Daihatsu Terios gegen Fiat Sedici

Daihatsu Terios 1.5 gegen Fiat Sedici 1.6 16V Daihatsu Terios 1.5 gegen Fiat Sedici 1.6 16V

Test: Daihatsu Terios gegen Fiat Sedici

— 14.06.2006

Kleine SUV groß im Kommen

Es muß nicht immer Golf sein: Jetzt schwappt die SUV-Welle auch in die kompakte Klasse. Für jeweils 17.990 Euro machen Daihatsu Terios und Fiat Sedici den Alltag zum Abnteuerspielplatz.

Allrad zwischen klein und kompakt

Es geht aufwärts für die Automobilhersteller. Denn die Zukunft liegt oben. In der Klasse der sogenannten kleinen SUV – jener Sport Utility Vehicle mit ordentlich Abstand vom Blech zum Boden. Diesseits von BMW X3 und VW Touareg, ja noch unterhalb von Toyota RAV4, ist eine Klasse herangewachsen, die sich überzeugend bodenständig gibt.

Die jüngsten Vertreter heißen Fiat Sedici und Daihatsu Terios. Zwei kompakte Allradler zum Golf-Preis, die uns nicht die Schamesröte ins Gesicht treiben. Weil sie mit einstelligen Benzinverbräuchen auskommen, statt zu schlucken wie ein Lastkraftwagen, und auch keine Doppelgarage für sich allein fordern. Deshalb prognostizieren Marktforscher den Kleinen eine erfolgreiche Zukunft, Motto: "SUV sind nicht kleinzukriegen – außer in der Größe."

Dem Trend folgend, fassen sich die Hersteller kurz. Der Daihatsu Terios reiht sich mit 4,06 Meter Länge genau zwischen Klein- und Kompaktwagenklasse ein, bietet aber alles, was ein SUV auszeichnet: einen bequemen Einstieg, Blick bis zum Horizont und ein rustikales Blechkleid, das mehr nach Abenteuer aussieht als nach Alltag. Zusätzlich rüstet Daihatsu den Terios mit permanentem Allradantrieb aus, was ihn von modischen Offroad-Blendern wie dem CrossPolo unterscheidet.

Variabel und luftig

Auf Knopfdruck läßt sich beim Terios das Mittel-Differential sperren, um die Antriebskräfte im Verhältnis 50:50 auf beide Achsen zu verteilen. Eine ziemlich aufwendige Technik, die in der Stadt kein Mensch braucht. Eher schon die gute Übersicht, die der Terios beim Abbiegen und Einparken bietet. Im Innenraum herrscht große Freiheit, das harte Plastik der Mittelkonsole passiert gerade noch so die Geschmackskontrolle. Die Anzahl der Bedienknöpfe ist erfreulich klein, so daß auch eine Probefahrt beim Händler keine Fragen aufwerfen wird. Eher schon die knapp bemessenen und nicht sehr bequemen Sitze.

Im Fond freuen sich Passagiere über Sitzlehnen, die sich in der Neigung verstellen lassen. Variabilität, die sonst nur Vans zu bieten haben. Die Rückbank klappt im Verhältnis 60:40 hinter die Vordersitze, zwei Handgriffe pro Seite genügen. Anschließend sichert ein Riemen, der an den Kopfstützen einhakt, das Sitzpaket. Hätte man nicht eine cleverere Lösung finden können als diese Nabelschnur? Wahrscheinlich killte der Preis jede Kreativität. Denn mit 17.990 Euro sind Terios und Sedici eher im Preiskeller der Allradler zu Hause.

Nach Wegklappen der Rückbank entsteht im Terios eine große Leere. Familienfreundliche 1300 Liter Kofferraum schaffen Platz wie im 15 Zentimeter längeren VW Golf. Zum Beladen schwingt die Heckklappe zur Seite, leider zur falschen: nach rechts, denn in Japan herrscht Linksverkehr. Weshalb man den kleinen Japaner in Deutschland nicht vom sicheren Bürgersteig aus beladen kann, sondern nur im großen Bogen auf der Straße.

Werksangaben und Testwerte

Etwas Anlauf braucht auch der Motor. Die 105 PS verstecken sich zunächst irgendwo in den Tiefen des Kurbelgehäuses. Für einen Benziner läuft er extrem rauh, klingt fast wie der typische Daihatsu-Dreizylinder mit leisem Antriebsheulen im Hintergrund, Tonlage: Pfeif-Schlauch für Kinder. Nichts Bedrohliches, aber Ausdruck seiner Angestrengtheit. Auch seine Spitze von 160 km/h erreicht der Terios nur mühsam.

Die Lenkung arbeitet verbindlich, das Fahrwerk straff. Asphaltschäden nimmt der Japaner übereifrig zur Kenntnis, auf Kopfsteinpflaster fängt er steifbeinig an zu hoppeln. Durch Kurven fährt er dynamisch, neigt sich dabei aber spürbar zur Seite. Nichts für Menschen, die schnell seekrank werden. Sicherheitsbewußte beruhigt das serienmäßige Stabilitätsprogramm (ESP), das im Notfall frühzeitig und zuverlässig eingreift. Auf diesen Rettungsanker müssen Sedici-Kunden bei der Basisversion komplett verzichten. Wollen sie ESP, müssen sie mindestens 2010 Euro drauflegen: 1510 Euro für die Ausstattung "Emotion" und noch einmal 500 für ESP, das es nur zusammen mit zwei Kopf-Airbags gibt.

