Test Brilliance BS 6

Brilliance BS 6 Brilliance BS 6

Test Brilliance BS 6

— 29.11.2006

China-Kracher?

"Expect more" lautet der Slogan, mit dem Brilliance den BS 6 auf den europäischen Markt wirft. Ist das ein Wunsch oder ein Versprechen?

Das Fahrwerk hat angeblich Porsche optimiert, das Design stammt von Giugiaro und Pininfarina, Joint-Venture-Partner von Brilliance in China ist BMW – das macht den BS 6 fast zum europäischen Auto. So sieht es jedenfalls der Chef des Autobauers aus Fernost, Yumin Qi, auf der Präsentation der Limousine in Bonn. Vermutlich ab Januar 2007 wird der BS 6 in Deutschland zu haben sein und gegen die Konkurrenz aus Korea und Japan antreten. Und natürlich will man insgeheim auch im Revier der deutschen Wettbewerber wildern.

Zwei Airbags schützen die Passagiere, ESP ist nicht verfügbar.

Bis es so weit ist, müssen die Chinesen aber noch gehörig nachlegen. Im EuroNCAP-Crashtest verfehlte der BS 6 "knapp" die drei Sterne und wäre sicher nicht das erste chinesische Auto, dessen Erfolg an der Sicherheit scheiterte – man erinnere sich nur an den Frontera-Klon Jiangling Landwind. So müssen zum Marktstart erst einmal zwei Airbags und ABS reichen, ESP soll frühestens nach der ersten Modellpflege in drei Jahren zu haben sein. Und auch sonst gibt es noch einiges zu tun: Die Verarbeitung zeigt deutliche Schwächen im Detail, Sitzkomfort, Seitenhalt und Polsterung dürften deutlich besser sein. Und irgendwie riecht es trotz Lederausstattung nicht besonders gut in der selbsternannten "oberen Mittelklasse" aus China.

Unter der Haube stecken bis zu 130 PS. Das reicht für maximal 195 km/h.

Bei der Motorisierung des Fronttrieblers setzt Brilliance auf zwei ältere, wenig spritzige Mitsubishi-Aggregate mit zwei und 2,4 Litern Hubraum – ab 2008 komplettiert ein Diesel die Antriebspalette. Die Motoren leisten 122 bzw. 130 PS und verhelfen dem BS 6 zu allenfalls ausreichenden Fahrleistungen. Der 2.4S beschleunigt in 12,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 195 km/h Spitze. Dass das Tachometer dabei knapp 220 Sachen anzeigt, ist vermutlich dem chinesischen Sportsgeist zu verdanken. Das Fahrwerk des Fronttrieblers gibt sich zunächst einigermaßen komfortabel und auch auf holprigerem Geläuf nicht unbedingt überfordert, bei schneller Gangart und in Kurven wirkt es allerdings etwas schwammig. Der Motor ist in jeder Fahrsituation deutlich zu hören – auch das wird dem Premium-Anspruch der Chinesen nicht wirklich gerecht.

550 Liter Kofferraum: Hier haben die Chinesen nicht gespart.

Die größte Stärke des viertürigen BS 6 liegt in seiner Alltagstauglichkeit. Zwar ist er trotz seiner 4,88 Meter Außenlänge und 2,79 Metern Radstand kein Raumwunder, aber auch für längere Strecken reicht es auf den hinteren Plätzen. Das Kofferraumvolumen ist mit 550 Litern zudem recht großzügig ausgefallen. Auch bei der Bedienbarkeit gibt es keinen Anlass zur Kritik: In keiner Situation gibt der BS 6 seinem Fahrer irgendwelche Rätsel auf – alles ist einfach und genau da, wo man es vermutet. Da stört eher schon die Tatsache, dass sich keine gute Sitzposition finden lässt und das Lenkrad zu tief liegt. In der Basisversion kommt die Limousine mit Klimaanlage, CD-Radio, Leichtmetallfelgen, Metallic-Lack und Einparkhilfe, die Deluxe-Ausstattung gefällt zusätzlich mit Sechsfach-CD-Wechsler, elektrischem Schiebedach, Lederausstattung und Klimaautomatik.

Brilliance: Bis der Name Programm ist, muss noch einiges getan werden.

Trotz der Schwächen sollten die Wettbewerber gewarnt sein. Ein Blick in die automobile Geschichte genügt: Die Japaner brauchten knapp 20 Jahre um sich zu etablieren, bei den Koreanern dauerte es 10 Jahre – und die Chinesen lernen schnell. Bei der nächsten Generation des BS 6 sollen nach dem Willen der Konzernchefs die gröbsten Schwachstellen ausgemerzt und das Hauptziel, vier Sterne im EuroNCAP-Crashtest, möglicherweise auch erreicht sein. Wer trotzdem schon jetzt einen Brilliance fahren will, zahlt für das Basismodell mit Zweiliter-Benziner ab 19.000 Euro. Das Topmodell 2.4S in der Deluxe-Version mit 130 PS soll bei rund 23.000 Euro liegen. Nur mal zum Vergleich: Den preiswertesten VW Passat gibt es für 22.300 Euro.

Und den kann man heute schon überall kaufen. In welchen Verkaufsräumen der BS 6 stehen wird ist nach wie vor ungeklärt – trotzdem sollen bereits 2007 europaweit 15.000 Einheiten abgesetzt werden. Es laufen Verhandlungen mit Importeuren, die über ein ausreichend großes Händlernetz verfügen, sagte Professor Hans-Ulrich Sachs, Chef des Brilliance-Generalimporteurs HSO, bei der Vorstellung des Autos. Unterschrieben ist aber noch nichts. Man wolle zum Start zumindest in den deutschen Metropolen präsent sein, so Sachs. Mit Markteinführungen kennt er sich übrigens aus: Vor 15 Jahren hat er bereits Hyundai nach Deutschland gebracht – das Ergebnis ist bekannt.

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