Test Dacia Logan 1.6 MPI

Dacia Logan 1.6 MPI Dacia Logan 1.6 MPI

Test Dacia Logan 1.6 MPI

— 04.12.2004

Ein billiges Vergnügen?

Wie geil ist Geiz? So la la: Das Niedrigpreis-Auto der rumänischen Renault-Tochter Dacia ist weder Offenbarung noch böse Überraschung.

Der Knüller 2005?

Jede Wette: Der Dacia Logan wird ein Thema 2005, eventuell ein großes. Vielleicht sogar ein sehr großes. Das Billigauto der Renault-Tochter ist jetzt schon bekannter als viele Modelle, die mit großem Marketingaufwand populär gemacht werden. Auch bei den AUTO BILD-Testfahrten stieß er auf viel Interesse. Kein Tankstop, bei dem er nicht von neugierigen Fragestellern umrundet wurde: "Ist das der Preisbrecher aus Rumänien?"

Er ist es. 7500 bis 8500 Euro wird er kosten, wenn er im Juni 2005 offiziell beim Renault-Händler zu haben sein wird. Wer nicht warten will, kriegt den Dacia schon jetzt beim Grauimporteur. Grund genug für AUTO BILD, eines der ersten in Deutschland zugelassenen Exemplare ausführlich zu prüfen.

Der Testwagen mit 1,6-Vierzylinder stammt von "Eu-Ro-Car" und kostet 8400 Euro. Dafür gibt es 87 PS, lackierte Stoßfänger, Zentralverriegelung, von innen verstellbare Spiegel, Seitenzierleisten, Umluftschalter, Kassettenradio und sogar elektrische Fensterheber vorn.

Kosten und Ausstattungen

Das reicht, um von A nach B zu fahren, auch wenn A und B 1000 oder mehr Kilometer auseinanderliegen. Die fünf Gänge rasten sauber ein, und der Motor hängt gut am Gas. Dank der kargen Ausstattung wiegt der Logan leer nur 1075 Kilo (Golf V 1300 Kilo) und ist entsprechend agil.

Gespart wurde offenbar aber beim Dämmaterial. Dacia-Fahrer müssen sich ab 100 km/h mit einem sehr lauten Motor abfinden. Bei langsamer Fahrt dringen Knistergeräusche aus den Radkästen in den Innenraum. Sein großes Plus: Auf 4,25 Meter Länge bietet er Platz für fünf Personen, gewaltige 510 Liter Kofferraumvolumen und 465 Kilo Zuladung.

Äußerlich macht er einen ordentlichen Eindruck. Hier und da sind zwar Spaltmaßdifferenzen erkennbar; aber wen stört das wirklich? Herzförmiger Grill mit blauem Markenemblem, säulenförmige Rückleuchten und modischer Knick im Heck lassen Design-Einflüsse von Renault erkennen.

Technische Daten und Testwerte

Französisch auch das Fahrerlebnis. Die Sitze sind gut gepolstert. Lange Federwege machen den Logan zwar hochbeinig, ermöglichen jedoch passablen Fahrkomfort. Ob Kopfsteinpflaster oder Gullydeckel – Unebenheiten bringen ihn nicht aus der Ruhe und erreichen die Insassen gut gedämpft. Die Verbundlenker-Hinterachse stammt vom Nissan Micra, seine Bodenplatte vom Renault Modus, und vorn ist die Clio-Achse zu finden. Eine moderne Konstruktion also, die im normalen Fahrbetrieb keine Probleme bereitet.

Daß dieses Auto für schlechte Osteuropa-Straßen abgestimmt wurde, sorgt aber beim Elchtest für heikles Fahrverhalten bei höherem Tempo. Voll beladen zeigt der Logan starke Wankneigung und ist schwer kontrollierbar. Ein Problem, das vor allem auf die minderwertigen Barum-Reifen zurückzuführen ist.

Gleiches gilt für den extrem langen Bremsweg. Ohne ABS (kostet 680 Euro Aufpreis) kam der Logan erst nach mehr als 52 Metern im technischen Abseits zum Stehen. Die offizielle Deutschland-Version soll laut Renault mit serienmäßigem ABS sowie besseren Reifen ausgeliefert werden.

Leider keine Abhilfe in Sicht ist dagegen für die ungenaue Lenkung (Servo 290 Euro Aufpreis). Besonders in der Mittellage wirkt sie schwammig und verursacht einen schlechten Geradeauslauf, der zu ständigen Kurskorrekturen zwingt. Für Kostenbewußte sind diese Einschränkungen kein Problem, der Dacia Logan deshalb das Neuwagen-Thema 2005. Denn unterm Strich bleibt die zweideutige Erkenntnis: Er ist billig; aber ein Vergnügen ist der Logan nur bedingt.

Fazit und AUTO BILD-Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan Aldi, Lidl und Co machen es vor, Dacia nach. Discountpreise jetzt auch bei Neuwagen. Bei 7500 Euro fällt das Vorurteil leicht: Das kann nichts sein. Stimmt und stimmt nicht. Der Logan meistert den Test ausreichend. Offenbarungen blieben ebenso aus wie böse Überraschungen. Der Dacia erfüllt automobile Grundbedürfnisse. Daß er dabei auf emotionale Aspekte verzichtet, wird dem Mutterkonzern recht sein. Schließlich steht er bald neben Clio und Modus. Und mancher, der nur mobil sein will, wird mit dem Rumänen besser bedient als mit den Renault-Brüdern.

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