Cayman S und V8 Vantage

Porsche Cayman S – Aston Martin V8 Vantage Porsche Cayman S – Aston Martin V8 Vantage

Test Cayman S gegen Aston Martin V8 Vantage

— 21.12.2005

Kleine Brüder

So klein und schon so erwachsen: Vantage und Cayman müssen ihre großen Geschwister DB9 und 911 in keiner Weise fürchten. Untereinander sind sie eher Verbündete als Gegner. Vom Treffen auf der Rennstrecke.

Kleine Brüder haben es gut

Kleine Brüder haben es im allgemeinen gut: Mußten sich die großen Geschwister noch Vorrechte erkämpfen, profitieren die Jüngeren von deren Vorarbeit – die Eltern machen üblicherweise beim zweiten Kind alles, was sie mit weiterem Nachwuchs tun, ein bißchen besser. Womit wir schon im Thema sind: Der Aston Martin V8 Vantage ist der kleine Bruder des DB9, der Porsche Cayman S kann getrost als kleiner 911er gelten. Beide sind neu, beide stammen aus berühmten Familien, beide zielen auf jüngere (und damit meist nicht unbegrenzt solvente) Kunden – und beide müssen sich nicht vor ihren großen Verwandten verstecken. Warum also nicht mal miteinander antreten lassen? Jawohl, miteinander, und nicht gegeneinander. Denn trotz vieler Gemeinsamkeiten sind sie doch sehr unterschiedlich.

Das beginnt schon bei der Kraft. Der Aston Martin wirft einen 385 PS starken 4,3-Liter-V8 in die Waagschale – völlig neu konstruiert. Der Motor ist ein echtes Sahnestück – ein Antrieb mit feinsten englischen Manieren, wenn auch in Köln gebaut. Er reagiert sofort auf jede Zuckung im Gasfuß und überzeugt mit einwandfreier Laufkultur. Die Kraftentfaltung ist herrlich linear, und mit 410 Newtonmetern Drehmoment läßt es sich auf Wunsch auch sehr schaltfaul fahren.

Wer den Front-Mittelmotor in den höheren Drehzahlregionen bei Laune hält, wird nicht nur mit Fahrspaß pur belohnt, sondern bekommt obendrein fein komponierten, trommelnden V8-Sound geliefert. Mit Sound kann der Porsche dagegen nicht dienen. Sein 295 PS starker 3,4-Liter-Sechszylinder-Boxer ist eine Mischung aus Boxster-S- und 911-Motor, dem man sportlichen Klang nachsagen kann, aber nicht wirklich Sound.

Ausstattungen und Preise

Dabei steckt das Triebwerk voller Überraschungen: Erstmals außerhalb der 911-Baureihe wird die Nockenwellen- und Ventilhubverstellung "Vario Cam Plus" eingesetzt. Sie soll für ein hohes Drehmoment (340 Nm) und wenig Verbrauch sorgen. Jede Menge Fahrspaß vermitteln beide. Dabei traut Aston Martin seinen Kunden aber nicht ganz so viel zu wie Porsche. Damit beim Vantage niemand aus Versehen das ESP ausschaltet, muß man den Knopf mindestens vier Sekunden lang drücken. Dann fährt der Engländer lange neutral durch die Kurven, bis sich irgendwann das Heck zum Ausbrechen meldet.

Das alles passiert ganz unaufgeregt, so daß auch ungeübte Fahrer mit sanften Eingriffen den Wagen wieder voll kontrollieren. Optimal die Gewichtsverteilung von 48 zu 52 Prozent (samt Fahrer), sehr von Vorteil die breite Spur des Autos und der niedrige Schwerpunkt. Anders als beim Porsche ändern sich die Lenkkräfte beim Kurvenfahren nicht. Auch wenn die Lenkung nicht so direkt ist wie beim deutschen Rivalen, läßt sie jederzeit genaues Zirkeln zu. Die Zahnstangenlenkung des Cayman ist eine Spur besser. Die Übersetzung ist bei kleinen Lenkradeinschlägen größer, ab 30 Grad Lenkeinschlag wird sie direkter – kurz gesagt: ein gutes Gefühl.

