Test Dodge Challenger SRT8

Fahrbericht Dodge Challenger SRT8 Fahrbericht Dodge Challenger SRT8

Test Dodge Challenger SRT8

— 02.05.2008

Die Dampfmaschine

Die Retro-Version des Dodge Challenger hat alles, was die Muscle Cars der 60er so populär machte: Stil, einen fetten V8 und Kraft im Überfluss. AUTO BILD trat in Kalifornien mal richtig aufs Gas.

Hitze, Wüste, ein paar Kakteen – in der kalifornischen Kleinstadt ist nichts los. Die Jungs da vorn an der Ampel wollen Action. Sie wollen Gummi. Kraft, die man sehen kann. Also bitte. Ich drücke "ESP Off". Linker Fuß auf der Bremse, der rechte bringt den V8 auf 4800 Touren. Der Challenger scharrt mächtig mit den Hinterrädern, presst weißen Rauch aus den Radhäusern. Und steht. "Burn-out", Kids staunen, Passanten lächeln. Ich lasse die Bremse los, der Challenger schwänzelt mit radierenden Hinterreifen über die Kreuzung. Da spielt ein Mercedes die 60er nach, als die Tankuhren noch anders gingen – die Antriebstechnik für das neue Muscle Car stammt aus der alten E-Klasse.

431 PS für 23.900 Euro

2006 hatte Dodge die gefeierte Studie vorgestellt, jetzt fährt das Serienmodell vor. Ein Herzschrittmacher für den amerikanischen Nationalstolz, so wie der Ford Mustang und der in wenigen Monaten zu erwartende Chevrolet Camaro. Rollende Remakes vom Ideal des preiswerten, technisch unkomplizierten, aber bärenstarken Automobils. Den Dodge Challenger bietet Chrysler in den USA für umgerechnet 23.900 Euro über seine SRT-Tuningabteilung zunächst nur mit dem gewaltigen 6,1-Liter-V8-Hammerwerk an – mit halbkugelförmigen (hemisphärischen) Brennräumen für hohe Leistung bei geringer Verdichtung. Der neue V8-HEMI leistet 431 PS, ist mit einer Fünfstufenautomatik von Mercedes gekoppelt und schiebt die 1878 Kilogramm schwere Fuhre mit bis zu 569 Newtonmeter an. Zusammen mit der Karosserie und dem eigens gestalteten Interieur wuchert der HEMI-Motor im amerikanischen Selbstverständnis wie seinerzeit die erfolgreiche Mondlandung.

Jürgen Zöllter am Steuer des SRT8: "Stark, faszinierend, eine große Show!"

Man sitzt in mächtig aufgepolstertem, gut konturiertem Ledermobiliar, hält das riesige Vierspeichenlenkrad aus dem Chrysler 300C in den Händen, streicht über Plastikverkleidungen, die Aluminium sowie Kohlefaser imitieren, und blickt durch schmale Fenster in allerorts bewundernde Gesichter. Nominell als Fünfsitzer ausgelegt, können im Fond selbst bei viel Wohlwollen allerdings höchstens zwei Jugendliche menschenwürdigen Platz finden. Dass der Kofferraum über eine hohe Kante beladen wird, dass der ganze Challenger so unübersichtlich ist wie damals – so what? Seine schiere Kraft in attraktiver Verpackung, das ist es, was die Herzen höher schlagen lässt.

Das Triebwerk grummelt und brodelt im Leerlauf, der Fünfstufenautomat schaltet schnell und präzise. Doch als der dritte Gang einrückt, scheint ihm die Puste auszugehen. Der Drehzahlsprung (rund 1500 Touren) ist zu groß, um das Temperament zu halten. Auch per Hand geschaltet findet man auf kurviger Bergstraße selten die geeignete Drehzahl: 2500 Touren bieten zu wenig Drehmoment, über 4000 hängt der Motor zu nervös am Gas. Dass auch die vierte Stufe zu lang übersetzt ist, verkraftet man leichter, wenn man sie als Appetitzügler begreift. Dennoch wünschte ich ein enger abgestuftes Sechsstufengetriebe herbei, damit der Challenger SRT8 so sportlich zu bewegen ist, wie er auftritt.

