Test Audi RS4 Avant/Chrysler 300C SRT8 — 27.04.2007

Wenn zwei das Gleiche tun ...

... muss noch lange nicht dasselbe dabei herauskommen. Audi und Chrysler interpretieren das Thema "bärenstarker Kombi" mit RS4 und 300C höchst unterschiedlich.

Immerhin: Ein paar Dinge haben die beiden gemeinsam. Zum Beispiel vier Türen, eine Heckklappe, acht Zylinder und reichlich 400 PS. Ansonsten sind sie allerdings ungefähr so weit voneinander entfernt wie Ingolstadt von Michigan. Das beginnt schon mit der Optik. Der Audi gibt sich recht dezent: 4,58 Meter kurz, durchaus ansehnlich, aber nicht wirklich hinreißend. In gut situierten Wohnvierteln fällt man damit kaum auf. Denn die Rangabzeichen der Power-Fraktion kommen erst auf den zweiten Blick zum Tragen: dramatisch große Lufteinlässe in der Frontschürze, feiste Radhäuser, in denen pralle 255er-Gummis wohnen, schließlich noch zwei ovale Endrohre, die ganz subtil von Freiheit und Abenteuer künden.

Mit Tarnfarbe würde der Chrysler auch in militärische Fuhrparks passen

Mächtiger Kühler: Mit dem könnte man Büffel von der Straße schieben.

Ganz anders der Chrysler: Ein mächtiger Kühlergrill, mit dem man auch Büffel von den Schienen schieben könnte, schmale Fensterflächen, massige, wie aus dem Vollen gehackte Blechpartien, das Ganze stolze fünf Meter lang. In Tarnfarben lackiert, würde er hervorragend in militärische Fuhrparks passen. Motto: Wenn die Humvees gerade alle ausgebucht sind, prescht man eben mit dem Chrysler an die Front. So lange es geradeaus geht, in der Wüste beispielsweise, wäre man schnell am Ziel. In 5,4 Sekunden beamt der 6,1 Liter große V8 den 300C auf Tempo 100, das maximale Drehmoment von 569 Newtonmetern schüttelt er lässig aus den Brennräumen – und in ganz dringenden Fällen macht er den schweren Wagen bis zu 265 km/h schnell.

Auch das Abbremsen geht zügig vonstatten. Eine Vierkolben-Bremsanlage von Brembo bringt den Chrysler schon nach 38 Metern wieder zum Stillstand – nicht selbstverständlich für so einen dicken Brocken. Dass die Fünfgang-Automatik nicht gerade die modernste ist, fällt angesichts der souveränen Kraftreserven nicht weiter ins Gewicht. Im wahrsten Sinne des Wortes schwerwiegend machen sich dagegen die zwei Tonnen bemerkbar, die der Wuchtbrummer auf die Waage bringt. Denn die kann das überraschend komfortable Fahrwerk in Kurven nicht so einfach wegstecken. Mit starker Schieflage stampft der Dampfer um die Ecken – und das Steuerrad vermittelt dem Kapitän keinen sonderlich innigen Kontakt mit dem Fahrwasser. Noch schlimmer wird das Ganze bei voller Beladung – und die ist schnell erreicht: Gerade mal 360 Kilo darf der schwere Ami transportieren.

RS4: Wer so einen Achtzylinder hat, braucht keine Soundanlage mehr

An Traktion mangelt es dem RS4 dank des Allradantriebs nicht.

Großzügiger gibt sich da der Audi: Stolze 475 Kilo können hier mitfahren, die Frage lautet aber: Wo? Denn der Kofferraum fällt mit 442 Litern für einen Kombi und speziell im Vergleich mit dem Gepäckabteil des Chrysler (630 Liter) nicht gerade üppig aus. Doch das ist eigentlich schon der einzige Mangel, den man dem flotten Bayern ernsthaft ankreiden könnte. Zehn PS weniger als der Chrysler? Geschenkt. Auch das Defizit von 139 Newtonmetern fällt nicht weiter ins Gewicht, denn zum einen wiegt der RS4 gut vier Zentner weniger als der Chrysler, zum anderen dreht er bei Bedarf 2500 (!) Umdrehungen höher, was neben dem Fahrspaß auch das akustische Erlebnis verstärkt: Wer einen so hoch drehenden Achtzylinder hat, braucht keine Soundanlage mehr. Viel wichtiger ist da die stramme Traktion, und daran mangelt es dem RS4 dank des Allradantriebs nun wirklich nicht.

Beim Durst sind sich die beiden einig: 20 Liter Super Plus müssen sein.

