Test Chevrolet Cruze 1.6 LS

Test Chevrolet Cruze 1.6 LS

— 10.08.2009

Der Billig-Astra aus Korea

Die Technik vom nächsten Opel zum heißen Preis: Doch der Chevrolet enttäuscht. Von einem komplett neuen Auto erwarten wir mehr Komfort, Agilität und Wirtschaftlichkeit. Billig allein reicht schon lange nicht mehr.

Frisches Design, dynamischer Auftritt – der Chevrolet Cruze kann sich wirklich sehen lassen. Das Interesse wächst weiter, weil der Cruze als Erster der GM-Familie auf der Kompakt-Plattform des neuen Astra aufbaut. Noch mehr Aufsehen erregt sein Preis: Los geht’s ab 14.990 Euro, der Astra wird mindestens 16.500 Euro kosten – ein verlockendes Angebot. Die ausgewachsene Stufenhecklimousine bietet genug Luft auf fünf Plätzen, ihre 450 Liter Kofferraum fassen das Reisegepäck einer Familie. Einfache Materialien verraten jedoch, woher der Schnäppchenpreis kommt. Immerhin: Die Verarbeitung ist solide, die Ausstattung üppig: ESP, sechs Airbags, CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn und drei Jahre Garantie sind stets Serie. Die Feinabstimmung von Fahrwerk, Bremsen und Lenkung lag in den Händen europäischer Ingenieure. Davon ist aber wenig zu spüren.

Zehn Liter Super sind für ein brandneues Auto indiskutabel

Der 1,6-Liter-Vierventiler ist ausgesprochen zäh und unkultiviert, er schluckt viel und arbeitet wenig.

Motor und Fahrverhalten können mit dem dynamischen Äußeren des Cruze nicht annähernd mithalten. Der 113 PS starke Basis-Benziner ist mit dem 4,60-Meter-Cruze überfordert, wirkt zugeschnürt, hängt zäh am Gas und dreht unwillig hoch. Zudem lärmt er und säuft: Bei zügiger Fahrweise sind knapp zehn Liter Super für ein brandneues Auto indiskutabel. Die viel zu lange Übersetzung des Fünfganggetriebes ist keine Hilfe, zwingt zu Schaltarbeit am labberig geführten Hebel. Unpräzise arbeitet auch die gefühllose und bei schnellen Richtungswechseln stark verhärtende Lenkung, was sportliche Ambitionen schon im Ansatz erstickt. Gemächliches Gleiten ist freilich auch keine Stärke des Koreaners, die unterdämpften Federelemente stolpern unwirsch über Kanten und Fugen. Wenigstens das Fahrverhalten ist frei von Tücke, das früh eingreifende ESP hat alles im Griff. So empfiehlt sich der Cruze vor allem Preisbewussten, die kein Problem damit haben, einen Blender zu fahren.
Technische Daten Chevrolet Cruze 1.6 LS
Motor Vierzylinder, vorn quer
Ventile Vier pro Zylinder
Hubraum 1598 cm³
Leistung 83 kW (113 PS) bei 6400/min
max. Drehmoment 153 Nm bei 4200/min
Antrieb Vorderrad
Getriebe Fünfgang
0–100 km/h in 12,5 s (Testwert)
Spitze 185 km
Tankinhalt 60 l
EU-Mix 6,8 l Super/100 km
CO2 159 g/km
Bremsweg 38,5 m
Kofferraumvolumen 450 l
Länge/Breite/Höhe 4597/1788/1477 mm
Preis ab 14.990 Euro
Uli Holzwarth

Uli Holzwarth

Fazit

Eine enttäuschende Vorstellung. Von einem komplett neuen Auto erwarten wir mehr Komfort, Agilität und Wirtschaftlichkeit. Wenn der Cruze in der Kompaktklasse bestehen soll, müssen die Entwickler noch mal ran. Billig allein reicht schon lange nicht mehr.

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