Fahrbericht BMW 335i Coupé

BMW 335i Coupé BMW 335i Coupé

Test BMW 335i Coupé

— 06.07.2006

Der gefühlte Achter

Im neuen 3er Coupé feiert ein 306 PS starker Sechszylinder-Doppelturbo Premiere. Souverän wie ein Achtzylinder schickt er das Turboloch in Rente.

Zunächst gibt's ausschließlich sechs Zylinder

Man nehme eine Limousine, verabschiede sich von den hinteren Türen – und fertig ist das Coupé. Eine gewagte These, mit der man die Designer von BMW lieber nicht konfrontiert. Wenn die Bayern auf ihre lange Coupé-Vergangenheit verweisen, dann reicht die Zeitreise zurück bis ins Jahr 1938: Schon der BMW 327/28 sei weit mehr gewesen als ein "günstiges, von einer Limousine abgewandeltes Fahrzeug für den Transport von zwei bis drei Personen mit Gepäck". Wohl wahr, denn mit einem Preis von mindestens 7450 Reichsmark gehörte das Auto – und wohl auch sein Besitzer – zum kleinen, aber feinen Kreis der Luxusklasse.

Zurück in die Gegenwart und zum neuen 3er Coupé, das ab September 2006 mit beachtlichen optischen Unterschieden zur klassischen Limousine beim Händler steht (siehe Bildergalerie). An der Zielgruppe des einstigen "Herrenfahrer-Autos" aus den 30ern hat sich nichts geändert: Auch heute bestehe die Käuferschaft in erster Linie aus Männern, weiß Produktsprecher Ulrich Knieps. Elegantes Design, gepaart mit ordentlich Leistung, das Rezept gilt nach wie vor. Und die Preisliste fordert den traditionellen Luxus-Zuschuß: Der Einstieg in den zweitürigen 325i mit 218 PS starkem Sechszylinder beginnt bei 35.850 Euro, für die identisch motorisierte Limousine reichen 32.800 Euro. Zunächst sind zwei weitere Sechszylinder-Benziner mit 272 bzw. 306 PS zu haben, dazu zwei Diesel mit 231 und 286 PS. Später wird der Einstieg ins 3er Coupé günstiger, dann sollen Vierzylinder-Motoren nachgeschoben werden.

Die erste Testfahrt durch Tirol wird gleich ein Griff ins Volle: Das Topmodell 335i (ab 43.200 Euro) soll im Auf und Ab kurviger Alpenstraßen zeigen, was es drauf hat. Stolz präsentieren die Münchner Motorenbauer ihren weiterentwickelten Dreiliter-Sechser, der mit Doppelturbo, Hochpräzisionseinspritzung und einem Kurbelgehäuse aus Vollaluminium nicht nur auf den neuesten Stand der Leistungsentfaltung getrimmt wurde, sondern gleichzeitig besonders wirtschaftlich arbeiten soll. Wirtschaftlich, das bedeutet durchschnittlich 9,5 Liter Super auf 100 Kilometer. Nach 150 Kilometern Testfahrt zeigt der Bordcomputer rund 14 Liter an, aber die Tiroler Achterbahn von Innsbruck ins Ötztal ist ja auch alles andere als durchschnittliches Gelände.

Das Turbo-Duo fällt nicht ins Loch

Und wer schaut bei einem 306-PS-Coupé schon gleich auf die Trinkeigenschaften, wenn das Datenblatt mit 5,5 Sekunden bis Tempo 100 und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit lockt. 400 Nm Drehmoment hat der Bayer schon bei 1300 Umdrehungen zu bieten – und das Versprechen hält er durch bis 5000 Touren. Turboloch? Fehlanzeige, denn zwei kleine Lader verteilt auf je drei Zylinder sind weniger träge als ein einzelner Kraftmacher. Verknüpft mit einem eher leisen, aber satten Sound, der aus zwei dicken Endrohren brabbelt, könnte man mit verbundenen Augen glatt auf einen Achtzylinder tippen. Tatsächlich wagt BMW diesen Vergleich und stellt fest, daß der Sechser bei gleicher Leistung 70 Kilo Gewichtsvorteil zu bieten hat. Die kommen natürlich voll der Dynamik und dem Verbrauch zugute.

