Test Diesel gegen Hybrid

Test Diesel gegen Hybrid

— 15.05.2007

Wer macht die beste Politik?

Diesel oder Hybrid? In der Oberklasse streiten die deutschen Hightech-Diesel Audi A6 3.0 TDI, BMW 530d und Mercedes E 320 CDI mit dem japanischen Lexus GS 450h um das richtige Konzept.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Dieser legendre Satz von Altkanzler Helmut Kohl passt gar trefflich in diese Zeit der CO2-Hysterie. Whrend redselige Hinterbnkler sogar Benzin-Rasenmher verbieten wollen, geben Landespolitiker den Startschuss zu Braunkohle-Kraftwerken, die als extreme CO2-Schleudern bekannt sind. Gleichzeitig errechnen Experten, dass die Milliarden Stck Nutzvieh auf dieser Welt mehr Klimagifte in die Luft rlpsen, als unsere Autos je hinten rausblasen knnen. Also, was tun? Erst mal in den Schongang schalten! Wir Deutschen knnen die Welt nicht retten, sollten aber in jeder Klasse bewusst die Autos whlen, die unserem persnlichen Umweltgewissen entsprechen.

Die Deutsche Diesel-Lobby setzt auf Hightech-Selbstznder

Da nhert sich mit dem Glorienschein des Grnen der Lexus GS 450h mit seinem Sechszylinder-Benziner plus gekoppeltem Elektromotor. Dieser Hybridantrieb soll unschlagbar sparsam sein. Die deutsche Diesel-Lobby hlt dagegen mit verfeinerten Hightech-Selbstzndern, die den Lexus-Durst zum Teil sogar deutlich unterbieten. Sie heien in diesem Vergleich Audi A6 3.0 TDI quattro, BMW 530d und Mercedes E 320 CDI. Lexus-Benziner oder deutscher Diesel? Welcher gefllt den Whlern am besten? Bei aller Umwelt-Spiegelfechterei gilt immer noch die Abwandlung der Altkanzler-Theorie: Wo vorn wenig hineingeht, da kommt hinten natrlich auch weniger heraus. Also erweitern wir unser Test-Programm um die zwei Bewertungs-Punkte "Schadstoffe" und "Minimalverbrauch". Dazu fuhren wir das Quartett mit betont sanftem Gasfu ber unsere Messstrecke, hielten uns auf der Autobahn przise an Richttempo 130 km/h.

Der Platz fr den fnften Passagier ist meist sehr ungemtlich

Die Kandidaten: 530d, A6 3.0 TDI quattro, E 320 CDI, GS 450h.

Die Kandidaten: Lexus GS 450h. Fr 59.090 Euro bietet er Hybrid vom Feinsten. Sein Hauptkonkurrent ist natrlich der krzlich auf noch mehr Geizdurst getrimmte BMW 530d zu Preisen ab 45.500 Euro. Auch der Audi A6 3.0 TDI quattro (ab 44.500 Euro) und der Mercedes E 320 CDI (ab 48.731 Euro) sind keine schlechte Wahl. Diese noble Vierer-Fraktion streckt sich zwischen 4,83 (Lexus) und 4,92 (Audi) Meter Lnge. Logischerweise bietet der Ingolstdter vorn Plenarsaal-Platz, die Hinterbnkler kommen bei ihm dafr am schlechtesten weg. Doch richtig beschweren wird sich (wie in fast allen Wagenklassen) der fnfte Passagier, sein Platz ist meist sehr ungemtlich. Beispiel BMW: Der dritte Mann hockt hinten wie auf einem Brett, seine Beisitzer hingegen freuen sich ber wunderbar ausgeformte Schalen. Doch die Musik spielt vorn.

