Test Brabus SV12 S

Test Brabus SV12 S

— 19.06.2007

Der XX-SL

Er hat 730 PS, ist in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und schafft 335 km/h der Brabus SV12 S. Wie fhlt sich der strkste Roadster der Welt an?

Es gibt einen neuen Trumpf im Autoquartett: Brabus SV12 S, V12-Biturbomotor, 6,3 Liter Hubraum, 730 PS, 1100 Newtonmeter, von null auf hundert in 3,9 Sekunden, Spitze bis zu 350 km/h elektronisch begrenzt. Das sitzt. Und wer mit diesen Leistungsdaten den Mercedes SLR Roadster (332 km/h) und auch den Lamborghini Murcilago LP 640 Roadster (330 km/h) schlgt, darf sich zu Recht und gnzlich unbescheiden "strkster Roadster der Welt" nennen. Zwar rannte das von uns getestete Modell "nur 335 km/h, das lag aber an der krzesten bersetzung. Brabus hlt fr die SL-Kundschaft drei Achsbersetzungen bereit. Die lngste schafft 350 km/h, elektronisch abgeriegelt.

Wahnsinn: Theoretisch ist der SV12 S über 360 km/h schnell.

Ohne den Elektro-Fallschirm wrde der SV12 S locker die 360er-Marke berschreiten. So geschehen im "Rocket" auf Basis des CLS mit demselben Motor wie im SV12 S. Der Viertrer lief 2006 beim AUTO BILD SPORTSCARS Highspeed Event in Nardo 365,2 km/h. Rekord! Apropos Rekorde Brabus kann davon ein Lied singen. 1985 stellte man den cw-Weltrekord 0,26 (W 124 E-Klasse) auf. Danach folgte 1996 die schnellste 4-trige Limousine der Welt mit 330 km/h im E V12 (W210 E-Klasse), 1997 der schnellste Kombi der Welt, 320 km/h im T V12 (S210 E-Klasse), 1998 der schnellste Gelndewagen der Welt, 260 km/h im M V12 (W163 M-Klasse), und 2005 die schnellste 4-trige Limousine der Welt, 350,2 km/h im EV12 (W211 E-Klasse).

Dezent: Ausufernde Spoiler sind nicht die Sache des Über-SL.

Doch zurck zu unserem Test-Geschoss mit dem amtlichen Kennzeichen BOT-SL 1. Es gibt ganz sicher unzhlige SL, die optisch mehr hermachen als der Brabus SV12 S. Jeder Hinterhoftuner sorgt mit fetten Rdern und fiesen Spoilern fr mehr, allerdings meist peinliches, Aufsehen. Nach einem potenteren und perfekteren Oberklasse-Stern sucht man dagegen vergeblich. Das beginnt schon beim angenehm dezenten ueren. Fr einen absolut stilsicheren Auftritt sorgen eine Frontschrze mit groem Schlund fr die gute Beatmung von diversen l- und Ladeluftkhlern, passende Seitenschweller, eine Heckschrze samt Vier-Rohr-Sportauspuffanlage und schicke, titangrau lackierte Monoblock-S-Rder in 20 Zoll. Auch wenn Gimmicks wie die Vorfeldbeleuchtung unterhalb der Tren und blau glimmende Brabus-Schriftzge am Einstieg doch etwas dick auftragen, braucht man keine aufgetakelte Blondine im SL, um Autofans den Kopf zu verdrehen.

Die Bottroper dopen den V12 ganz ordentlich

Ganz dickes Ding: Der V12 holt 730 PS aus 6,3 Litern Hubraum.

Bodo Buschmanns Ingenieure setzen lieber auf echte Naturgewalten. Die schlummern unter der Haube und lassen einen schon beim Blick unter das Blech ehrfrchtig erstarren. Die Motorabdeckung des Aggregates ist so beeindruckend, dass man sich dieses Teil auch gerne zu Hause statt eines Gemldes an die Wand hngen wrde. Der Zwlfzylinder mit 5,5 Liter Hubraum aus dem SL 600 bringt es nach der Brabus-Kur auf 6,3 Liter, 730 statt 517 PS sowie 1100 (elektronisch begrenzt, sonst 1320) statt 830 Newtonmeter! Mit dem Anlassen macht der V12 dann unmissverstndlich klar, dass hier nicht gekleckert, sondern ausschlielich geklotzt wird. Das heisere Fauchen des Dreiventilers verdichtet sich mit zunehmender Drehzahl zu einem furiosen Mix aus Schreien und Brllen, whrend der Fahrer zwischen Nervenkitzel und Nervenzusammenbruch schwankt. Wie ein Vulkanausbruch entladen sich die 730 PS ber die Siebengang-Automatik auf die 305/25er-Hinterrder.

Wehe, wenn er losgelassen: In 3,9 Sekunden ist der SV12 S auf 100 km/h.

Fortan suchen die Gummis verzweifelt nach Halt und katapultieren den immerhin zwei Tonnen schweren SV12 S in nur 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Nur sieben Sekunden spter ist Tempo 200 erreicht. Noch mal 13 Sekunden dazu und die Tachonadel berquert die 300er-Marke. Das Serienpendant wird schon bei 250 eingebremst. Der Brabus strmt vllig ungerhrt und von allen Fahrwiderstnden unbeeindruckt weiter Richtung 330 km/h und mehr. Mit der von uns getesteten kurzen Achse kommt bei 335 km/h das Aus schade, wir htten nur allzu gern die lange bersetzung bis 350 km/h ausprobiert. Egal, in diesem Fall begeistert der Weg an die Spitze ohnehin mehr als die tatschliche Endgeschwindigkeit. In allen Drehzahllagen kann der V12 noch ein bis zwei Schippen nachlegen Zwischenspurts geraten zur Sache von Augenblicken, das Ausnutzen selbst kleinster Lcken zur diebischen Verlockung. Aber: Mit dem schweren V12 auf der Vorderachse mag der "SL 1" lange Geraden lieber als enge Kurven, trotz ABC-Sportfahrwerk.

Auch die Verzgerung scheint von einer anderen Welt mit 12-Kolben vorn und hinten 6-Kolben-Stteln. Diese beien sich vehement in die 375-mm- und 355-mm-Scheiben. Bei den Tests 1000 stand der Zweitonner nach nur 33 Metern. Dass es eine derartige Show nicht umsonst gibt, drfte klar sein. Schnelle Autobahn-Etappen kosten eben mal ber 30 Liter auf 100 Kilometer. Doch wer sich ernsthaft fr einen SV12 S interessiert, fr den spielen der Verbrauch und die horrenden Kosten ohnehin kaum eine Rolle. Inklusive der sehr kompletten Nobelausstattung werden 280.210 Euro fllig Passendes in XXSL hat eben seinen Preis.

Autor: Guido Naumann

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