Test Bentley Continental GTC

Bentley Continental GTC Bentley Continental GTC

Test Bentley Continental GTC

— 19.09.2006

Nach oben offen

Wenn man sich nur einmal im Leben in ein Auto verlieben dürfte, dann wäre der neue Bentley Continental GTC ein heißer Kandidat. Das neue Cabrio ist zwar mit fast 200.000 Euro absolut kein Schnäppchen, aber es hat Stil, Flair und einen grundsoliden Charakter.

Wer mit einer Mischung aus Mut und Gespür vor gut einem Jahr den GTC blind bestellt hat, der kann mit dem Bentley Cabrio gleich ein Geschäft machen. Warum? Weil die Produktion bis Anfang 2008 ausverkauft ist und zuteilungsreife Verträge zu Überpreisen gehandelt werden. Selbst wenn die Gentlemen in Crewe den Mix auf den Kopf stellen und ab sofort vier von fünf Karossen das Dach abschneiden, sind unter dem Strich pro Saison nicht viel mehr als 4500 Open-Air-Modelle drin. Weil die Produktion erst mittelfristig auf 10.000 Einheiten pro Jahr hochgefahren werden soll, dürfte die GTC-Sonderkonjunktur noch fast zwei Sommer lang bestehen bleiben.

Ein Auto zum Verlieben: der Bentley Continental GTC.

Mit dem GTC hat Bentley nur wenige Wochen nach dem Azure schon wieder ein Auto mit nach oben offenem Lichtschutzfaktor vorgestellt. Doch während die Fangemeinde des 325.000 Euro teuren Azure trotz E-Business-Boom und Ostblock-Höhenflug auf 2000 Fahrzeuge über die Laufzeit beschränkt bleibt, ist der GTC beinahe schon ein Volkscabrio. Zum Grundpreis von 192.000 Euro bekommt man einen gut ausgestatteten und – offen wie geschlossen – hinreißend schönen Hingucker mit ganzjahrestauglichem Allradantrieb und allwetterresistentem Elektroverdeck. Im Azure sitzt der Panamahut selbst bei 160 km/h noch fest am Scheitel, doch im GTC sorgen die flachere Scheibe und die kürzere Fahrgastzelle schon ab 120 km/h für Turbulenzen. Als Gegenmaßnahme steht ein serienmäßiges Windschott parat – der Frisur hilft's, der Auftritt leidet.

Fahrer und Beifahrer reisen erster Klasse

Bei geschlossenem Dach ist der Fond ein kuscheliges und ziemlich dunkles Separee, offen zieht es hinten jedoch wie auf der Bounty, deren Besatzung wohl nicht ohne Grund meuterte. Außerdem sind die Platzverhältnisse im wirklichen Leben weniger generös als auf den Prospektfotos, und auch der Kofferraum klassifiziert den GTC mit bescheidenen 235 Liter eher als Zweisitzer. Fahrer und Beifahrer reisen dagegen erster Klasse. Das Ambiente präsentiert sich als stimmige Mischung aus Tradition und Moderne, die Verarbeitung hat bis ins letzte Detail Top-Qualität, und der Ausstattungskomfort erreicht ohne Abstriche die höchste Verwöhnstufe. Neu für alle Continental-Modelle sind das endlich DVD-gesteuerte Navigationssystem sowie die drahtlose Bluetooth-Telefonie. Für den GTC stehen siebzehn verschiedene Lederfarben, fünf Verdeckfarben und vier unterschiedliche Holzfurniere zur Auswahl. Nichts Passendes dabei? Dann lassen Sie sich doch bei Mulliner den Wagen nach Ihrem persönlichen Geschmack veredeln – wenn's sein muss, sogar in Schweinchenrosa ...

Mit der Kraft einer Turbine: Sechsliter-Zwölfzylinder mit 560 PS.

Um den Zielkonflikt zwischen Verdeck, Kofferraum und Fondabteil zu entschärfen, haben die Bentley Boys eine neue platzsparende Hinterradaufhängung entwickelt. Gleichzeitig wurde die Karosserie, die gegenüber dem Coupé um 110 Kilo auf fast 2,5 Tonnen zulegte, rundum verstärkt. Die vielen Kalorien spürt man vor allem an der Tankstelle, wo das Testfahrzeug zwischen 16,1 und 36,6 Liter (Autobahn-Vollgas) konsumierte. Als Gegenleistung bietet der 560 PS starke 6,0-Liter-W12 die Durchzugskraft einer Turbine und die Fahrleistungen eines Supersportlers: 650 Nm, 0–100 km/h in 5,1 Sekunden, Spitze 312 km/h. Schwächen? Der trockene Abrollkomfort und die etwas zu abgehoben-indifferente Abstimmung von Lenkung, Bremse und Luftfederung. Das ist eben the Bentley Way of Driving: Gleiten statt hetzen – die Relativitätstheorie der Geschwindigkeit.

Autor: Georg Kacher

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