Test Citroën C1/Daihatsu Cuore/Hyundai i10

Test Citroën C1/Daihatsu Cuore/Hyundai i10 Test Citroën C1/Daihatsu Cuore/Hyundai i10

Test Citroën C1/Daihatsu Cuore/Hyundai i10

— 25.04.2008

Die haben den Bogen raus

Schaltfaul im Kleinwagen? Kein Problem. Wer aber Automatik haben will, muss für seinen Mini tief in die Tasche greifen. Hyundai i10, Citroën C1 und Daihatsu Cuore im Vergleich.

Mal ehrlich: Wer will im Stadtverkehr noch von Hand schalten? Wo fast nichts mehr geht, lebt es sich am besten mit einer Automatik. Aber gilt das auch für die kleinste Autoklasse? Ja, meint Hyundai. Und schiebt mit dem i10 einen nagelneuen Automatik-Mini auf den Markt. Hier trifft er auf seine Konkurrenten Citroën C1 Sensodrive und Daihatsu Cuore Automatik. Dabei tragen die asiatischen Stadtflöhe eine gewisse Tragik zu Tage: Kleiner Wagen, kleiner Verbrauch - wenn da nicht die Automatik einen Strich durch die Rechnung machen würde. Eine Frage türmt sich auf: Ist das noch zeitgemäß und sinnig? Doch zuerst schalten wir mal einen Gang zurück – und schauen in die Geschichte. Denn kaum jemand weiß, dass die Automatik fast so alt ist wie das Auto selbst.

Heute komfortabel, früher belächelt

Bereits 1900 entwickelte ein Tüftler namens Ludwig Maurer ein stufenloses Getriebe. Das "Friktionsgetriebe" des Nürnberger Mechanikers ist sensationell einfach: Ein Reibrad wird im rechten Winkel an die Schwungscheibe des Motors gedrückt. Nimmt nahe der Schwungscheiben-Mitte die Kraft ab, dann fährt der Wagen langsam. Je weiter das Reibrad (per Handkurbel) nach außen kommt, desto höher wird seine Drehzahl, der Wagen also schneller. Einziger Haken: Die Friktionsräder waren mit Leder belegt – bei starkem Regen kamen sie schnell ins Rutschen ... Deshalb setzte sich Maurers Getriebe nicht durch. Anders die stufenlose "Variomatic" von DAF. 1958 erstmals im 600 vorgestellt, war sie die Schalthilfe für technisch Unbegabte. DAF hatten schnell den Spitznamen "Hebammenauto" weg. Beim kleinen Holländer sorgte die veränderbare Übersetzung von zwei Riemenscheiben dafür, dass der Motor stets im besten Drehmomentbereich arbeiten konnte. In der Oberklasse lächelte man über solche Technik: Da hatten bereits Packard 1939 in den USA und Borgward 1952 bei uns das Automatikgetriebe mit hydrodynamischem Drehmomentwandler bekannt gemacht. Der Wandler verstärkt das Anfahrmoment, erhöht gleichzeitig aber leider auch den Kraftstoffverbrauch.

Karosserie: Klein, aber oho

Da die beiden Asiaten serienmäßig vier Türen haben, tritt auch der Kürzeste im Test, der C1, mit hinteren Einstiegen an. Bei dem 3,44-Meter-Zwerg (Winzling Smart ist nur 74 cm kürzer) endet die hintere Tür am Heckfenster – ein Musterbeispiel an Raumausnutzung. Auf den gut ausgeformten Sitzen kommt vorn keine Platzangst auf. Hinten aber heißt es, Bauch und Knie einziehen und schnell anschnallen – denn die zwei Plätze haben den Seitenhalt einer Parkbank. Im 3,5 Zentimeter längeren Cuore kneift und rutscht es hinten ähnlich (doch wer hält sich da schon lange auf?). Die vorderen Stühle (Fahrersitz höhenverstellbar) dämpfen am besten, verbessern den Fahrkomfort enorm. Der Hyundai i10 ist 13 Zentimeter länger als Zwerg C1, gegen den er beinahe erwachsen wirkt. Einen höhenverstellbaren Fahrersitz gibt es erst ab "Style", dafür ist der i10 ein Fünfsitzer. Wer hinten sitzt, darf dann aber nicht breiter als 44 Zentimeter sein, schließlich stehen nur 1,33 Meter zur Verfügung.