Ebenso wenig bei den Fahreigenschaften. Neutral bis zur Selbstverleugnung, zieht der Audi stoisch seine Bahn, lässt sich auch von Fahrbahnbelägen in schnellen Autobahnkurven nicht aus der Ruhe bringen. Dass die Hände seines Chauffeurs trotzdem ein wenig transpirieren, liegt an der nervösen Lenkung, die sehr direkt und damit nicht jedermanns Sache ist. Ein wenig mehr Komfort würde man sich auch von der Schaltung wünschen: Allzu knochig hakelt sich der Hebel durch die Kulisse. Tja – und dann gibt es da noch eine Gemeinsamkeit, die das Vergnügen, ein solches Auto zu fahren, nicht wirklich steigert. Denn spätestens an der Tankstelle folgt dem Genuss die Reue. Schon die Testverbräuche beider Konkurrenten liegen im schmerzhaften Bereich – und wer ihr motorisches Potenzial wirklich ausschöpft, sollte sich auf Werte um die 20 Liter Super Plus einstellen. Immerhin kann sich der Chrysler-Eigner dann noch damit trösten, dass er bei der Anschaffung im Vergleich zum Audi um rund 24.000 Euro günstiger davonkam.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Hermann J. Müller

Audi RS4 Avant: Wer einen wahrhaft sportlichen Kombi sucht, kommt an diesem Auto nicht vorbei. Der Motor ist ein Prachtstück, der Komfort kann sich fühlen lassen, das Fahrwerk ist über alle Zweifel erhaben. Leider trifft das auch auf den Preis zu. Chrysler 300C SRT8: Sportlich ist dieses Auto nur, solange es geradeaus geht. Wer auch in Kurven schnell sein will, dürfte mit ihm nicht glücklich werden. Trotzdem: Bäriges Drehmoment, üppige Ausstattung und günstiger Preis haben auch ihre Reize.

Technische Daten RS4 Avant 300C Touring SRT8
Motor V8 V8
Einbaulage vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 2 pro Zylinder/2
Hubraum 4163 cm³ 6063 cm³
Bohrung x Hub 84,5x92,8 mm 103,0x90,9 mm
Verdichtung 12,5:1 10,3:1
kW (PS) bei 1/min 309 (420)/7800 317 (430)/6000
Literleistung 101 PS/Liter 71 PS/Liter
Nm bei 1/min 430/5500 569/4800
Antriebsart Allrad Heckantrieb
Getriebe 6-Gang, manuell 5-Gang, automatisch
Bremsen vorn 365 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel.
Bremsen hinten 324 mm/innenbel./gel. 350 mm/innenbel.
Radgröße vorn / hinten 9x19 9x20
Reifen vorn / hinten 255/35 ZR19 245/45 / 255/45 ZR20
Reifentyp Michelin Pilot Sport 2 Goodyear Eagle F1
Länge/Breite/Höhe 4586/1816/1415 mm 5015/1880/1462 mm
Radstand 2651 mm 3050 mm
Leergewicht 1785 kg 2005 kg
Leistungsgewicht 4,3 kg/PS 4,7 kg/PS
Zuladung 475 kg 360 kg
Tankinhalt 63 l 72 l
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 265 km/h
Messwerte RS4 Avant 300C Touring SRT8
Beschleunigung
0– 50 km/h 1,9 s 2,2 s
0–100 km/h 4,8 s 5,2 s
0–130 km/h 7,4 s 7,7 s
0–160 km/h 10,9 s 11,3 s
0–200 km/h 17,0 s 17,8 s
Viertelmeile
0–402,34 m 13,05 s 13,32 s
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 4,9 s 2,5 s (Zwischenspurt)
80–120 km/h im 5. Gang 6,4 s 2,9 s (Zwischenspurt)
80–120 km/h im 6. Gang 8,3 s 2,9 s (Zwischenspurt)
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 35,5m (–10,6 m/s²) 38,6m (–10,2 m/s²)
100–0 km/h warm 36,5m (–10,4 m/s²) 38,1m (–10,1 m/s²)
200–0 km/h warm 141,0m (–10,8 m/s²) 152,9m (–10,2 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 14,0 l Super Plus 16,3 l Super Plus
Reichweite 450 km 441 km
Preise in Euro (inkl.MwSt.) RS4 Avant 300C Touring SRT8
Serienfahrzeug ohne Extras 73.350 58.950
Ausstattung
Sportsitze Serie Serie
Keramikbremsanlage 5950
Navigationssystem 1100 Serie
Xenon-Licht Serie Serie
19-/20-Zoll-Felgen 1640/– –/Serie
Multifunktionslenkrad 50 Serie
Reifendruckkontrollsystem Serie Serie
Sportfahrwerk 665 Serie
Preis Testwagen 82.755 Euro 58.950 Euro

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