Test C4 Coupé, C30, Astra GTC

Kompakte Coupés im Vergleichstest Kompakte Coupés im Vergleichstest

Test C4 Coupé, C30, Astra GTC

— 13.12.2006

Die helle Freude?

Die schönsten Dreitürer kommen derzeit von Citroën, Opel und seit Neuestem auch wieder von Volvo. AUTO BILD hat die Kompakt-Coupés durchleuchtet.

Kosten, Ausstattungen, Fahrzeugdaten

Der gläserne Mensch, der gläserne Pantoffel, die gläserne Manufaktur – wie steht's da eigentlich um das gläserne Auto? Aus der Historie kennen wir den am Heck nahezu durchsichtigen Schneewittchensarg. Oder einen Opel Rekord P1 mit verwegen geschwungenen Panoramascheiben. Und aus Frankreich kam ein herrlich transparentes Exemplar, die fahrende Fensterfläche Citroën DS.

Auch die drei Urenkel dieser Beispiele lassen wieder tief blicken. Volvo C30, Opel Astra GTC und Citroën C4 Coupé – die elegantesten Dreitürer der Kompaktklasse betören außer mit ihrer schönen Form mit extravaganter Verglasung. Beim neuen Volvo C30 zum Beispiel stellt zumindest die große Heckklappe aus Glas einen historischen Bezug her. Opel setzt – gegen Aufpreis im Astra GTC – seinen Fahrern wieder einen herrlich luftigen Panoramablick vor die Nase, und Citroën zeigt im C4 Coupé, wie man transparente Extravaganz in Seiten- und Heckfenster zaubert. Für noch mehr Durchblick bitten wir diese drei strahlenden Typen zur AUTO BILD-Durchleuchtung. Im Test: kernig gesund motorisierte Benziner mit 140 PS (Opel und Citroën) sowie 145 PS (Volvo).

Üppiges Sicherheitspaket für den stylischen Schweden

Schön und sicher: Der stylische C30 bietet eine tolle Sicherheitsausstattung.

Die Schweden machen naturgemäß keine Experimente mit zerbrechlicher Ware und spendieren ihrem kompakten Edel-Dreitürer nach Volvo-Manier ein gewohnt üppiges Schutzpaket. In der 21.850 Euro teuren Grundausstattung gehören sechs Airbags, ESP, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, selbst aktive Kopfstützen zum Serienstandard. Für ganz Vorsichtige baut Volvo gegen Aufpreis das kameraunterstützte Spurwechselwarnsystem BLIS oder sogar splitterfeste Verbundglasseitenscheiben ein. Im Kontrast zu so viel Umsicht werden allerdings eigentlich selbstverständliche Details wie Nebelscheinwerfer, Isofix-Ösen im Fond oder sogar die Beifahrerairbag-Deaktivierung extra berechnet.

Der ebenfalls gut abgesicherte Citroën VTR Plus für 20.350 Euro verdunkelt dagegen unsere Laune, weil es beispielsweise den Regensensor nur im teuren

Der Astra ist günstiger, dafür aber auch schlechter ausgestattet.

Optionspaket gibt und die vorderen Kopfstützen beim Heckaufprall passiv starr bleiben. Bei Opel fährt man zwar ebenfalls grundsätzlich auf der sicheren Seite, jedoch dämmert es beim Blick in die Optionsliste, warum der Astra mit 18.614 Euro Grundpreis so viel günstiger ist als die Basisversionen von Volvo und Citroën. Luxus und Komfort gehen bei Opel im Gegensatz zur Sicherheit leider nicht aufs Haus. Klimaanlage oder CD-Radio zum Beispiel – Extras, die es bei der Konkurrenz ab Werk gibt – schlagen im GTC mit fast 2000 Euro zusätzlichen Kosten zu Buche.

Form und Fahrspaß statt Funktionalität

C30: Das große Heckfenster erleichtert das Peilen nach hinten.

Das mag für viele nicht kaufentscheidend sein. Wer sich in dieser Klasse so deutlich für Form statt Funktionalität entscheidet, muss ohnehin noch ganz andere Defizite in Kauf nehmen. Dabei hat Volvo den Coupé-Gedanken besonders konsequent in rassige Form, aber auch in funktionale Nachteile umgesetzt. Hinten gibt es wenig Kopffreiheit, Raumgefühl und Übersicht werfen trotz der weit nach unten reichenden Glasheckklappe dunkle Schatten auf das Gemüt. Dazu kommt: Den Vorteil der einfach nach vorn zu klappenden Fondsitzlehnen fressen das arg bescheidene Gepäckraumvolumen und die beschämend geringe Zuladung von gerade einmal 315 Kilogramm wieder auf. Als Wiedergutmachung schenkt Volvo seinen Kunden jedoch ein bemerkenswertes Verarbeitungsniveau und den schicksten Innenraum, seit es Kompaktwagen gibt.

Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Auch bei Opel und Citroën ziehen in Bezug auf Alltagstauglichkeit dunkle Wolken auf. Der Kofferraum des Opel ist zwar der größte in diesem Trio, aber die Lehnen der Rücksitze lassen sich nicht ganz herunterklappen, im Boden entsteht eine Stufe, und die Übersicht durch den hinteren Heckfenster-Sehschlitz ist eher lausig. In einer ähnlichen Peil-Situation erschließt sich auch der Sinn des unteren Glasabschnitts der C4-Heckklappe. Die vertikale Scheibe in der Heckklappe stellt das eigentliche Rückfenster dar, die Übersicht ist dennoch ausreichend. Wer jedoch bei Citroën den Kofferraum erweitern möchte, muss die umständlich montierte Sitzfläche hochklappen, danach Gepäck über eine hohe und sehr breite Ladekante hieven.

Alltagstauglichkeit hin oder her – an Fahrspaß mangelt es nicht!

Jetzt haben wir aber endgültig genug über die mangelnde Funtionalität der drei Schönlinge gemeckert. Bei Coupés mit starken Benzinmotoren muss zum Ausgleich doch einiges in Richtung Fahrspaß gehen. Tut es bei Opel auf jeden Fall. Obwohl der 1,8-Liter-Ecotec-Vierzylinder kleiner ist und weniger Drehmoment stemmt als die Zweiliter von Volvo und Citroën, geht er beim Überholen bissiger zur Sache. Die kürzere Gesamtübersetzung des GTC verhilft ihm zu einem insgesamt höheren Drehzahlniveau mit entsprechend besseren Elastizitätswerten. Dazu fährt der Astra komfortabel und sportlich-zackig zugleich, die präzise Schaltung und eine direkte Lenkung fördern den Fahrspaß, seine Bremswerte gehen als vorbildlich durch. Und das alles bei den niedrigsten Unterhaltskosten.

Tolle Sprintqualitäten, mäßige Abstimmung: C30

Beim Volvo freut uns der spritzige, gleichzeitig druckvolle und sehr leise Motor. Zusammen mit dem sauber zu schaltenden Fünfganggetriebe resultiert daraus ein souveräner Antrieb – mit im Gegensatz zum Opel minimal höherem Verbrauch. Die Mischung aus Federungskomfort und agilem Fahrgefühl haben die Schweden nicht ganz so gut getroffen. Einerseits ist der C30 grenzwertig hart abgestimmt, anderseits aber reagiert der Volvo im Gegensatz zum Opel weicher auf Einlenkmanöver.

Der Citroën federt ordentlich, aber die lauten Rollgeräusche und erst recht das ungedämmte Prasseln hochgewirbelter Steinchen in den Radhäusern vermitteln uns das Gefühl, in einem Kleinwagen unterwegs zu sein. Dem großen Fahrspaß stehen beim C4 ohnehin die gefühllose Lenkung und das frühzeitig und rigoros regelnde ESP im Weg. Dass der Franzose trotz Drehmomentvorteils und geringeren Wagengewichts nicht einmal dem Schweden davonsprinten kann, spricht auch nicht gerade für den C4. Immerhin verbinden Citroën und Volvo die hohen Fixkosten. Die liegen deutlich über denen des Opel. Da kommt helle Freude auf – über einen glasklaren Astra-Sieg.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Jan Horn

Der Opel ist am besten in Form und bietet am meisten fürs Geld.

Kompakt, aber nach Coupé-Art angerichtet – da dürfte Funktionalität doch eigentlich nur eine Nebenrolle spielen. Nach diesem Rezept wäre der rassig gezeichnete und edle Volvo eine echte Empfehlung. Wer aber trotz aller Freude am eleganten Auftritt auch den Alltag nicht vergisst, kommt um den praktischeren und günstigeren Opel nicht herum. Dazu kommt: Er liefert den größten Fahrspaß. Für den Citroën bleibt nur die Rolle des originellsten Dreitürers der Klasse – vor allem, was den Innenraum betrifft.

Autor: Jan Horn

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