Test Brilliance BS4 1.6

Brilliance BS 4 1.6 Brilliance BS 4 1.6

Test Brilliance BS4 1.6

— 27.10.2008

Süß-saurer China-Passat

15.990 Euro kostet der Brilliance BS4. Dafür gibt es viel Auto und auch Kritik: kein ESP, nicht einmal gegen Aufpreis – und ob der BS4 sicher ist, muss erst ein Crashtest zeigen.

Wie begegnet man einem Vorbestraften? Neutral natürlich. Jeder verdient eine zweite Chance. Auch Brilliance. Das erste China-Auto bei uns, der BS6, versagte beim Crashtest kläglich und konnte in Vergleichstests ebenfalls nicht überzeugen. Nun soll alles anders werden. Der neue BS4 basiert auf dem umstrittenen BS6, soll aber sicherer sein. "Wir streben ein Drei-Sterne-Ergebnis an", versucht Importeur Hartwig Hirtz Bedenken zu zerstreuen. Der BS4 kostet ab 15.990 Euro, hat ABS, vier Airbags, elektrische Fensterheber, Funk-ZV sowie Kimaanlage serienmäßig an Bord. Das Design stammt von Pininfarina und folgt dem klassischen Stufenheck-Stil. Am Heck verströmen die zweiteiligen Rückleuchten sogar modischen Schick. Verstecken jedenfalls müssen künftige Käufer ihn nicht. Im Gegenteil: Die 4,65 Meter lange Limousine könnte zum Geheimtipp werden. Denn bei der ersten Ausfahrt zeigt sie eine passable Vorstellung.

Das Fahrwerk wurde von Porsche entwickelt

Das Cockpit des Brilliance BS4 1.6: einfach, aber alles drin.

Der BS4 1.6 ist in erster Linie ein Transportmittel. Nicht mehr, nicht weniger. Innen sorgen schwarz glänzendes Hartplastik und dunkles Holzimitat für eher nüchterne Stimmung. Die Sitze sind groß genug, bieten aber wenig Seitenhalt. Alle Instrumente sowie Schalter liegen gut im Blick. Wer die Klimaanlage einschaltet, spürt allerdings, dass hier Einfach-Technik zum Einsatz kommt. Der BS4 schüttelt sich spürbar, und das Lenkrad vibriert. Auch Quietsch- und Klappergeräusche aus dem Armaturenträger beweisen, dass die Chinesen im Feintuning noch Nachholbedarf haben. Bei der Platzausnutzung haben sie ihre Hausaufgaben dann schon gründlicher erledigt. Besonders im Fond ist der Sitzkomfort klasse. Füße, Beine, Arme und Kopf haben fast so viel Bewegungsfreiheit wie in einer Oberklasse-Limousine.

Auf den ersten Blick recht ordentlich: das Fahrwerk von Porsche.

Weniger überzeugend ist das Beladen. Sperriges Gepäck passt nur mit Mühe durch die schmale Kofferraumluke, die Zuladung fällt mit nur 360 Kilo vergleichsweise gering aus. Der von Mitsubishi zugekaufte 100-PS-Vierzylinder ist bei Überholmanövern mit den 1,5 Tonnen Leergewicht überfordert. Auch an Autobahnsteigungen wird ein vollbesetzter BS4 keine Freude sein. Auf den ersten Blick recht ordentlich ist das Fahrwerk. Es wurde von Porsche entwickelt und bietet guten Komfort. Ob Querfugen, Schlaglöcher oder Kopfsteinpflaster – die Federn und Dämpfer stecken alles prima weg. Bei hektischen Lenkmanövern sorgt die weiche Abstimmung jedoch für ein taumeliges Fahrverhalten. Was gar nicht geht: ESP gibt es nicht, weder serienmäßig noch gegen Aufpreis. Mit dieser Vorstrafe wird der BS4 zu unserem ersten Test rollen. Ob er will oder nicht.

Fazit von Auto Bild Redakteur Jörg Maltzahn
: Der BS4 hinterlässt einen süß-sauren Eindruck. Er ist komfortabel, fährt manierlich. 15.990 Euro sind verführerisch. Aber: ESP gibt es nicht – und ob der BS4 sicher ist, muss erst ein Crashtest zeigen.
Technische Daten Brilliance BS 4 1.6
Motor/Hubraum Vierzylinder/1584 cm³
Leistung 74 kW (100 PS)
Drehmoment bei U/min 134 Nm/4500
0–100 km/h 13,9 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch (l/100 km) – COπ 8,0 l S – 190 g/km
Kofferraumvolumen 430 l
Länge/Breite/Höhe 4650/1800/1450 mm
Preis ab 15.990 Euro
Plus: niedriger Preis, umfangreiche Ausstattung, viel Platz, guter Komfort

Minus: kein ESP, schaukeliges Fahrverhalten, geringe Zuladung, einfache Qualität

Note: 3-
Konkurrenten: VW Passat 1.6, 102 PS, 23.075 € und Skoda Octavia 1.6 Tour, 102 PS, 14.090 €

Autor: Jörg Maltzan

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