Test Dacia Logan Kombi

Test Dacia Logan Kombi Test Dacia Logan Kombi

Test Dacia Logan Kombi

— 07.11.2006

Ein Auto wie Dschingis Khan

Mit einem Grundpreis von 8400 Euro ist der Dacia Logan Kombi aus Rumänien sensationell günstig. Erster Fahrbericht.

Von Thomas Delekat Dieses Auto ist furchtbar. Es ist das größte Entsetzen, die schrecklichste Furcht – nicht für uns als Europäer. Aber für alle Koreaner oder Chinesen, die Deutschland, England, Frankreich, die ganz Europa mit demselben Gesichtsausdruck mustern, wie es Dschingis Khan mit den Grenzen der Mongolei getan hat. Der Dacia Logan Kombi, entwickelt in Frankreich von Renault, aber gebaut im rumänischen Pitesti, etwa 150 Kilometer von Bukarest, muss anerkannt werden als Untergangs-Menetekel. Der Schriftzug, in asiatischen Schriftzeichen, lautet: Seht doch, geht doch.

Langer Logan: mehr Laderaum als das T-Modell der Mercedes E-Klasse.

DIE WELT ist mit dem ersten nach Deutschland importierten Logan Kombi gefahren (zur Verfügung gestellt vom Berliner Grauimporteur Deuro-Car) – und wie der Zufall so spielt, geschah die Anfahrt zum Termin mit einem koreanischen Kia Picanto: Das ist ein 3,50 Meter langer Straßenfloh, angetrieben von einem 1,1 Liter Motörchen. Das Armaturengewölbe aus Hartplastik, die Sitze eine Zumutung mit Rohrgestell, der Innengeruch muffig. Dieser koreanische Billigheimer kostet in der preiswertesten Version 8900 Euro. Der Dacia Logan Kombi, in den wir dann umstiegen, kostet 8400 Euro (ab 19. Januar 2007 bei den offiziellen Renault-Dacia-Händlern). Es ist eine andere Autowelt – ein riesiger Kombi, der mit 4,45 Metern Länge sogar den Renault-Kombi Mégane Grandtour um fünf Zentimeter überragt und in der Höhe sogar den VW Touran.

Andere Welt: Gegen den Kombi wirkt der Stufenheck-Logan ärmlich.

Der Logan Kombi ist schlicht, in Technik wie Erscheinung. Aber in beidem bleibt er annehmbar, europäisch kultiviert. Er setzt sich drastisch ab vom skurrilen Bild, das die kurios und ärmlich designte Dacia-Stufenhecklimousine abgibt.

Mit diesem Kombi muss sich niemand mehr schämen. Was erste Blicke und was die Erfahrungen mit dem Viertürer (seit Juni 2005 in Deutschland) hergeben – der Kombi leistet sich eine Qualität, die uns viele asiatische Autos vorenthalten.

Großzügige Garantien gegen Rost

"Logan by Renault" – der Schriftzug auf der rechten Hecktür trifft den Kern der Sache. Überall das fertigungstechnische Knowhow von Renault, zu hören beim schepperfreien "Plopp", wenn die Türen zufallen, zu sehen und anzufühlen bei den zurückhaltend gemusterten Stoffen, Teppichen, Verkleidungen. Und überall der Schriftzug Renault, in prolliger Riesengröße auf den Motoren: 1,4 Liter mit 75 PS, 1,6 Liter mit 87 oder mit 105 PS, dazu der 1,5 dCi Turbodiesel mit 68 PS. Alles topmoderne Maschinen – bis auf den kleinen 1,4-Liter gibt es die auch im aktuellen Renault Clio.

Der Kombi hat hinten nur eine primitive Starrachse, das Lenkrad ist nicht verstellbar, verzinkte Karosserieteile zum Schutz gegen Rost sind auch zu viel verlangt, und hinten gibt's Trommelbremsen, wie sie heute nur noch bei Kleinwagen üblich sind. Aber immerhin – Dacia gibt großzügige Garantien für die Rostresistenz der Autos und für die Technik. Die ABS-Bremsen, die Schaltung, die Motoren – das alles ist ganz wie bei den Renault, die die gleichen Teile intus haben. Wir sind den Kombi unbeladen und ohne Beifahrer gefahren, da war das Fahrwerk völlig in Ordnung, angemessen straff gedämpft und gefedert. Gepoltert oder billig geklappert oder gar gedröhnt hat da nichts. Die lange Kiste geht gut ab mit der 1,6 Liter-Maschine. Aber das ist auch nichts Besonderes bei diesem Leichtgewicht von nur 1,2 Tonnen.

Volle Besetzung fordert die Zuladung heraus

Für 500 Euro Aufpreis liefert Dacia den Kombi als offiziellen Siebensitzer.

Das Beste am Logan Kombi sind aber die Sitze. Sie sind fest, rückenschmerzfrei bequem, und es sind allesamt Verwandlungskünstler. Ruckzuck, drei Wimpernschläge nur, und die Rückbank ist weggeklappt zugunsten einer mächtigen Ladefläche. Für 500 Euro plus liefert Dacia den Kombi als offiziellen Siebensitzer aus (mit Platz für acht). Auch in dieser dritten Reihe gibt es angemessene Kniefreiheit. Bei voller Besetzung allerdings darf niemand auch nur ein Taschentuch einstecken – 555 Kilo, dann ist Schluss. Ganz nach hinten in die dritte Reihe geht's wiederum in drei Wimpernschlägen. Ruckzuck, und in der zweiten Reihe ist der Einzelsitz neben der Tür vollständig verklappt und verschwunden, der Durchstieg nach ganz hinten ist frei. Zwei Handgriffe später ist die komplette dritte Reihe aus dem Auto verschwunden. Sind alle Fondsitze kurz und klein gemacht, lässt es sich im Logan Kombi gut übernachten – in einem Gemach von 2350 Litern Größe und nach hinten heraus zwei Flügeltüren.

Fazit

Der Logan ist schlicht, aber solide, keine Avantgarde, aber technisch auf der Höhe der Zeit. Für 8400 Euro gibt es ein durch und durch europäisches Auto (die Limousine wird allerdings auch in Indien, Marokko und Kolumbien gebaut), das keinen Luxus, aber alles Brauchbare und Nötige hat – den 1,4 Liter-Motor, ABS, Airbags, elektronische Wegfahrsperre, beheizbare Heckscheibe – nur keine Servolenkung. Ein gut ausgestatteter Kombi kostet nicht einmal 12.000 Euro – mit dritter Sitzreihe, fernbedienter Zentralverriegelung, CD-Radio, elektrischen Fensterhebern, Servo, Klimaanlage und noch ein paar anderen nützlichen Kleinigkeiten wie der 1,6-Liter-Maschine mit 87 PS. Knapp 12.000 Euro – auch dieser Preis ist konkurrenzlos fürchterlich, von Wolfsburg bis nach Seoul.

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