Test BMW 335i gegen Porsche 911 — 28.11.2006
Bis aufs letzte Hemd?
Mit dem neuen 335i hat BMW ein heißes Eisen auf die Straße gebracht. Wie schlägt sich der Münchner im Vergleich zum deutlich teureren Porsche 911 Carrera? Lohnt es sich, das letzte Hemd in Zuffenhausen zu lassen?
Schließlich liegen die beiden sportlichen Coupés bei Motor- und Fahrleistungen so eng zusammen, dass man schon ins Grübeln kommen kann: 325 PS mobilisiert der Porsche aus seinem 3,6-Liter-Boxer, 306 sind es beim 130 Kilogramm schwereren BMW. Und während der Klassiker aus Zuffenhausen den Spurt auf 100 km/h in 5,1 Sekunden absolviert, ist der 335i mit 5,5 Sekunden nicht bedeutend langsamer. Auch beim Run auf die 200 km/h stehen die 19,1 Sekunden nicht schlecht gegen die 18,2 des Porsche. Nur beim High-Speed-Kacheln über die Autobahn sieht der BMW-Pilot irgendwann nur noch (kurz) das Heck des Elfers. Während der Elan des BMW bei 250 km/h elektronisch eingebremst wird, karriolt der Porsche noch munter weiter, bis bei 285 km/h der Kampf gegen die Elemente in eine energiegeladene Patt-Situation mündet.
| Preise in Euro (inkl.MwSt.) | BMW 335i Coupé | Porsche 911 Carrera |
| Multifunktions-Lederlenkrad | 100 | 690 |
| Automatikgetriebe | 2100 | 2871 |
| Sitzheizung vorn | 360 | 394 |
| Einparkhilfe vorn und hinten | 700 | 476 (nur hinten) |
| Regensensor | 120 | 516 |
| Adaptives Kurvenlicht | 430 | – |
| Klimaanlage /-automatik | Serie/750 | –/Serie |
| Tempomat (mit Bremsfunktion) | 300 | 429 |
| Navigationssystem | 3100 | 1844 |
| Serienfahrzeug ohne Extras | 43.200 Euro | 77.923 Euro |
Doch wie so oft bringt der reine Vergleich nackter Zahlen zwar Diskussionsstoff für den Stammtisch. Doch auf einem anderen Blatt steht, wie sich das Ganze anfühlt. Und das ist bei beiden spektakulär, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Hat man es sich in den sportlich geschnittenen Sitzen bequem gemacht und die umständliche Prozedur mit dem modischen Startknopf absolviert, grummelt der Reihensechser des BMW entspannt vor sich hin.
Unter bissigem, aber verhaltenem Knurren wirft sich der 335i in Szene und überrascht mit einer sehr gleichmäßigen Leistungsentfaltung. Bei jeder Drehzahl reagiert der 335i sofort auf Gasbefehle. Wie lässig der 335i hochdreht – das fühlt sich eher nach einem deutlich größeren Motor an. Nur nicht an der Tankstelle: 9,5 Liter Super Plus sind ein in dieser Leistungsklasse sehr guter Wert. Auch der 911er bietet sehr gute, etwas engere und straffere Sportsitze. Fühlt man sich im BMW wie in sportlicher Freizeitkleidung, gibt der Porsche den eng anliegenden Trainingsanzug. Ein Dreh am Zündschlüssel – und eine Komposition aus mechanischem Rasseln, tiefem Grollen und hellem Singen verzückt die Ohren. Mit klassischen Rundinstrumenten mit zentralem Drehzahlmesser oder der optionalen Stoppuhr aus dem Sport-Chrono-Paket unterstreicht der Porsche seinen Anspruch. Fast langweilig wirkt dagegen die schlichte Instrumentierung des BMW.
Doch mimt das Coupé mit aufpreispflichtigen schwarzen Interieurleisten eher den Gentleman-Sportler. Gibt man dem Porsche die Sporen, entfesselt sich ein akustisches Feuerwerk. Je höher der Drehzahlmesser klettert, desto williger und aggressiver wird das Hörerlebnis. Voll ausgedreht erwartet den Porsche-Fahrer ein klangfarbenreiches Trompetenkonzert, das markanter und auch direkter zu den Insassen durchdringt als im BMW. Eine wirklich sportliche Vorstellung. Die sich noch verstärkt, wenn man beide Kontrahenten über kurvenreiche Straßen scheucht. Während der Porsche seinen Piloten niemals über die Beschaffenheit der Straße im Unklaren lässt, filtert der BMW Unebenheiten geschmeidig aus. Im direkten Vergleich fühlt sich der BMW-Fahrer wie mit Watte umhüllt.
Also noch mal zurück zur Ausgangsfrage. 34.723 Euro liegen zwischen dem Sportwagenklassiker schlechthin und dem feschen Bayern mit dem Wundermotor. Legt man Wert auf Komfort, Platz und Alltagstauglichkeit, dürfte es bessere Verwendungsmöglichkeiten für das Geld geben. Unter sportlichen Aspekten bietet jedoch der 911er jenes Plus an Emotionalität und Begehrlichkeit, das ihn letztlich zur Legende gemacht hat.

