Lieber cruisen statt rasen

Design und Name wie früher: Der Challenger ist retro bis in die Ölwanne.

Auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk stützt den Eindruck, es eher mit einer schnellen "Cruising- Maschine" als einem Sportwagen zu tun zu haben. Der Challenger neigt sich in schnellen Kurven merklich, bleibt aber durch die ausreichend direkte Lenkung präzise in der Spur. Mit optionalen Goodyear-F1-Reifen bestückt, ist der Kontakt zur Straße bei Autobahntempo angenehm, das harte Abrollgeräusch jedoch recht laut. Die zupackenden Bremsen verlangen hohen Pedaldruck und längere Eingewöhnungszeit. In weniger als 17 Sekunden soll der Challenger auf 160 km/h sprinten und mit Vollbremsung wieder stehen. Was in den USA so selten zu genießen ist wie die Höchstgeschwindigkeit: 274 km/h.

Das Coupé im Retro-Look der 60er-Jahre erinnert Amerikaner an Zeiten, die viele als reich verklären. Der neue Dodge Challenger entsteht in Brampton/Ontario, wo bisher der 300C Kombi Dodge Magnum entstand. Da jährlich nur 6500 Stück gebaut werden, ist der Challenger für über zwei Jahre ausverkauft. Doch der schwache Dollar kann Europas Käufer bestärken, den Dodge drüben einzukaufen – um bei uns mal Muskeln zu zeigen.

Hallo Heimat: Zu Kalifornien passt der Challenger natürlich wie die Faust aufs Auge.

Fazit
Der Challenger ist retro bis in die Ölwanne: stark, faszinierend, eine große Show. Nie fuhr eine E-Klasse so ur-amerikanisch vor. Doch der Look und der Auftritt sind ebenso von gestern wie die Technik und der Durst. So könnte das Muskel-Mobil das gleiche Schicksal erleiden wie damals: Die Benzinpreise machten ihm den Garaus.

Technische Daten

V8-Zylinder, vorn längs • Stößelstangen, oben liegende Ventile • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 6059 cm³ • Leistung 317 kW (431 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 569 Nm bei 4800/min • Hinterradantrieb • Fünfstufenautomatik • doppelte Dreieckquerlenker vorne, Raumlenkerachse hinten, Stabi • innenbelüftete Scheibenbremsen vorne/hinten • Reifen 245/45 R 20 vorne, 255/45 R20 hinten • L/B/H 5023/1923/1448 mm • Radstand 2946 mm • Leergewicht 1878 kg • Kofferraum 459 l • Tank 72 l • Beschleunigung 0-100 km/h in ca. 5,5 s • Spitze 274 km/h • Verbrauch ca. 14 l Normal

Kurze, schnelle Karriere

Challenger T/A von 1970: Die Ära der "Pony Cars" klang zu diesem Zeitpunkt schon wieder aus.

Als Dodge im Sommer 1969 den ersten Challenger herausbrachte, klang die Ära der sogenannten Pony Cars (unter anderem Ford Mustang, Chevy Camaro) schon wieder aus. Nur fünf Jahre lief das Coupé mit dem Hüftschwung, ein Cabrio wurde nur 1970/71 angeboten. Sportliches Topmodell war der T/A, ein Homologationsmodell für die Trans-Am-Serie, mit 5,6-Liter-V8. Legendär die Hauptrolle des Challenger 426 HEMI im Film "Fluchtpunkt San Francisco" mit Barry Newman. Aufgrund schärferer Abgasgesetze strich Dodge 1972 alle sportlichen Versionen. Nach 188.611 Challenger war 1974 Schluss.

Mercedes-Technik fürs Muscle Car

Die Bodengruppe des neuen Challenger samt Automatik und Hinterradantrieb stammt von Mercedes. Als Daimler und Chrysler 1998 ihre Firmen-Ehe vollzogen, brachte Stuttgart die Technik des E-Klasse-Vorgängers W210 ein. Sie heißt bei Chrysler LX-Plattform und wird seit 2004 in die Limousinen Chrysler 300C und Dodge Charger sowie den Kombi Dodge Magnum eingebaut. Trotz der Firmenscheidung liefert Mercedes weiter.

Autor: Jürgen Zöllter

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