Test Corsa/207/Fabia/Polo

Test Corsa/207/Fabia/Polo

— 24.04.2007

Der Neue im Revier

Skoda greift nach der Kleinwagen-Krone: Mit der zweiten Auflage des erfolgreichen Fabia wollen die Tschechen Polo & Co davonfahren.

Manchmal kommen ja gerade die Kleinsten ganz gro raus. Und das wissen wir nicht erst seit Knut, dem Berliner Eisbrbaby. Was im Tierreich funktioniert, kann bei Autos so verkehrt nicht sein. Also startet die tschechische VW-Tochter Skoda die Neuauflage ihres Kleinwagens (und Bestsellers) Fabia. Im letzten Jahr nach den drei Platzhirschen Polo, Corsa und Fiesta immerhin die Nummer vier im deutschen Kleinwagen-Gehege. Was dem neuen Ost-Mini wieder eine echte Sonderstellung beschert: Er darf schon jetzt die Technik testen, die ab 2008 auch der kommende Polo nutzen wird. Mit derart guten Genen gerstet, muss sich der Fabia bei uns mit drei seiner natrlichen Feinde anlegen. Da wren zum einen die im letzten Jahr frisch aufgelegten Peugeot 207 und Opel Corsa sowie zum anderen der VWDer Wolfsburger fhrt zwar schon seit 2001 auf Kuferfang, beim deutschen Publikum geniet er aber immer noch einen enorm hohen Knut-Faktor.

Gut kopiert: Der Fabia sieht aus wie ein Swift

Optisch wie eine Mischung aus Mini und Swift: der neue Fabia.

Dem setzt Skoda jetzt einen auf 3,99 Meter gewachsenen Mini von erstaunlichem Format entgegen. Optisch eine Mischung aus Mini und Suzuki Swift, gefllt der Fabia mit dynamischem Design. Das zum Teil aber auch auf die teure Sport-Ausstattung zurckgeht wegen des frhen Testtermins konnte Skoda uns kein anderes Auto fr diesen Vergleich liefern. Etwas hochbeinig wirkt der Polo-Bruder, mit 1,50 Metern trgt er das Dach auch tatschlich am weitesten ber der Strae. Eine Hochnsigkeit, die dem Skoda aber nur Vorteile einbringt. Denn unter dem modernen Blech gibt es Platz wie in einem Groen. Whrend die Verhltnisse vorn bei allen vier Kleinwagen hnlich gerumig ausfallen, prsentiert sich der Fabia hinten als echter Familienfreund. Hier leiden weder Oma noch Opa unter Platzangst, reisen auch Huttrger erhobenen Hauptes. Polo und Corsa knnen da noch einigermaen mithalten, fordern nur geringe Abstriche.

Im 207 wird es trotz des lngsten Radstandes (2,54 m) dagegen schon verdammt eng um die Knie der hinten sitzenden Passagiere. Neben Menschen soll des fteren auch Material transportiert werden. Fr den Fabia eine leichte bung. Keiner der Kleinen schluckt hier mehr Koffer. In den 207 passt weniger hinein, und so muss Mutti ihre Schmuckschatulle auf den Scho nehmen. Grozgiger zeigt sich der 207 dagegen bei der Variabilitt. Bank und Lehne klappen schon in der Basis geteilt. Auch Fabia und Corsa knnen das, aber nur, weil sie in hherwertigen Ausstattungen antreten. Beim Basis-Polo kostet die praktische Zweiteilung der Fondsitze Aufpreis. Im Corsa, der mit 90 PS erst ab der Ausstattung Edition zu haben ist, gehren dagegen sogar der doppelte Ladeboden und die in der Neigung verstellbare Fondlehne zur Serienausstattung.

Innen zeigt der Fabia schnrkellosen Schick

Sachliche Einrichtung im Fabia: Funktionalität und Qualität überzeugen.

Dass wir bei Opel und Skoda nicht in einem kargen Basis-Modell sitzen, merken wir auch sonst. Nur hier fcheln uns Klimaanlagen ohne Zuzahlung eine khle Brise ins Abteil, fahren die Auenspiegel elektrisch in Position. Nett. Und gegenber dem kargen VW eine echte Wohltat. Skoda spendiert im Sport sogar vier elektrische Fensterheber und eine Fernbedienung fr die Zentralverriegelung. Die sehr sachliche Einrichtung berzeugt dabei mit funktionaler Schlichtheit und guter Qualitt. Im Polo wirken die Materialien einfacher, und wie sein Konzernbruder verstellt er uns die Rcksicht mit groen, nicht versenkbaren Kopfsttzen. Bitte bei Opel und Peugeot abschauen, wie so etwas besser geht. Im Corsa kommt allerdings leicht der Eindruck auf, das Cockpit sei berfrachtet, die bersichtlichkeit ist alles andere als perfekt. Allein der Lichtschalter, um den sich winzige Tasten fr Nebelleuchten und Instrumentenbeleuchtung gruppieren, erschreckt. Erfahrungen, die uns der geradlinige und unkomplizierte 207 erspart. Die Klimaregler knnten zwar etwas weiter oben platziert sein, sonst passt uns der feine Franzose aber gut.

Der Skoda geht wie ein Derwisch ums Eck – 16-Zoll-Rädern sei Dank.

