Test BMW X3 gegen Mercedes ML

BMW X3 3.0sd gegen Mercedes-Benz ML 320 CDI BMW X3 3.0sd gegen Mercedes-Benz ML 320 CDI

Test BMW X3 gegen Mercedes ML

— 04.10.2006

Ein ungleiches Paar

BMW will es wissen: Zum Facelift erhält der X3 auch den Registerturbo-Diesel. Und wildert so plötzlich im Revier des ML 320 CDI. Ein Vergleich unter Ungleichen.

Betriebskosten, Garantien, Preise

Früher hätte es so was nicht gegeben. Eine Frau, die einen ganzen Kopf größer ist als ihr Partner? Unmöglich! Doch diese Zeiten sind zum Glück Geschichte. Heute gehören Paare mit überragender Frau genauso selbstverständlich zum Alltag wie die Mass zur Wiesn. Denn wie heißt es so treffend: Gegensätze ziehen sich an. Doch nicht nur das. Sie garantieren auch spannende Beziehungen – und das nicht nur auf zwischenmenschlicher Ebene, sondern auch in der Automobil-Welt. So kommt es, dass der Erfolgs-Allradler Mercedes ML 320 CDI sich plötzlich dem frisch gelfiteten BMW X3 3.0sd gegenübersieht.

Immerhin 4,78 Meter lang und mit 224 PS eher aufs Cruisen eingestellt der Benz, kompakte 4,57 Meter kurz und ziemlich beeindruckende 286 PS stark der Bayer. In der Tat ein ungleiches Paar, das sich beim Geld aber überraschend einig zeigt. Die derzeitige Topversion des X3 gibt es für 50.300 Euro, der zweitschwächste ML steht für 50.112 Euro in der Preisliste. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wo das Geld besser angelegt ist. Mehr Auto bekommen wir natürlich bei den Stuttgartern. Der dynamisch dreinblickende ML verwöhnt mit gutem Platzangebot und ordentlichen Transporttalenten. Da kann der X3, der mit dem Facelift deutlich an Klasse gewinnt, wirklich nicht mithalten.

Schon der Fahrer sieht sich gegenüber ML-Piloten im Nachteil, dahinter wird der Klassenunterschied zwischen den beiden SUV noch offensichtlicher. Besonders Kopf und Knie ecken im X3 schneller an – da helfen auch die sehr gut ausgeformten Polster des BMW nicht. Also lieber Fondlehne umlegen und mit der Liebsten in den Urlaub reiten. Auch wenn der ML mit maximal 1830 Litern sogar noch die Verlängerungswoche ermöglicht, reichen die 1560 Liter des BMW X3 ebenfalls völlig aus. Stilvoll reisen wir in beiden Trend-Kraxlern, im Detail beweist der ML aber die bessere Verarbeitung und das feinere Finish. Der BMW präsentiert sich nach dem Facelift sichtbar netter, reicht aber nicht an das wertige Interieur des Mercedes heran.

Freudenspender: Mit Biturbo-Diesel und 286 PS geht im BMW die Post ab.

Ganz anders geht das Duell auf der Straße aus. Hier lässt der X3 dem ML nicht den Hauch einer Chance – was angesichts der Papierform aber auch nicht anders zu erwarten war. Der Dreiliter-Diesel aus München entfacht mit seinen 286 PS ein wahres Fahrfreude-Feuerwerk. Die beiden hintereinandergeschalteten Turbolader sorgen in allen Drehzahllagen für mächtigen Schub und blitzschnelle Reaktionen. Auf der Teststrecke brennt der immerhin fast zwei Tonnen schwere X3 eine höllische 6,6 bis Tempo 100 in unser Messprotokoll, unaufmerksame Links-Blockierer erschreckt der dynamische Bayer mit 240 km/h Spitze. Eigentlich passen solche Fahrleistungen eher zu Sportwagen als zu einem allradgetriebenen SUV. Auch die Explosivität der Kraftentfaltung und der schier unermüdliche Vorwärtsdrang machen den X3 zum Chefdynamiker seiner Zunft. Nur der besonders unter Volllast raue Unterton passt nicht recht zum Sportlerimage.

Technische Daten, Wertung und Ihre Meinung

Dem ML 320 CDI bleibt an dieser Stelle nur Rang zwei, der aber mit Anstand belegt wird. Die 224 PS des Dreiliters treffen immerhin auf 2295 Kilo Leergewicht – und dafür machen sie ihre Sache mehr als gut. Ohne sich akustisch in den Vordergrund zu drängen, stürmt der Mercedes in respektablen 8,9 Sekunden auf 100 km/h und schafft solide 215 km/h Topspeed. Mehr braucht eigentlich kein Mensch. Schon gar nicht einer, der sich für eine mächtige M-Klasse entschieden hat. Hier genießen wir den sanften Riesen unter der Haube, der zwar etwas verzögerter anspricht als der 3.0sd, uns aber nie das Gefühl von Leistungsmangel gibt. Und bei Bedarf nimmt der gemütliche Gigant 3,5 Tonnen an den Haken oder pflügt wie entfesselt durchs Gelände. Beides können Sie mit dem X3 getrost vergessen. Das Revier des Bayern bleibt eindeutig die Straße. Gern auch schnelle Strecken mit anspruchsvoller Führung und vielen Kurven. Hier fühlt sich der X3 sauwohl, wirft sich schneidig in die Kehren und lässt sich über das dicke Lenkrad spielerisch dirigieren.

Ganz klar auf der Straße zu Hause: Der X3 3.0sd gefällt sich als Sportler.

Das wiederum können Sie vom ML nicht verlangen. Die wahrlich gute Lenkung arbeitet deutlich weniger direkt und zielgenau als die des BMW, Kurvenkombinationen quittiert die Karosserie mit erheblich mehr Schlagseite. Die Stärke des Benz liegt eindeutig im Gleiten. Als perfekter Partner erweist sich dabei die schluckfreudige Luftfederung (mit adaptiver Dämpferregelung 1868 Euro), die auf Knopfdruck sehr gekonnt zwischen Sport und Komfort vermittelt – egal wo Sie fahren, die Airmatic liefert immer die passende Fahrwerkeinstellung. Beim X3 dominiert dagegen ganz klar die dynamische Abteilung. Motto: Es lebe der Sport. Mit verbindlicher Grundhärte liegt der X3 satt und straff auf der Straße, versetzt uns aber auf schlechten Pisten den einen oder anderen Schlag. Das birgt zwar nicht gleich Gefahr für die Bandscheiben, gibt gegenüber dem sanften ML aber Abzüge in der B(eziehungs)-Note. Egal ob große oder kleine Frau.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: Der BMW macht Spaß, keine Frage. Wenn der Verstand keine Rolle spielte, wäre der X3 3.0sd erste Wahl. Doch in einem objektiven Test muss sich das spritzige Sport-SUV dem geräumigen und sehr komfortablen ML geschlagen geben. Der Mercedes unterliegt zwar wie erwartet bei den Fahrleistungen und verbraucht einen Liter mehr, er bietet für das gleiche Geld aber auch deutlich mehr Auto.

Autor: Gerald Czajka

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