Bei den Armaturen schwankt diese Test-Koalition immer noch zwischen Flugzeug-Flle oder Kargheit. Der Kompromiss ist dann der programmbeladene Zentralschalter namens iDrive oder MMI. Er verringert zwar die Anzahl sichtbarer Knpfe, verbirgt sie dafr aber in zahllosen Untermens. Echt pfiffig, nein, eigentlich dreist, ist die Lexus-Lust, die Knpfe zu verstecken. Wer auf der Suche nach dem Tankklappenffner oder der Scheinwerfer-Waschanlage ist, der stt irgendwann mal links vom Lenkrad gegen die Taste "Push". Dann klappt ein Kstchen heraus, in dem sich weitere Bedienfunktionen finden lassen. Ans Hereinklappen wird der Fahrer erinnert, wenn sein Knie beim Aussteigen dagegenstt.

Der Lexus berzeugt bei Ausstattung und Sicherheit

Vorteil Lexus: Bei Ausstattung und Sicherheit liegt der GS 450h vorn.

Weil der Lexus aber die beste Grundausstattung hat, gewinnt er trotzdem den Punkt Ausstattung/Bedienbarkeit. brigens auch das Thema Sicherheit, immerhin besitzt er mehr Airbags und leuchtet serienmig mit Xenonlicht. Okay, bei dem Mehrpreis ist das auch zu erwarten. Der Schreck fhrt Fahrgsten in die Glieder, sollte der Politzirkel mal auf Reisen gehen wollen. Dann passen in den Kofferraum des Lexus 280 Liter, die anderen schaffen allesamt ber 500. Grund: Die Nickel-Metallhydrid- Batterie braucht ihren Platz, hebt das Leergewicht auf 1940 Kilogramm. Der A6 ist wegen des quattro-Antriebs aber auch nur 20 Kilo leichter, der BMW mit seinen 1,7 Tonnen das Fliegengewicht im Quartett. Ja, wo bleibt denn die E-Klasse, bekommt sie keine Stimmen? Nur Raumgefhl/ Rundumsicht sieht sie im Rampenlicht, alle anderen Punkte arbeitet sie locker ab. Nur nicht auffallen, aber effektiv handeln das reicht fr den Kapitelgewinn.

Die Grne Renate Knast redet bekanntermaen oft schneller, als sie denkt. Hybrid-Autos sollten wir Deutsche kaufen, empfahl sie in einem Interview. Politisch wre das in ihren Augen korrekt, aber ist es auch sinnvoll? Die deutsche Diesellobby hat mchtige Verbndete: ihre Ingenieure. Der Begriff Heizl-Ferrari, einst schwarzer Humor der auf die rechte Spur Verdammten, trifft heute den Punkt.

Sparfahrt-Sieger: BMW-Diesel

Dass man manche Diesel bei Tempo 250 abregeln muss, das htten sie in ihren khnsten Trumen nicht erwartet. Noch besser aber: Der Geizverbrauch ist geblieben. Das kam bei unserer Sparfahrt heraus: Mit genauer Beachtung aller Vorschriften und Richttempi gewinnt der BMW-Diesel, brigens einer der letzten Sechszylinder-Reihenmotoren weltweit. 5,3 Liter verbrannte er. Der Lexus kam auf exakt sechs Liter Super, Audi brauchte 6,2, Mercedes 6,5 Liter Diesel. Dann durften unsere Testfahrer die Verbrauchsstrecke wie sonst blich befahren, also auch mal Vollgas geben, wo die Autobahn es erlaubt. Der BMW 530d bleibt wieder vorn: 7,7 Liter flossen durch seine Common-Rail-Dsen, der Mercedes E 320 CDI brauchte 0,2 Liter mehr, der schwere Audi A6 3.0 TDI quattro kam auf 9,3 Liter Diesel. Und der Lexus GS 450h? Er wollte mit 9,2 Liter Super gefttert werden. Aber mal ehrlich: Fr einen Hybrid-Benziner mit temperamentvollen 340 PS ist das ebenfalls sensationell.

Amateur-Schumis freuen sich ber deutsche Fahrwerke

Sportwagen-Feeling im Hybrid: In nur 6,5 Sekunden ist er auf Tempo 100.