Für 2100 Euro Aufschlag gibt es das Coupé mit einer neuentwickelten Sechsgang-Automatik (im 335d Serie). Die Investition macht sich bezahlt: Der Wandler-Automat reagiert binnen 100 Millisekunden und schaltet entweder nach eigenem Gusto oder via Paddles am Lenkrad. Nach kurzer Eingewöhnung entpuppt sich aber der Gasfuß als wahres steuerndes Moment und macht die Frage nach dem konventionellen Duo Kupplung und Knüppel vollends überflüssig. Puristen vom alten Schlag belassen es beim manuellen Sechsgang-Getriebe. Dann klappt's auch mit dem Kavalierstart, der in unserer Mediengalerie als Soundfile zum Download wartet.

Das Fahrwerk bringt keine Überraschungen, Spurtreue und Handling offenbaren sich, wie man es von einem BMW erwartet. Verstellbare Stoßdämpfer-Charakteristik? Spielkram, meinen die Bayern und stellen den Fahrer gar nicht erst vor die Qual der Wahl. Man könnte natürlich den Spieß umdrehen und behaupten, der 3er würde dadurch noch teurer, als er es ohnehin schon ist. Das Geld ist aber schon an anderer Stelle besser aufgehoben: Die vorderen Kotflügel bestehen aus einem speziellen Kunststoff, der die Achslastverteilung mittels Gewichtsreduktion auf 50:50 optimiert. Gut fürs Handling, schlecht für die Reparaturkosten im Falle eines Blech- bzw. Kunststoffschadens.

Jetzt steht auch xDrive in der Preisliste

Unbemerkt im Hintergrund arbeitet die komplette Buchstabensammlung. DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle), CBC (Cornering Brake Control), ASC und DTC (Traktionskontrolle) verhindern sogar das gefürchtete Eindrehen beim Abbremsen in Kurven. Auf Wunsch gibt es die Aktivlenkung (1300 Euro), die abhängig von Lenkwinkel und Tempo das Lenkmoment verändert. Und ein weiterer Blick in die Zubehörliste zeigt den Einzug des Allradantriebs xDrive ins Coupé. Es soll Traktion und Fahrstabilität nochmals verbessern, kostet aber immer Aufpreis und erhöht zwangsläufig Gewicht und Verbrauch.

Das 3er Coupé ist ein echter Viersitzer, das stellt die bis nach hinten reichende Mittelkonsole sofort klar. Wer vorne einmal in die tiefe Sitzposition gefallen ist, darf sich erst mal verwöhnen lassen. Der Gurt wird künftig von einem filigranen Roboter-Ärmchen gereicht, das sich schließlich wieder unsichtbar in die Innenverkleidung verzieht. Damit hat BMW auf Beschwerden von Piloten reagiert, die schon fürs Vorgängermodell nicht gelenkig genug waren. Bei der Testfahrt funktionierte das System bis auf eine Ausnahme – da verfehlte der elektrische Butler sein Ziel und begrüßte den Fahrer ohne Gurt im Gepäck. Wer ihn ignoriert, wird von einem dezenten, aber ausdauernden Dingdong-Ton zum Anschnallen aufgefordert (zu hören in der Mediengalerie).

Noch ein Wort zum Design: BMW hat sich bemüht, die Figur des Coupés konsequent von der Limousine abzusetzen. Das ist gelungen, insbesondere die Leuchteneinheit des noch immer gewöhnungsbedürftigen Stufenhecks wurde der dynamischen Linie angepaßt. Vorne kommen serienmäßig Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Coronaringen (Angel Eyes) zum Einsatz, für die BMW sogar eine Zulassung als Tagfahrlicht bekommen hat (Pflicht zum Beispiel in Österreich). Hinten arbeitet moderne LED-Technik, die lange Lichtleitstäbe speist.

Wenn das neue Coupé im September an den Start geht, sind zunächst ausschließlich fünf Sechszylinder-Varianten im Angebot, darunter zwei Diesel. Wer nicht mehr als 35.000 Euro ausgeben will, sollte sich allerdings in Geduld üben: Vierzylinder-Varianten sind in Planung, versprechen die Bayern.

Autor: Michael Voß

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