Optisch handelt es sich um Sparbüchsen, entsprechend zweckmäßig ist das Innendesign. Ausnahme Hyundai: Sein Interieur wirkt modisch-fröhlich – qualitativ aber setzt sich der Cuore an die Spitze. Bei der Sicherheit spart kein Anbieter, der Cuore aber punktet mit Knieairbag, Außenthermometer und ESP-Schleuderschutz. Den gibt es beim Hyundai nur im CRDi, beim C1 in einem optionalen Sicherheitspaket. Die Straßenflöhe gehen ja vielleicht auch mal auf große Fahrt. Voll besetzt ist Koffer-Diät angesagt. Sitzt hinten aber nur ein Gast, dann lässt sich die ungenutzte Rücksitzlehne umklappen (beim i10 sogar asymmetrisch). Ganz pfiffig wieder der kleine Daihatsu: In der Version "Top" lässt sich seine Rückbank um 25,5 Zentimeter verschieben.

Antrieb: Rau, aber herzlich

Schon nach kurzer Testfahrt zeigt der Daihatsu, dass er die Sänfte dieses Vergleichs ist.

Von Kleinwagen, die leer um 860 Kilogramm wiegen (Hyundai 982 kg), aber Zuladung wie ein Großer schleppen müssen, wollen wir keine Komfortwunder erwarten. Dennoch zeigt sich schon nach kurzer Testfahrt, dass der Daihatsu die Sänfte dieses Vergleichs ist. Seine ausgeglichene Fahrwerkabstimmung würde dem Citroën zur Ehre gereichen. Denn der C1 ist einfach nur hart, kurze Wellen kommen wie ein Fußtritt durch die Sitze. Ähnlich reagiert der Hyundai, der insgesamt aber weniger gnadenlos wirkt. Temperament steht bei automatisierten Kleinwagen am Ende des Wunschzettels, dennoch sind C1 und Cuore verblüffend flink, den Hyundai behindert sein hohes Leergewicht. Oder die träge Vollautomatik? Der C1 hat mit so was keine Last, er besitzt als einziger des Trios ein "automatisiertes Schaltgetriebe", bei dem es keine Kraftverluste gibt, die den Verbrauch hochtreiben. Mehr noch: Der kleine Citroën zwingt automatisch zur Ruhe. Wer es wagt, ihm die Sporen zu geben, den brüllt der kleine Dreizylinder zornig an. Erschrocken nimmt jeder den Fuß zurück und stellt fest: Wer die längeren Schaltpausen (Smart lässt grüßen) leicht mit dem Gaspedal unterstützt, fährt besser. Hyundais Kleiner kennt so was nicht, dank seiner vier Zylinder klingt er immer wie ein richtiges Auto. Und wenn es doch mal zur Sache gehen muss? Dann fährt wieder Klein-Daihatsu vornweg. Sein Dreizylinder hängt gut am Gas, und die Automatik hilft ihm, weil sie beim Kick-down erst im 6000er-Bereich schaltet. Seine schmalen 14-Zöller und die etwas teigige Lenkung vermitteln im Vergleich noch die meiste Fahrsicherheit. Und im Notfall? Keine Sorge, die ABS-Bremsen bleiben stets unter 40 Metern.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Kleinwagen? Die Lösung einiger (Park-)Platzprobleme. Kleinwagen mit Automatik? Komfortabler lässt es sich nicht durch den Berufsverkehr zuckeln. Aber Kleinwagen, die mit Automatik 19 bis 25 Prozent mehr Benzin verbrauchen als ohne? Bei aller Liebe zur Technik – ein Killerargument! Entweder die asiatischen Techniker konstruieren zeitgemäß sparsame Getriebe oder automatisieren ihre Schalter, wie eben Citroën.
Fahrzeugdaten Citroën Daihatsu Hyundai
Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage Dreizylinder, vorn quer Dreizylinder, vorn quer Vierzylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 3 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 998 cmÍ 998 cmÍ 1086 cmÍ
kW (PS) bei U/min 50 (68)/6000 51 (70)/6000 49 (67)/5500
Nm bei U/min 93/3600 94/3600 98/2800
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 150 km/h 142 km/h
Getriebe 5-Gang-Halbautom. Vierstufenautom. Vierstufenautom.
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Trommeln Scheiben/Trommeln Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 155/65 R 14 T 155/65 R 14 S 175/60 R 14 H
Radgröße 4,5 x 14“ 4,5 x 14“ 5,0 x 14“
Abgas Coπ 109 g/km 129 g/km 139 g/km
Verbrauch* 5,5/4,1/4,6 l 6,5/4,8/5,5 l 7,2/5,1/5,9 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 35 l/Super 36 l/Norma 35 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 70 dB (A) 72 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine 600/250 kg 700/– kg