Beim Fiat treffen Van-Eigenschaften auf Geländewagen-Optik, neudeutsch heißt so was Crossover – ein schwammiger Begriff, der immer dann zur Anwendung kommt, wenn ein Hersteller sich nicht zu einer Autogattung bekennen mag. Vom Van stammt die gegabelte A-Säule im Wünschelruten-Format, die sich weit nach vorn streckt. Sie zaubert ein besseres Raumgefühl, behindert aber beim Abbiegen die Sicht zur Seite. Für den Geländewagen spricht der abrufbare Allradantrieb. Auf Knopfdruck schaltet sich die Hinterachse zu, der Fronttriebler verwandelt sich in einen 4x4, was auch der Name zum Ausdruck bringt. Sedici heißt aus dem Italienischen übersetzt: 16.

Kosten und Ausstattungen

Unter der Haube des Italieners arbeitet ein 1.6-Benziner (107 PS), der leiser läuft als das Daihatsu-Aggregat. Im Innenraum herrscht sachliche Schlichtheit mit gut verarbeitetem Kunststoff und bequemen Sitzen. Auch aus dem Fond kommen keine Klagen. Zwar geht es hinten einen Hauch enger zu als im Daihatsu, aufgrund der besseren Polster aber auch bequemer. Mit mehr Komfort und Gefühl für die Straße verwöhnt der Fiat auch beim Fahren. Die Federung arbeitet sensibler, Schaltung und Kupplung leichtgängiger.

Beim Einladen hört sie dann auf, die Gemütlichkeit. Anders als beim Terios müssen Getränkekisten erst über eine Schwelle gehoben werden, der Kofferraum ist mit 270 Litern (maximal 1045) eine Nummer kleiner. Die Sitze klappen nach dem gleichen System wie im Daihatsu. Erst fallen die Lehnen nach vorn, dann läßt sich die komplette Bank hinter die Vordersitze klemmen. Am Ende landet der Daihatsu Terios hauchdünn vor dem Fiat Sedici. Aber was heißt das schon, schließlich kennt die Zukunft für die ganze Klasse nur einen Weg: den nach oben.

Fazit und Wertung

Fazit von Testredakteurin Margret Hucko: Daihatsu Terios und Fiat Sedici stoppen den Größenwahn. Endlich zwei SUV, die sich bescheiden geben in jeder Hinsicht: beim Benzinverbrauch, in der Länge und auch beim Grundpreis. Der eher kernige Daihatsu Terios gewinnt knapp vor dem Fiat Sedici. Weil seine Transportkapazitäten überlegen sind. Der Fiat ist deshalb kein schlechtes Auto – nur anders. Komfortabler, leiser und insgesamt mehr Pkw. Auch er wird seinen Weg machen.

Wie fit sind beide im Gelände?



AUTO BILD-Allradexperte Martin Braun: Kleines Allradauto gleich wenig Geländetauglichkeit? Diese Gleichung macht es sich zu einfach. Wer trotz schmalen Geldbeutels auf wirksame Allradtechnik Wert legt, findet vor allem im Daihatsu Terios den geeigneten Partner. Sein vergleichsweise aufwendiger Allradantrieb mit manuell sperrbarem Zentraldifferential und die respektable Bodenfreiheit bringen den wendigen Japaner auch auf unbefestigten Wegen verblüffend gut voran. Dank des einigermaßen kurz übersetzten ersten Gangs darf auch eine ordentliche Steigung dabeisein.

Zuviel sollte man aber Daihatsu und Fiat da nicht zumuten. Denn beiden fehlt eine Geländeuntersetzung, weshalb Klettereien die Kupplung arg strapazieren. Der Fiat Sedici hat von allem etwas weniger als der Daihatsu: etwas weniger Bodenfreiheit, etwas weniger Steigfähigkeit und auch einen etwas weniger konsequent antretenden Allradantrieb. Er bevorzugt den Frontantrieb; die Hinterräder werden nur bei durchdrehenden Vorderrädern aktiviert – gelegentlich zu spät. Dagegen gibt es zwar einen Kippschalter, der den Heckantrieb zwangsaktiviert. Aber auch dann wühlt sich der Fiat weniger entschlossen durch als der Daihatsu.

Übrigens: Der Fiat Sedici hat einen japanischen Zwillingsbruder, den Suzuki SX4. Beide wurden gemeinsam entwickelt und werden im Suzuki-Werk in Ungarn gebaut. Während es den Fiat ausschließlich als Allradler gibt, verkauft Suzuki seinen SX4 auch als Fronttriebler. Der ist als gleichstarker Benziner 3000 Euro billiger (ab 14.990 Euro) und kann alles (fast) genausogut. Und Hand aufs Herz: Wer braucht wirklich Allrad?

Autor: Margret Hucko

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