Richtig unkomfortabel ist keiner der vier Kontrahenten: Auch wenn der 207 hier und da schon mal etwas heftiger stt, berfhrt er die meisten Fahrbahnfehler doch ohne groes Aufsehen. Mit ganz hnlicher Veranlagung meistert der Opel die Pisten unseres Alltags. Nur auf schlechten Strecken ernten wir mrrisch polternde Achsen. Auf gepflegten Asphaltbndern gleitet der Corsa entspannt durchs Land. Als straffe Fahrdynamiker schnren Polo und Fabia durchs Revier. Beide nehmen Straenschden mit ausreichender Gelassenheit, verteilen aber gern mal leichte Schlge und lassen den Straenzustandsbericht schon mal etwas detaillierter ausfallen, als wir uns das wirklich wnschen. Als Ausgleich geht der kleine Skoda aber auch wie ein Derwisch ums Eck 16-Zoll-Rdern sei Dank. Die direkte und sehr feinfhlige Servolenkung wrden wir der extrem leichtgngigen und damit diffuseren Abstimmung im Polo jederzeit vorziehen. Auerdem nimmt der Skoda selbst scharf angegangene Kurven gelassener und mit weniger Schlagseite. Alle Achtung, Fahrspa ist beim kurzen Tschechen nicht nur ein Wort.

Auch Opel und 207 locken mit einem knackigen Fahrverhalten, animieren durchaus zu einem dynamischen Fahrstil. Was den Spa bei beiden aber trbt, ist die Abstimmung der Servolenkung. Beide reagieren auf spontane Kurskorrekturen nicht so direkt wie Polo und Fabia. Vor allem der Corsa wirkt aus der Mittellage heraus undefiniert und flau. Im direkten Vergleich ein Manko, im Alltag aber weniger bedeutsam. Viel schwerer wiegt da, dass nur der Fabia serienmig ein ESP mitbringt bei den anderen drei kleinen Strolchen liegt die Sicherheit im Zweifelsfall allein in der Hand des Fahrers. Wo der Fabia also selbst bei halsbrecherischer Fahrweise relativ gelassen die Elektronik zum Einsatz bittet, fordern Polo, Corsa und vor allem 207 fahrerisches Knnen. Das muss zwar nicht professionell ausgeprgt sein, denn selbst ohne elektronischen Schleuderschutz bleiben die drei Handarbeiter weitgehend brav, es fhrt aber ein hheres Restrisiko mit als beim Fabia. Aufpreisfreies ESP fr alle bleibt also eine aktuelle Forderung.Polo und Corsa erschrecken zustzlich auch noch mit Bremswegen um 41 Meter.

Aufschwung Ost: ESP gehrt nur bei Skoda zur Serie

Leichtgewicht: Trotz geringster Leistung ist der Polo am agilsten.

Eine ganz schwache Vorstellung. Der 207 schafft 39,6 Meter, der Fabia sogar 38,4 (Mittelwert) allerdings auf 205er-Bereifung. Bei den Motoren hatten wir keinerlei Ausflle erwartet. Zwischen 80 und 90 PS sprudeln aus den Reihenvierzylindern ber fnf manuell zu schaltende Gnge an die Vorderrder da sollte ein Kleinwagen doch wohl flott in Fahrt kommen, oder? Jein, denn mit bis zu 1,2 Tonnen (207) versauen sich die Minis das Leistungsgewicht. Und das merkt man beim Ampelstart. Trotz geringster Leistung (80 PS) wuselt Leichtgewicht Polo (1065 Kilo) am leichtfigsten durch den Verkehr. Seine Mitbewerber verlieren schon bis Tempo 100 rund eine Sekunde, vor allem Corsa und 207 wirken schwerfllig und sehr bemht.

Der etwas schnellere Fabia lsst uns mit seinem sonoren Klang und der exakten Schaltung zumindest im guten Glauben, dass hier richtig was vorwrts geht. Der Blick ins Messprotokoll bringt dann Ernchterung: 13 Sekunden bis 100 km/h gehen in Ordnung, machen den Skoda aber nicht zum Chefdynamiker. Trotzdem werden auf 100 Kilometer 7,3 Liter Super fllig. Zu viel, alle anderen schaffen die sechs vorm Komma, der 207 ist mit 6,5 Litern Spar-Spitze. An der Kasse fhrt der 207 ganz nach vorn. Weniger als 13.500 Euro verlangt hier niemand. Am nchsten kommt ihm der Polo fr 14.080 Euro. Weil es den 90-PS-Corsa erst ab der Ausstattung Edition gibt, mssen wir Opel satte 14.978 Euro berweisen. Dafr gibt es zwar mehr Luxus an Bord, aber auch weniger Entscheidungsfreiheit. Schade. Der Fabia Sport schiet mit 15.490 Euro schlielich den Vogel ab. Aber es geht ja auch gnstiger: In der gleich starken Basisversion stehen nur noch 12.540 Euro auf dem Preisschild.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Dass wir vom neuen Fabia einiges erwarten durften, war klar. Dass er aber gleich mit 19 Punkten Vorsprung ins Ziel fhrt, berrascht dann doch. Das Rezept dahinter scheint einfach: So wie frher der Polo leistet sich der Tscheche kaum eine echte Schwche. Whrend Altmeister Polo beim Bremsen und beim Preis patzt. Und das so sehr, dass ihn der Corsa fast berholt htte. Dem gnstigen 207 fehlt es letztendlich vor allem an Gre.

Autor: Gerald Czajka

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