Test BMW M5 gegen Audi S6

BMW M5 – Audi S6 BMW M5 – Audi S6

Test BMW M5 gegen Audi S6

— 02.06.2006

Vitamin 10

Zehn Zylinder: Gestern brüllten sie noch in der Formel 1, heute sind sie bei BMW und Audi Serie. M5 oder S6 – welcher V10 macht mehr an?

Ausstattungen, Preise und Betriebskosten

Ohne Vitamine geht es nicht, mit vielen dafür um so besser: A stärkt die Sehkraft, B die Nerven, und C schützt vor Infektionen. Wir verschreiben hier Vitamin 10 – das wirkt sich extrem auf die Fahrfreude aus. V6 klingt ja schon ganz gut, V8 besser, bei V10 horchen wir auf. Die beiden volltönenden V10 im Audi S6 und BMW M5 degradieren mit ihrem Sound jedenfalls jede bessere Rockband zum Kinderchor. Der 5,2-Liter im neuen Audi S6 schmettert dabei in tieferer Tonlage als der BMW, grollender, fauchender. Der M5 klingt anders, sehr metallisch, sehr hart. Irgendwie fremd, ganz anders als ein bollernder V8 oder ein hell singender V12.

Warum überhaupt V10? Nun, für Hochleistungs-Sportmotoren bringt das Konzept Vorteile. Gegenüber einem gleich großen V8 sind Kolben und Pleuel kleiner, leichter. Der Motor dreht besser. Auf der anderen Seite braucht ein V10 gegenüber einem V12 weniger Bauteile, ist kompakter, wiegt weniger. Das Rezept erwies sich in den letzten Jahren in der Formel 1 als Erfolgsschlüssel. Schumi und Alonso fahren inzwischen V8. Schreibt das neue Reglement vor. Jetzt sind wir dran mit den V10. Es besteht kein Zweifel, dass beide High-Tech-Aggregate direkt aus dem Rennsport stammen.

Ein paar Zahlen müssen sein, und es schadet nichts, wenn wir dabei niederknien. 5,2 Liter Hubraum im S6, 435 PS, 540 Newtonmeter bei 3000 Touren. Sechsstufen-Automatik und leicht hecklastig ausgelegter quattro-Antrieb (40:60). Fünf Liter Hubraum im M5, 507 PS und 520 Nm bei 6100 Touren. Heckantrieb und SMG – für sequentielles, manuelles Getriebe – mit sieben Gängen. Die Schaltzeiten lassen sich einstellen – von sanft bis brutal. Ebenso die elektronische Dämpferkontrolle EDC (Komfort bis Sport) und die Leistung des Motors – (400 PS, 507 PS und 507 PS mit spezieller Kennlinie). Hat man all das abgestimmt und gibt Gas, tritt man in ein erdgebundenes Parallel-Universum ein.

Technische Daten und Fahrleistungen

Dieser Motor dreht nicht – er explodiert. Bei teuflischen 8250 Touren liegt die Grenze. Das SMG haut erbarmungslos die Gänge rein, und nach 13,5 Sekunden bricht der M5 im Tiefflug durch die 200er-Schallmauer, der Vortrieb endet damit noch lange nicht. Bei Tempo 250 wird abgeregelt, aber offensichtlich wären auch 300 locker drin. Der M5 liegt wie ein Sportwagen reinsten Wassers, hart, präzise. Perfekte Sitzposition, feinfühlige Lenkung, giftige Bremsen – irgendwann merkst du, wie das Blut rasend durch die Adern schießt.

Einziges Manko des BMW ist das SMG, perfekt auf der Rennstrecke, aber nervend in der Stadt: Die Schaltrucke erinnern irgendwie an den Smart, ebenso wie die unlustig wippenden Beifahrer. Der Audi fährt auf einer anderen Schiene. Hier entfällt die ganze Einstellungs-Arie, mit einer ganz normalen Automatik kann jeder umgehen: D (oder S) einlegen und los. Auch dieser V10 ist ein Erlebnis, tritt im Drehzahlkeller brachialer an als der BMW, erreicht dessen sagenhafte Drehfreude jedoch nicht. Auf Tempo 200 schießt der S6 in 18 Sekunden, 4,5 Sekunden langsamer als der M5.

Auf dem Rundkurs sieht es so ähnlich aus: Der Audi kann dem BMW nicht ganz folgen, allerdings bleibt er ihm dicht auf den Fersen. Erstaunlich, trotz der 72 PS weniger und der 165 Kilogramm Mehrgewicht. Von Vorteil ist sicherlich die gute Traktion. Der S6 bleibt mehr Komfort-Limousine, ist weniger ein kompromissloser Sportler. Nicht ganz so präzise Lenkung, mehr Karosseriebewegungen. Etwas langsamer, aber einfacher zu fahren als der BMW, der immer einen hellwachen Fahrer braucht.

Fazit und Bewertung

Mit 79.800 Euro steht die S6-Limousine in der Liste, äußerlich kaum von einem A6 zu unterscheiden. Der auffälligere BMW M5 liegt mit 88.600 Euro deutlich darüber. Echte Apothekerpreise, die Audi und BMW für ihr Vitamin 10 verlangen. Aber es wirkt ja auch.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Vitamin 10 wirkt. Diese beiden V10 sind ein einzigartiges Erlebnis, jeder für sich. Der BMW M5 scheint direkt aus dem Rennsport zu stammen, ein heißblütiges, nervenzerfetzendes Tier. Mit High-Tech-Elektronik und vielen Einstellmöglichkeiten. Kompromisslos und aberwitzig schnell, einen kundigen Fahrer vorausgesetzt. Nur das SMG kann nicht komplett überzeugen. Der Audi liegt am Ende nach Punkten vorn – und das ist schon erstaunlich. Schließlich hat er 72 PS weniger und ist zwar heftig unterwegs, aber am Ende doch langsamer als der BMW. Doch zum Supermarkt fährt man mit ihm bequemer, er verlangt weniger Kompromisse von Fahrer und Passagieren. Und für die ganz Harten kommt ja später noch ein RS6.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Audi S6 und BMW M5. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Dirk Branke

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