Test Audi TT, BMW Z4, Porsche Cayman

Drei Sportcoupés mit Sechszylinder im Vergleich Drei Sportcoupés mit Sechszylinder im Vergleich

Test Audi TT, BMW Z4, Porsche Cayman

— 18.09.2006

Drei für den Himmel auf Erden

Zwei Türen, vier Räder, sechs Zylinder – das ist der Stoff, aus dem automobile Träume sind. Die Hauptrollen spielen diesmal Audi TT, BMW Z4 und Porsche Cayman.

Werksangaben und Testwerte

Angeblich achten Frauen ja weniger aufs Äußere und mehr auf innere Werte. Was natürlich Unfug ist. Ein stählerner Waschbrettbauch setzt bei den Damen allemal mehr Glückshormone frei als ein gemütlicher, über Jahre hart antrainierter Bierranzen. Doch was tun, wenn das mit den Bauchmuskeln einfach nicht klappen will? Bauch einziehen? Eine Option für höchstens zehn Sekunden. Sport treiben? Warum nicht. Man muss ja nicht gleich ins Schwitzen kommen. Schließlich gibt es Sixpacks mit hohem Flirtfaktor frisch vom Händler an der Ecke.

Die aufregendsten Sechs-Bomben finden sich derzeit in Audi TT Coupé 3.2 quattro, BMW Z4 Coupé 3.0si und Porsche Cayman. Drei Sechszylinder-Sportcoupés für zwei (bei Audi zur Not auch noch für zwei Kurze), die nicht nur ordentlich die Muskeln spielen lassen, sondern auch noch blendend aussehen. Dem TT brauchen wir nur einmal ins Gesicht zu schauen. Die schmalen Scheinwerfer-Augen und der gierige Kühlerschlund verleihen dem Audi etwas Magisches. Wer ihn dann aber bewundernd vorbeiziehen lässt, wird von der Heckansicht möglicherweise enttäuscht sein. Zumindest im direkten Abgleich mit Z4 und Cayman wirkt der Audi-Hintern eher flach.

Allround-Talent: Der gewachsene Audi TT bietet am meisten Nutzwert.

Doch der TT, dessen muskulöser Körper zu 69 Prozent aus Alu besteht, ködert seine Fans mit anderen Qualitäten. Zum Beispiel mit der besten Alltagstauglichkeit, die einen kommoden Federungskomfort einschließt. Außerdem überzeugt der TT mit solider Verarbeitung, ausgereiftem Bedienkonzept, reisetauglichen Sportsitzen und dem besten Platzangebot. Ob die bestenfalls für Personen bis 1,50 Meter Größe tauglichen Fondsitze viel Sinn machen, bleibt mal dahingestellt. Jedenfalls lassen sie sich geteilt umlegen und eröffnen so gewaltige 700 Liter Kofferraum. Sensationell für ein 4,18 Meter kurzes Coupé.

Für engagierte Fahrer darf es trotzdem nur der Porsche sein. Allein schon dieser Blech-Body. In Model-Maße übersetzt definitiv ein heißer 90-60-90er. Dazu keine anzüglichen Assoziationen zu entwickeln, fällt wohl jedem schwer. Davon losgelöst findet der Pilot im Cayman aber auch die passendste Sitzposition, die meiste Luft für Kopf und Knie (es fehlt zum Audi an Innenbreite), die packendsten Polster, erstaunlich viel Komfort und einen fetten Drehzahlmesser direkt vor der Nase. So soll es sein. Wer diese Qualitäten schätzt, nimmt gern einen bescheideneren Kofferraum (insgesamt 410 Liter) in Kauf.

Z4: extravagantes Design, bissiger Reihensechser

Dem BMW nähern wir uns erstaunt, aber auch erfreut. Ein schräges Design, das anders als beim Roadster allerdings deutlich stimmiger wirkt. Eine schier endlose Schnauze, kleine Kanzel, heißer Hintern – irgendwie reizt dieser BMW mit jedem einzelnen seiner gerade mal 409 Zentimeter genau die richtigen Hirnregionen. Innen bleibt der Bayer für meinen Geschmack eine Spur zu nüchtern, zu unspektakulär. Und für meine Größe (1,97 m) auch zu klein. Nicht dass es im Z4 wirklich eng zugeht, gegenüber TT und Cayman fehlt aber stets ein bisschen Bewegungsfreiheit.

Immerhin kommt so das Gefühl enger Verbundenheit auf. Umschlungen von festen Polstern hockst du nur kurz vor der Hinterachse und packst mit Lust das griffige Lenkrad. Ein Sportcoupé für kuschelige Zweisamkeit, auch wenn die straffe Federung zusammen mit den lauten, hart abrollenden Notlaufreifen störend aufstößt und den Geradeauslauf spürbar einschränkt. Wenn der Dreiliter-Reihensechser allerdings mit einem dumpfen Bellen antritt und gefährlich grollend davonschiebt, verlieren solche Sorgen schnell an Bedeutung. Mit gespitzten Ohren lauschen wir der bayerischen Ode an die Leistung und genießen den mächtigen Schub im Rücken. 265 PS reißen den Z4 aus jeder Lage unnachgiebig nach vorn und lassen die Gegner nicht davonziehen.