Der Fahrer sitzt im Porsche tiefer als im Vantage, deswegen umgibt ihn ein bißchen mehr Sportwagenfeeling. Der Cayman bleibt in scharf gefahrenen Kurven ebenfalls lange neutral, ehe er mit dem Heck ausbricht. Allerdings tut er das – recht ungewöhnlich für einen Mittelmotor-Sportwagen – nicht plötzlich, sondern kontrollierbar. Das spricht für das ausgezeichnete Fahrwerk des Cayman.

Fahrleistungen und Testverbrauch

Allerdings war unser Testwagen auch speziell gerüstet: Extras wie die Dämpferregelung PASM (1508 Euro) lassen den Cayman zehn Millimeter tiefer und deutlich straffer über die Piste jagen, als es beim Basismodell der Fall ist. Zusätzlich besaß er das Sport-Chrono-Paket (schärfere Motorkennfelder für bessere Performance, Schalten bei höheren Drehzahlen möglich, Bremsrückschaltungen mit deutlich geringerer Verzögerung, verkürzte Schaltzeiten, Stoppuhr auf dem Armaturenbrett) für 742 Euro. Während sich der Cayman auf diese Weise für durchaus namhafte Beträge straffer und schneller machen läßt, gibt es für den Vantage leider keine solchen Optionen.

Schalten macht bei beiden Spaß, auch wenn die Schaltwege des Aston Martin noch einen Tick kürzer sind als die des Porsche. Das Gang-Einlegen geschieht bei beiden Sechsganggetrieben ohne Kraftaufwand, die Schaltführungen sind exakt. Das Kupplungspedal des Vantage läßt sich etwas schwerer treten, aber auch das zarte Geschlecht dürfte damit keine Probleme haben. Keine Unterschiede bei den Bremsen: Sie sind in beiden Autos gut zu dosieren und blieben auch in der Motorsport-Arena Oschersleben standfest.

Mit 36,9 Metern (warm) von 100 auf 0 km/h steht der 1650 Kilo schwere Aston Martin schnell, der 1420 Kilo wiegende Porsche schafft das in 34,8 Metern. Zum Sprint auf 100 km/h benötigt der Brite nur 5,2 Sekunden, der Deutsche 5,6. Wieviel Sportwagen im Aston wirklich steckt, beweist er bei den Rundenzeiten: Obwohl die kurvenreiche Motorsport-Arena eher kleinen und leichten Wagen liegt, läßt er den leichteren – allerdings auch schwächeren – Cayman hinter sich. Und auch beim Image führt der Aston Martin.

Technische Daten und Fazit

Porsche zu fahren ist nach wie vor eine Auszeichnung, aber ein Aston Martin ist wirklich noch exklusiv. Sein Design – letztes Werk des jetzt selbständigen Henrik Fisker – ist atemberaubend, sein Innenraum mit Leder, Alcantara und Alu wunderschön, seine Instrumente samt Starterknopf aus Glas ein Fest für die Augen. Sogar der Kofferraum (unter einer großen Heckklappe) ist mit 300 Litern sportwagenuntypisch groß.

Den Stauraum kann der Porsche tatsächlich toppen (vorn 150 Liter, hinten 260), das Design nicht. Auch wenn der von Harm Lagaay entworfene Wagen kraftvoll und in sich stimmig dasteht. Der Innenraum ist eher schlicht, die Instrumente gröber, die Bedientasten allerdings genauso (zu) klein wie im Rivalen. Der größte Unterschied zwischen Vantage und Cayman ist der Preis: Aston Martin verlangt für den Basis-V8 104.995 Euro, das kleine Porsche-Coupé gibt's ab 58.529 Euro. Niemand wünscht sich zwei kleine Brüder. Aber einer kann ganz lustig sein. Man müßte mal ernsthaft mit den Eltern reden...

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Roland Löwisch Da legen sich Aston Martin und Porsche aber zwei richtig dicke Argumente gegen ihre arrivierten Sportmodelle ins Nest. Für diejenigen, die weder zwei Golfbags noch zwei kleine Kinder transportieren müssen, gilt: Noch nie war es so günstig, den besten Aston Martin aller Zeiten oder das ausgefeilteste Coupé aus Zuffenhausen zu erwerben. Untereinander müssen sie keine Konkurrenz fürchten – dafür ist die Klientel zu verschieden.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Aston Martin V8 Vantage und den Porsche Cayman S. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Roland Löwisch

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