preis zu Verarbeitung der Viper stimmt leider immer noch nicht.

Aber die ersten richtigen Gegner, die dem R8 auf Augenhöhe begegnen, werden eh andere sein. Erst mal Porsche mit dem 911 GT3, Jaguar mit dem XKR Coupé, auch der Maserati Gransport ist ein potenzieller Kandidat. Und natürlich die Mittelmotor-Konkurrenten Ferrari F430 und Lamborghini Gallardo. Doch die spielen leistungsmäßig derzeit noch in einer höheren Liga. Was sich ändert, wenn Audi Ende nächsten Jahres den V10 einführt, der etwa 520 PS entwickeln soll. Zum Schluss blitzt es dann tatsächlich noch. Gewitter beim Rückflug über den großen Teich.

Fazit von AUTO BILD-Sportscars-Redakteur Ralf Kund:

Obwohl alle drei Kandidaten faszinierende Sportwagen sind und mächtig Spaß machen, heißt der klare Favorit Audi R8. Die Leichtigkeit, mit der sich die Mittelmotorflunder bis in den Grenzbereich bewegen lässt, bieten weder Z06 noch Viper. Dazu kommt ein Design, das zwar mächtig auffällt, aber völlig ohne übertriebene Effekte auskommt. Audis Einstand in die Welt der Supersportler ist rundum gelungen.

Autor: Ralf Kund

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