Test BMW X3 3.0sd

— 12.09.2006

Im SUV auf Tempo 240

Ein bärenstarker Typ, dieser neue X3. Der 286 PS starke Dreiliter-Diesel setzt Maßstäbe in seiner Klasse. Kann auch der Rest voll überzeugen?



Der Einstieg enttäuscht: Das soll der neue X3 sein? Schon wieder dieses Hartplastik. Es wirkt billiger, als es vermutlich war, ist kratzempfindlich und passt einfach nicht zu einem BMW. Die Instrumente? Klein und schlecht ablesbar – alles wie gehabt. Wo, bitte, steckt da der Fortschritt? Nein, das ist nicht die Qualitätsoffensive, die Ex-BMW-Chef Panke nach unserer Kritik angekündigt hat: "Warten Sie mal das Facelift ab, da wird sich einiges tun." Von wegen. Nichts hat sich getan. Zumindest nichts Sichtbares. Schon im Jahr 2003 hatten wir die Anmutung des Innenraums kritisiert. Und nun das: Anscheinend nur oberflächlich wurde das Cockpit aufgepeppt, frische Dekorleisten, neues Lenkrad, das war's. Dass der X3 dennoch begeistert, liegt mal wieder an der Technik. Genauer gesagt: am Motor. Hier hat BMW pünktlich zum Facelift ein echtes Sahnestück geliefert. Stärkstes Modell ist jetzt erstmals ein Diesel. Und was für einer! 286 PS und 580 Newtonmeter katapultieren das kompakte SUV in nur 6,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Erst bei Tempo 240 soll Schluss sein – Sportwagen-Niveau.

Im Stand ist der Kraftbolzen kaum vom bisherigen Dreiliter-Selbstzünder mit 218 PS (wird weiter angeboten) zu unterscheiden; ein leichtes Brummen verrät den Diesel. Auch beim sanften Beschleunigen von der Ampel ist kein Unterschied feststellbar. Erst wenn das rechte Pedal mehr als den halben Weg durchgetreten wird, zeigt der Ober-X3, was moderne Dieseltechnik ermöglicht. Blitzschnell schießt die Drehzahlnadel dann nach oben: kein lästiges Turboloch, kein nerviges Überdruckpfeifen, sondern satte Kraftentfaltung über ein breites Drehzahlfenster. Schon bei 1750 Touren liegt das Drehmomenthoch an. So ansatzlos und souverän beschleunigen sonst nur Achtzylinder-Benziner mit vier Liter Hubraum.

Das neue X3-Topmodell verfügt über zwei Turbolader

Straff und sportlich – das Topmodell geht ordentlich zur Sache.

Straff und sportlich – das Topmodell geht ordentlich zur Sache.

Anders als der 3.0d verfügt das neue X3-Topmodell nicht nur über einen, sondern über zwei Turbolader. Ganz neu ist die Stufenaufladung bei BMW nicht. Schon seit 2004 gibt es den Biturbo-Diesel im 535d, der für den X3 noch einmal verfeinert wurde. Im 5er ist das Kurbelgehäuse noch aus Grauguss, während der X3-Triebwerksblock aus hochfestem Aluminium besteht. Das spart 20 Kilogramm Gewicht. Zackigen Lenkradbewegungen folgt der X3 3.0sd willig und ohne Wanken. Der gesteigerten Agilität sind allerdings die Sitze nicht mehr gewachsen. Bei schneller Kurvenfahrt fehlt es an Seitenhalt. Geblieben ist das sehr straff abgestimmte Fahrwerk, das ständig für Unruhe in der Kabine sorgt. Für ein derart sportliches SUV geht das in Ordnung, für die schwächeren X3-Modelle sollte BMW mehr Komfort bieten.

Neu im X3 ist eine abschaltbare Traktionskontrolle (DTC). Das ist im Winter hilfreich, wenn ein wenig Radschlupf auf Schnee das Anfahren erleichtert. Auch das ESP wurde überarbeitet. Hitzebedingtes Fading gleicht die Elektronik nun gezielt mit einer Bremsdruckerhöhung aus. Für Fahrspaß sorgt die wunderbare Sechsgang-Automatik, die im 3.0sd serienmäßig verbaut wird. Dank eines Torsionsdämpfers im Wandler ist der Kraftschluss sehr direkt. Das ist die gute Nachricht, für alle, die 50.300 Euro für den neuen Super-Diesel ausgeben können. Die Mehrzahl der X3-Käufer aber entscheidet sich für die beiden 150 PS starken Zweiliter-Modelle (Diesel und Benziner). Hier fehlt aber nach wie vor eine Automatik in der Preisliste. Völlig unverständlich. Keine Frage: Unter dem Blech verbirgt der aufgefrischte X3 Technik vom Feinsten. Außen indes findet man Modifikationen nur mit der Lupe. An Front und Heck sind die Änderungen so minimal, dass sie nicht mal dann auffallen, wenn X3 neu und X3 alt direkt nebeneinander parken. Fazit: Mag das neue Topmodell noch so gut sein – mehr Liebe im Detail hätte der X3 dringender gebraucht als pure Motorkraft.

Technische Daten Reihen-Sechszylinder-Diesel • vier Ventile pro Zylinder • zwei Turbolader • Hubraum 2993 cm³ • Leistung 210 kW (286 PS) bei 4400/min • maximales Drehmoment 580 Nm bei 1750/min • Allradantrieb • Sechsstufen-Automatikgetriebe • Kofferraum 480/ 1580 Liter • Tank 67 Liter • Länge/Breite/Höhe 4569/1853/1674 mm • Reifen 235/50 R 18 H • Leergewicht 1950 kg • Spitze 240 km/h • 0–100 km/h in 6,6 Sekunden • Verbrauch 8,7 l Diesel/100 km • Preis 50.300 Euro

Autor: Jörg Maltzan

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