Test Citroën C6 V6 3.0 Exclusive

Citroën C6 V6 3.0 Exclusive Citroën C6 V6 3.0 Exclusive

Test Citroën C6 V6 3.0 Exclusive

— 14.03.2006

Was kann der große Charmeur?

Mit dem C6 kehrt Citroën in die Oberklasse zurück. Die moderne Limousine lockt mit mutigen Formen und eigenwilligem Charakter.

Technische Daten und Testwerte

Nein, ich will es nicht mehr hören. Daß der C6 jeden Vergleich gegen die Mercedes E-Klasse verlieren wird. Daß ein 5er-BMW sportlicher fährt. Daß ein Audi A6 leichter zu bedienen ist. Ich sage: "Na und?" Citroëns neue Oberklasse hat einen anderen Menschen aus mir gemacht, einen besseren. Einen Fahrer, der die Autobahn verläßt, um mit halbem Tempo über die Landstraße zu gleiten. Der Klassik-Radio hört, weil er die schlechten Nachrichten nicht mehr erträgt. Der andere vorbeiwinkt, nie drängelt und über keine Tempo-30-Zone flucht: nie, nie, nie!

Deshalb will ich es nicht mehr hören. Daß der Wagen keinen Ehrgeiz hat. Weil er 9,8 Sekunden benötigt, um aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen, obwohl in ihm ein 211-PS-Benziner arbeitet – ein Sechszylinder sogar. Und daß seine hypersensible Servolenkung nicht für die Rennstrecke taugt. Ich sage: "Na und?" Mit dem C6 findet Citroën zu sich selbst zurück, endlich. Vor sechs Jahren stellten die Franzosen das Modell XM ein, seitdem fehlte ihnen eine angemessene Oberklasselimousine. Statt an den Vorgänger anzuknüpfen, wagte der Hersteller den kompletten Bruch. Der C6 folgt weniger dem schlichten XM, eher der göttlichen DS, die vor 51 Jahren mit radikalem Design und innovativer Technik die automobile Oberschicht schockte.

Auch der C6 weckt sofort Interesse, zumindest drehen sich Fußgänger nach dem Wagen um. Wenn er vorbeigerollt ist, zeigt er seine schönste Seite: das Heck. Da wären zum Beispiel die Leuchten, gebogen wie zwei Bumerangs. Auch die hintere Scheibe wölbt sich zunächst nach innen, zur Dachkante hin formt sie sich nach außen, ohne dabei den Blick zu verzerren. Was das wohl gekostet hat? Ein Meisterwerk in Glas.

Betriebskosten, Ausstattung und Preis

Eine biedere Heckklappe bleibt uns erspart. Statt dessen endet der Wagen kurz, gut und vor allem rund. Um das Heck zu stabilisieren, integrierten die Ingenieure einen Spoiler, der angeblich auch den Bremsweg verkürzen soll. Schon ab Tempo 65 richtet sich der Stabilisator auf, bei 125 km/h noch etwas steiler. Das funktioniert auch andersrum. Unter 115 km/h sinkt der Spoiler wieder ab, um bei 25 km/h in die Ausgangsposition zu klappen. Ob dieses Teil im Ruderformat wirklich beim Bremsen hilft, wie Citroën es verspricht? Egal, der 1880 Kilo schwere Wagen kommt nach 38,5 Metern zum Stehen. Ein guter Wert.

Überhaupt rüstete Citroën den Wagen zu einer fahrenden Sicherheitszone aus. Bis zu neun Airbags werfen sich bei einem Aufprall vor die Insassen und puffern sie ab. Der Afil-Spurassistenten rüttelt den Fahrer wach, wenn er die Fahrbahnmarkierung überfährt. Um Fußgänger bei einem Unfall besser vor Verletzungen zu schützen, öffnet die Motorhaube einen Spalt, schafft so Abstand zum harten Motorblock. Der V6 ist wiederum ein Gedicht. Beim gemütlichen Fahren läuft das Drei-Liter-Aggregat so leise, als wäre es ein Phantom.

Zum sanften Charakter der Limousine paßt die Sechsstufenautomatik, die weich die Gänge wechselt. Ein Sportprogramm für Ambitionierte gibt es auch. Aber ganz ehrlich: Ich habe es kurz ausprobiert, zur Kenntnis genommen und anschließend verdrängt. Mir war das komfortable Reisen lieber. Denn das beherrscht der C6 perfekt. Zwischendurch mimt er nur kurz den Harten. Beim Bremsen und Beschleunigen schaltet er seine hydropneumatische Federung auf eine straffere Abstimmung um, während sie beim Gleiten die totale Sänfte spielt.

Die AUTO BILD-Wertung

Durch den Stadtverkehr bin ich abends nach Hause geschwebt wie auf einem Luftkissenboot. Bei langgezogenen Asphaltwellen taucht der Citroën tief ab, kurze Rillen lassen ihn leicht rumoren. Ein Schönheitsfehler und ganz untypisch für den C6, der ansonsten seine Insassen mit ganzem Charme verwöhnt. Vor allem für die, die hinten sitzen. Für 1300 Euro bietet Citroën zwei elektrisch verstellbare Rücksitze an, natürlich aus feinem Leder. Auf Knopfdruck neigen sich die Lehnen, die geteilt klappbare Bank entfällt dafür. Auch der Beifahrersitz fährt auf Knopfdruck nach vorn, wenn Monsieur im Fond das wünscht.

Auch vorn im Cockpit läuft alles vollelektrisch. Das Head-up-Display spiegelt die Geschwindigkeit auf die Frontscheibe, auf Wunsch auch eine Pfeildarstellung des Navigationssystems. Das ist ebenfalls in der 51.900 Euro teuren Exclusive-Ausstattung serienmäßig eingebaut. Ebenso wie die beigen Lederpolster "Vitelli". Die sind superbequem, und dank aufblasbarer Lordosenstütze freut sich auch der Orthopäde. Da soll noch einer was Schlechtes über den C6 sagen. Ich höre da einfach nicht mehr hin.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Citroën C6 V6 3.0 Exclusive. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

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