Test BMW X5 3.0d

Fahrbericht BMW X5 3.0d Fahrbericht BMW X5 3.0d

Test BMW X5

— 23.11.2006

Der wird mächtig Staub aufwirbeln

Da hat die Konkurrenz zu schlucken: Der neue BMW X5 tritt zwar relativ dezent auf, verblüfft aber mit Können, Kraft und Komfort.

Kommt Ihnen das, was hier auf uns zukommt, irgendwie bekannt vor? Kann gar nicht sein, denn dieser X5 ist neu. Auch wenn er aussieht wie der alte. Aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten erkennt man dann, wie sehr sich der Neue geändert hat. Das Design wirkt geschlossener, harmonischer als beim Alten und alles andere als protzig. Im Vergleich mit dem Audi Q7 tritt der X5 auf wie ein X3.

Das wiederum ist schon große Kunst, denn der X5 ist nicht nur ein stattlicher 2,2-Tonner, sondern im Vergleich zum Vorgänger auch richtig gewachsen. 18,7 Zentimeter länger und 6,1 Zentimeter breiter als der gewiss nicht zierliche Vorgänger. Innen spürt man diesen Zuwachs deutlich. Vorn war es noch nie knapp und ist es jetzt noch luftiger. Aber im Fond, dessen Enge wir von Anfang an bemängelt haben, gibt es jetzt endlich ein der Größe des Autos entsprechendes Raumangebot – und damit richtig Platz für lange Beine. Auch das Gepäckabteil, nächster Schwachpunkt des Alten, hat kräftig zugelegt, schluckt mit 620 Litern jetzt 155 mehr als bisher. Mit umgelegter Rückbank sogar 1750 statt 1550 Liter. Schön, dass BMW auch an die Zuladung gedacht hat: Der von uns gefahrene X5 3.0d darf 635 Kilo laden, bei unserem letzten Testwagen waren es kümmerliche 445.

Er war schon früher der Chefdyna- miker. Jetzt ist der X5 noch besser.

Bescheidener Platz und Kofferraum waren stets Kritikpunkte am X5, nie aber seine fahrerischen Qualitäten. Er war stets der Chefdynamiker. Und diesem Ruf wird er wieder gerecht, er ist tatsächlich noch besser geworden. Er bekam ein neues, aufwendiges Fahrwerk – mit Doppel-Querlenkern vorn und Mehrlenkerachse hinten – und fährt sich jetzt noch leichtfüßiger und für ein Auto dieser Bauweise außergewöhnlich handlich. Ganz erstaunlich, wie energisch er um die Ecken fegt. Mit der präzisen und direkten Lenkung lässt sich eine blitzsaubere Linie fahren. Und die gute Nachricht kommt erst noch: Anders als bisher rollt der X5 weicher ab, federt geschmeidig – trotz der serienmäßigen, recht steifen Runflat-Reifen (mit Notlaufeigenschaften).

Zwei Motoren: ein Benziner, ein Diesel

Zum Start im März wird es zwei Motoren geben – den 4,8-Liter-V8-Benziner mit 355 PS und den hier gefahrenen Dreiliter-Diesel mit jetzt 235 PS. Der grummelt und knurrt zwar durchaus vernehmlich, tritt aber kräftig an und dreht wie gewohnt locker. Das Fahrerlebnis, und es ist eines, entsteht im Zusammenspiel mit der serienmäßigen, neuen Sechsstufen-Automatik von ZF. Die reagiert hellwach, blitzschnell und hat vor allem eine extrem früh schließende Wandlerüberbrückungskupplung – zusammen ergibt das Reaktionen, die einem Handschalter nahekommen. Die Befehle erhält der Automat vom neuen "elektronischen Gangwahlschalter", so nennt BMW den Wählhebel auf der Mittelkonsole. Das Gerät liegt jedenfalls wunderbar in der Hand, steuert das Getriebe über elektrische Signale. Eine kleine Bewegung aus dem Handgelenk reicht.

Das Cockpit wurde insgesamt aufgeräumt, im Grundsatz aber nicht verändert. Verarbeitung und Materialauswahl wirken im Vergleich zum Vorgänger noch einmal eine Spur edler. Ein interessantes Detail ist zum Beispiel das auf Knopfdruck öffnende, sehr tiefe Handschuhfach. Das liegt genau dort, wo sich normalerweise der Beifahrer-Airbag befindet – der wanderte nach oben vor die Windschutzscheibe. Und neu im X5 ist das iDrive-Bediensystem, angereichert mit acht Vorwahl-Tasten. Die lassen sich frei programmieren, zum Beispiel mit Radiostationen, Navi-Zielen oder Telefonnummern, und ersparen so das umständliche Manövrieren durch die Menüs. Noch so eine Sache, die wir schon lange gefordert hatten.

Ein teurer Spaß: Der BMW X5 3.0d kostet 51.900 Euro.

Also alles eine einzige Lobeshymne für den neuen BMW? Nicht ganz, es bleiben einige aberwitzige Preise. So liefert BMW die zwei zusätzlichen Sitze für die dritte Reihe für sagenhafte 4870 Euro – und nur in Verbindung mit Lederpolstern. Oder die für Dynamiker empfehlenswerte Aktivlenkung mit variabler Übersetzung. Sie kostet unfassbare 5380 Euro, denn geliefert geliefert wird nur im Paket mit der Wankstabilisierung Adaptive Drive und der Luftfederung an der Hinterachse. Da der X5 3.0d für 51.900 Euro sowieso schon selbstbewusst positioniert ist – der Audi Q7 3.0 TDI mit 233 PS kostet 49.500, der Mercedes ML 320 CDI mit 224 PS 50.112 Euro –, ist das unverfroren. Aber satte Preise und Aufpreise sind ja auch nicht wirklich neu bei BMW.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Dirk Branke

Ein großer Wurf: Der neue X5 überzeugt auf der ganzen Linie.

Der neue X5 ist ein großer Wurf, überzeugt mich auf ganzer Linie. Angefangen beim stimmigen Design (Geschmackfrage!), übers Platzangebot und die gut gemachte Innenausstattung bis hin zu souveränem Fahrwerk und tollen Motoren. Auch das überarbeitete Allradsystem xDrive funktioniert auf der Straße und in leichtem Gelände bestens. Doch der Preis dafür ist hoch, die Aufpreis-Politik arg abgedreht.

Technische Daten BMW X5 3.0d

Reihen-Sechszylinder, vorn längs • Turbolader • Common-Rail-Einspritzung • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 2993 cm³ • Leistung 173 kW (235 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 520 Nm bei 2000/min • Allradantrieb • Sechsstufenautomatik • innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und hinten • Reifen 255/55 R 18 V • Räder 8,5 x 18 • L/B/H 4854/1933/1729 mm • Radstand 2933 mm • Leergewicht 2105 kg • Kofferraumvolumen 620–1750 Liter • Zuladung 635 kg • Tankinhalt 85 Liter • Beschleunigung 0–100 km/h in 8,3 s • Vmax 216 km/h • Durchschnittsverbrauch 8,7 Liter Diesel/100 km • Preis 51.900 Euro

Autor: Dirk Branke

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