Test BMW 120i/530i

BMW 120i BMW 120i

Test BMW 120i/530i

— 05.03.2007

Eine saubere Leistung

In Genf zeigt BMW die renovierte 1er- und 5er-Reihe – mit drastisch gesenktem Verbrauch. AUTO BILD hat die beiden Kandidaten schon getestet.

"Jetzt wird jeder sagen: Na also, geht doch. Kaum ist eine ernste CO2-Diskussion im Gang, bringt BMW sparsame Autos. Aber so einfach ist das leider nicht", erklärt Dr. Stephan Neugebauer. Der Mann ist bei BMW Chefentwickler für das Thema Energiemanagement. Eine Koryphäe. "Solche Entwicklungen brauchen Jahre – und glauben Sie mir – die Entscheidung ist BMW damals nicht leichtgefallen." Das können wir uns sehr gut vorstellen, denn durch besondere Sparsamkeit oder – Sagen wir mal – eine breite Umwelt-Initiative sind die Bayerischen Motorenwerke bisher eigentlich nicht aufgefallen. Das wird sich ändern. Bei der Renovierung von 1er und 5er hat BMW mit hohem technischem Aufwand Verbrauch und CO2-Ausstoß teilweise drastisch gesenkt. Neugebauer und seine Leute haben ein ganzes Paket von verbrauchssenkenden Innovationen geschnürt.

Wichtigster Baustein sind die neuen Motoren. Alle stärker als ihre bestimmt nicht leistungsschwachen Vorgänger. So, wie wir das von BMW kennen. Aber das ist eben nur die eine Hälfte der Wahrheit, die andere ist der geringere Verbrauch. Die Vierzylinder-Benziner arbeiten mit einer neuartigen Direkteinspritzung. Der Zweiliter leistet als 120i jetzt 170 PS (bisher 150 PS) und im 118i jetzt 143 PS (vorher 129 PS). Bei den ersten Testfahrten benahm sich der 120i eigentlich wie immer. Agil, straff, präzise. Der Direkteinspritzer macht seine Sache bestens, tritt kräftig an und hängt gierig am Gas. Keineswegs also wie ein Sparmotor – auch wenn er einer ist. Denn die neue Technik soll einen Einspareffekt von bis zu 20 Prozent bringen, je nach Einsatzbedingungen.

Komplett neu überarbeitet wurde auch der mit einer weiterentwickelten Common-Rail-Einspritzung ausgestattete Vierzylinder-Diesel. Den Aluminium-Zweiliter gibt es in zwei Ausbaustufen: als 120d mit 177 PS (bisher waren es 163 PS) und einem Verbrauch von 4,9 Litern und als 118d mit 143 PS (bisher 122 PS) sowie 4,7 Liter Verbrauch. Die Start-Stop-Funktion kommt serienmäßig in Verbindung mit Vierzylindern und Handschaltung zum Einsatz. Das System schaltet den Motor ab, wenn er nicht benötigt wird, zum Beispiel beim Stopp an der Ampel. Es funktioniert ganz einfach, man gewöhnt sich überraschend schnell daran: Beim Halt gleich den Schalthebel in den Leerlauf, Fuß von der Kupplung, und schon geht der Motor aus. Zum Start nur die Kupplung durchtreten, und sofort springt er wieder an. BMW hat errechnet, dass das System im EU-Testzyklus bis zu vier Prozent Ersparnis bringt.

Pfiffig: Nur beim Bremsen und im Schiebebetrieb wird Strom erzeugt.

Eine weitere Sparfunktion ist die Bremsenergie-Rückgewinnung: Die Lichtmaschine erzeugt nur in Schub- und Bremsphasen Strom, beim Beschleunigen wird sie abgekoppelt. Im Alltag ist davon praktisch nichts zu bemerken. Genauso wenig wie von der aktiven Steuerung der Luftklappen vor dem Kühler. Bei geringem Kühlbedarf werden sie geschlossen, das verbessert die Aerodynamik. So etwas soll nur eine Ersparnis von etwa 0,5 Prozent bringen, aber es summiert sich eben. Mit der elektrischen Servolenkung zum Beispiel. Bis diese neuartigen Lenkungen tatsächlich so viel Gefühl vermitteln wie konventionelle (hydraulisch unterstützte) Lenkungen gerade bei BMW, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Aber ehrlich, im 1er funktioniert die Elektro-Lenkung schon ganz gut. Nicht wie an der Spielekonsole, sondern straff und präzise.

Neben der ganzen Spar-Technik fällt das dezente Facelift beim 1er kaum auf. Nur wenn man genau hinschaut, bemerkt man die feinen Veränderungen an Front (Scheinwerfer, Lufteinlass im Stoßfänger, Niere) und Heck (neue Leuchten). Ganz neu ist der Dreitürer, 750 Euro günstiger als der Fünftürer und erst ab 118i lieferbar. Er soll eine sportliche Rolle spielen und sieht auch genauso aus. Sehr knackig. Bei Platz und Kofferraum gibt es keine Unterschiede zum Fünftürer, nur der Einstieg in den Fond ist mühseliger.

Auch den 5er hat BMW mit verbrauchssenkender Technik optimiert. Die neuen Sechszylinder-Benziner arbeiten mit der Direkteinspritzung wie beim 1er, die Sechszylinder-Diesel mit der neuen Common-Rail-Einspritzung. Neu ist auch die schnelle ZF-Sechsstufen-Automatik mit elektronischem Gangwahlschalter wie im X5. "Trotz der großen Spar-Effekte muss niemand Angst vor zu wenig Dynamik haben, die Kunst ist, beides zu verbinden", sagt Neugebauer. Die ersten Eindrücke bestätigen das. Der souverän abgestimmte 530i stürmt mit seinen 272 PS eindrucksvoll und wie entfesselt durch die Gegend. Und das mit einem EU-Verbrauch von 7,7 Litern. Geht doch.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke:

Die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit. Den Vorsprung, den die cleveren Bayern sich mit ihrer radikalen Verbrauchssenkung für viele Modelle erarbeitet haben, müssen die anderen erst mal aufholen. Noch schöner: Auf Fahrspaß braucht niemand zu verzichten. Saubere Leistung.

Autor: Dirk Branke

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.