Kosten und Ausstattungen

Der Porsche liefert fast identische Beschleunigungswerte, agiert aber bissiger, gieriger, fast schon hysterisch. Der 2,7-Liter-Boxer schöpft aus seinen sechs Töpfen leckere 245 PS, die auf der Autobahn für 260 Sachen reichen – da müssen sich Z4 und TT mit jeweils 250 km/h Spitze geschlagen geben.

Die große Stunde des kleinen Cayman-Schnappers schlägt dabei jenseits der "Vier" auf dem Tourenzähler. Was darunter noch mit verhaltenem Temperament und gedämpftem Sound beginnt, gerät darüber zu einer grandiosen Galavorstellung, die in ein furioses Finale mündet – Gänsehaut und Glückshormone inbegriffen. Entschlossen schreiend und sägend frisst der Porsche Cayman die Straße im Zeitraffer, lässt nach oben raus einfach nicht nach und stürmt völlig enthemmt den Drehzahlbegrenzer.

Während der Audi sich gesittet gibt, beißen BMW und Porsche ordentlich zu.

Im Audi geht es dagegen deutlich gesitteter zu. Der 3,2-Liter-V6 schickt seine 250 PS kontrolliert und konzentriert an alle vier Räder, holt sich fast unbemerkt die Sprint-Krone bis 100 km/h und muss erst bei schnellen Autobahnetappen abreißen lassen. Bis Tempo 200 verliert der Ingolstädter immerhin gut zwei Sekunden auf Z4 und Cayman. Ihm fehlt auf dem Weg in den roten Bereich schlicht und ergreifend die allerletzte Entschlossenheit. Dazu kommt ein lang übersetzter sechster Gang, der das Temperament des Vierventilers ganz gemütlich ausbremst.

Trotzdem gerät auch der TT-Trip zu einer echten Lustreise. Gleichmäßig kraftvoll und von sonorem Sechszylinder-Summen begleitet tritt der Audi an. Zugegeben, gegenüber Z4 und Cayman klingt der V6 wie dick in Watte verpackt, als wolle er mit seinem lustvollen Treiben bloß niemanden stören. Doch nett bleibt Audis Motoren-Musik allemal – also bloß keine falsche Scham, bitte. Auf der Rennstrecke gibt der Audi dann ebenfalls Muttis Liebling – bloß nicht auffallen und keine wilden Sachen machen. Selbst mit abgeschaltetem ESP bleibt der TT der Neutralität verbunden und schiebt über alle vier Räder zum Kurvenrand. Eine sichere, aber auch eher langweilige Angelegenheit. Immerhin passt die leichtgängige Lenkung gut zu diesem Bild.

Ganz anders Porsche und BMW. Auch hier wacht die Elektronik im Alltag über den richtigen Kurs, auf der Rennstrecke lässt sie sich für Sport und Spaß aber abschalten. Beim Z4 sogar in zwei Stufen. DTC erlaubt zunächst nur leichtes Quertreiben, ohne Risiko. Ganz lahm gelegt kommt deutlich mehr Eigenleben ins Heck, dass sich jetzt willig mit dem Gaspedal steuern lässt. Für Könner ein echtes Vergnügen, auch wenn die sehr direkte Lenkung leichte Hektik verbreitet. Davon kann im Porsche keine Rede sein. Die aus der Mittellage nach außen direkter werdende Lenkung erlaubt blitzsauberes Handling mit chirurgischer Präzision. Wie bei Mittelmotorsportlern üblich, braucht es zwar schnelle Reaktionen, damit die Fuhre nicht plötzlich einen U-Turn vollführt, dafür bietet der Cayman nach kurzer Eingewöhnung aber Spitzen-Spaß ohne Ende – Suchtgefahr inbegriffen.

Da hilft nur die Schocktherapie. Das garantiert wirksame Heilmittel dazu heißt Preisliste. Dort finden wir den Cayman für relativ humorlose 47.647 Euro, was TT Coupé 3.2 quattro (39.900 Euro) und Z4 Coupé 3.0si (38.900 Euro) natürlich verdammt gut aussehen lässt. Trotzdem schlägt mein Herz (und sicher auch das vieler Damen) allein für den Porsche. Warum? Innere Werte, natürlich!

Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Gerald Czajka Würden wir nur nach Popometer und Emotion punkten, hieße der Sieger eindeutig Porsche Cayman. So aber verhagelt der hohe Grundpreis dem zackigen Zuffenhausener den Erfolg. Am Ende gewinnt der BMW, weil er dem Porsche in Sachen Fahrdynamik recht nahe kommt und ihn in der Anschaffung deutlich unterbietet. Der ebenfalls günstige Audi lockt zwar mit hoher Alltagstauglichkeit, ist aber nicht sportlich genug.

Autor: Gerald Czajka

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