Wer einen dieser Wagen fhrt, der kann sein Umfeld gelassen betrachten, was sich garantiert auf den Fahrstil auswirkt. Aber wer doch mal den Schumi in sich sprt, der freut sich ber die aktiveren Fahrwerke und direkteren Lenkungen der drei Deutschen, die insgesamt handlicher wirken. Freut sich aber auch ber die Sportwagen-Fahrleistungen des Hybriden in nur 6,5 Sekunden ist er auf Tempo 100, damit hngt Lexus seine drei Konkurrenten locker ab. Wirklich schlecht ist natrlich keiner der vier Kandidaten. Innen bieten sie Pullman-Komfort, die Automaten schalten sanft, die Sechszylinder flstern. Top natrlich der Lexus, der mit seinem Elektromotor bei voller Batterie bis Tempo 50 etwa zwei Kilometer Schleichfahrt schaffen kann nur die Reifen knirschen leise. Wenn die Batterie leer ist oder der Fahrer das Gaspedal nicht mehr streichelt, dann springt der V6-Motor kaum sprbar an. Erkennbar nur daran, dass sich die eigentlich unntze Kilowatt-Anzeige, die statt eines Drehzahlmessers installiert ist, pltzlich strker bewegt. Nur beim Bremsweg besteht Krzungsbedarf, der Wert scheint bei Lexus zu streuen. Vor einem Jahr stand er kalt nach 37,7 Metern. Dieser Testwagen braucht 2,50 Meter mehr, das ist eine halbe Wagenlnge.

Jhrlich erzwungener Werkstatt-Aufenthalt kostet den Hybrid Punkte

Ob die Kundschaft dieser (Leasing-)Klasse wirklich auf den Euro schaut? Wer reichlich davon auf dem Konto hat, der kann dieses Kapitel getrost fr sich streichen. Wir aber mssen uns die Unterschiede ansehen und staunen. Da kostet der Benziner im Lexus die wenigsten Steuern, dafr ist seine Vollkasko-Einstufung (Klasse 29) richtig teuer.

Die CO2-Wertung gewinnt der BMW, der Hybrid hat das Nachsehen.

Der Audi A6 hingegen scheint Liebling der Assekuranzen zu sein. Spannender jedoch die beiden fr diesen Vergleich eingefhrten Minimalverbrauch- und Schadstoff-Noten. Die Tankstellen-Abstimmung gewinnt der BMW-Diesel fr den niedrigsten Verbrauch bei Spar- (5,3 Liter) und Normalfahrt (7,7 Liter). Dank 80-Liter-Tanks hat der Mercedes die grte Reichweite, er schafft mit einer Fllung 1010 Kilometer. Die Schadstoff-Wertung geht natrlich an den Wagen mit den zwei Herzen: Der Hybridantrieb bringt dem Lexus fast volle Punktzahl, nur beim CO2-Aussto muss sich der mit dem Elektromotor gekoppelte Benziner tatschlich wieder vom BMW geschlagen geben. Was den von Frau Knast so hoch gelobten Hybriden aber am Ende richtig Punkte kostet, das ist der jhrlich einmal erzwungene Werkstatt-Aufenthalt alle 15.000 Kilometer. Die Konkurrenz wird nur noch alle zwei Jahre (oder nach Intervallanzeige) zur Wartung auf die Bhne gebeten.

Zeitabhngig natrlich auch der Wertverlust. BMW und Mercedes sind gebraucht recht wertstabil: Audi verliert einen Punkt, der Lexus zwei. Heftiger zehrt sein selbstbewusster Grundpreis an den Punkten. Fast 60.000 Euro kostet der GS 450h. In dieser Grenklasse viel Geld. Fr das ausgeklgelte Hightech-Hybrid-Angebot mit Vollausstattung aber durchaus angemessen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz findet: "So hat der Hybrid keine Chance."

Das Ergebnis ist eindeutig: So hat der Hybrid keine Chance gegen die modernen Diesel. Hohes Gewicht, hoher Preis, winziger Kofferraum. In puncto Verbrauch kann er mit Audi und Mercedes mithalten, vor dem BMW muss er jedoch kapitulieren. Sagenhaft die Werte des 530d, der den GS 450h um 0,7 bzw. 1,5 Liter unterbietet. Immerhin kann er bei den Schadstoffen Punkte gutmachen. Aber das reicht nicht fr gute grne Politik.

Autor: Diether Rodatz

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