Kofferraumvolumen 139 – 751 l 160 – 850 l 225 – 910 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Preise/Ausstattung Citroën Daihatsu Hyundai
Modell C1 1.0 Style Sensodrive Cuore 1.0 Top Automatik i10 1.1 Style Automatik
Airbags Fahrer/Beif./Seiten vo. S/S/S S/S/S S/S/S
Kopfairbags vorn/hinten 660 €* 450 € N
ESP 660 €* 750 € N
Klimaanlage 1130 €* S/S/S 790 €
CD-Radio 440 €* S S
Metalliclack 360 € 350 € 300 €
Grundpreis 11.100 € (5-Türer) 12.290 € 12.080 €
S = Serie, N = nicht lieferbar; * Paketpreis
Kosten/Garantien Citroën Daihatsu Hyundai
Abgasnorm Euro 4 Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 67 € 67 € 74 €
Typklassen HPF/VK/TK 14/12/15 14/19/17 14/15/15
Werkstattintervalle 15 000 km/1 Jahr 15 000 km/1 Jahr 20 000 km/1 Jahr
Kosten Ölwechsel/Inspektion 100/350 € 80/140 € 120/250 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Garantie Garantie
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 3 Jahre/100 000 km 3 Jahre/ohne
Garantie gegen Durchrostung 12 Jahre 8 Jahre 10 Jahre
Mobilitätsgarantie unbegrenzt 3 Jahre 3 Jahre
Messwerte Citroën Daihatsu Hyundai
Beschleunigung
0–50 km/h 4,0 s 4,1 s 4,9 s
0–100 km/h 13,9 s 13,2 s 17,8 s
0–130 km/h 25,3 23,6 s 33,9 s
Elastizität
60–100 km/h 8,1 s 7,8 s 11,1 s
80–120 km/h 10,9 s 11,3 s 15,0 s
Leergewicht/Zuladung 864/326 kg 858/392 kg 982/448 kg
Gewichtsverteilung v./h. 62/38 % 61/39 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 10,0/9,9 m 10,3/9,8 m 10,1/9,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,6 m 38,7 m 37,9 m
aus 100 km/h warm 39,2 m 39,0 m 37,7 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 62 dB (A) 61 dB (A) 60 dB (A)
bei 100 km/h 70 dB (A) 69 dB (A) 68 dB (A)
bei 130 km/h 74 dB (A) 74 dB (A) 74 dB (A)
Verbrauch
Testverbrauch – CO2 5,6 l – 133 g/km 6,9 l – 162 g/km 7,2 l – 169 g/km
Reichweite 620 km 520 km 480 km
Die Wertung Punkte max. Citroën Daihatsu Hyundai
Karosserie
Platzangebot 30 24 20 18
Kofferraum/Variabilität 20 7 11 5
Zuladung (Anhängelast) 20 11 14 7
Sitze/Sitzposition 30 21 20 19
Raumgefühl/Rundumsicht 20 16 16 14
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 21 10 13
Sicherheitsausstattung 30 14 6 8
Qualitätseindruck/Materialien 20 15 13 11
Zwischenergebnis 200 129 110 95
Den meisten Platz bietet der Daihatsu Cuore, er hat die besten (Vorder-)Sitze und eine Top-Ausstattung. Reisenden bietet sich der Hyundai an, er trägt und packt am meisten, kann seinen Laderaum wie ein Kombi vergrößern. Das 107-Aygo-Geschwisterchen C1 gewinnt hier nichts.
Antrieb/Fahrwerk
Motoreigenschaften 20 15 14 14
Beschleunigung/Vmax 30 20 12 20
Elastizität 20 20 17 20
Fahrverhalten 30 27 26 24
Fahrgeräusche 10 8 8 6
Fahrkomfort 20 17 15 13
Getriebe/Schaltung 20 18 17 14
Lenkung/Wendekreis 20 16 17 16
Bremsen 30 13 17 13
Zwischenergebnis 200 154 143 140
Hier liegen die drei schon enger beisammen: Beim Temperament schlagen die zwei Dreizylinder den behäbigen Vierzylinder aus Korea. Fahrverhalten und -komfort sind Daihatsu-Domänen, seine Automatik adelt ihn zum Stadtflitzer. Die agilste Lenkung hat der Hyundai, und seine Bremsen beißen am besten zu.
Kosten
Steuer/Versicherung 20 10 16 19
Verbrauch/Umwelt 40 32 31 36
Garantie 20 9 11 11
Wartung 20 13 14 13
Aufpreisgestaltung 10 5 5 8
Wiederverkauf* 10 5 5 6
Preis 80 54 59 65
Zwischenergebnis 200 128 141 158
*ermittelt von Bähr&Fess
Hier schlägt die Stunde des Citroën: niedrigster Preis, günstigster Unterhalt, geringster Verbrauch und bester Wiederverkauf. Der Daihatsu lässt richtig Federn. Aber auch wenn der C1 besser ausgestattet gewesen wäre, bliebe es bei dem Ergebnis.
Gesamtpunktzahl 600 411 394 393
Platzierung 1. 2. 3.
Wer scharf rechnet, sollte den Drittplatzierten nehmen. Kein Wunder – er kostet 1190 Euro weniger als der Teuerste.

Autor: Diether Rodatz

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