Test Dodge Challenger SRT8

Dodge Challenger SRT8 Dodge Challenger SRT8

Test Dodge Challenger SRT8

— 31.07.2008

Ein unmoralisches Angebot

Er ist ein Tier. Er ist stark. Und er säuft. Der Dodge Challenger. Muscle Car mit 431 PS. Voll retro und in den USA begehrter als Madonna und Paris zusammen. Ein Dodge Challenger kam durch zu uns. Here we go.

Ganz vorn zu sein erfordert höchsten Einsatz. In der Raumfahrt, in der Formel 1, beim Konzertbesuch, überall. Oliver Marquardt wusste das von vornherein. Aber es hat sich gelohnt, sagt er. Er, der das Rennen gewonnen hat. Das Rennen um den ersten neuen Dodge Challenger in Deutschland. Wir sind sofort zur Stelle, besuchen den Händler in Meerbusch bei Düsseldorf. Live wirkt die moderne Interpretation der Muscle-Car-Legende deutlich massiger als auf Fotos. Kein Wunder, das Teil wuchtet fast zwei Tonnen auf die Waage. Die Verarbeitung: nicht Mercedes-like – logisch. Aber das Fahrwerk. Es stammt, wie bei großen Chrysler-Modellen noch immer üblich, von der E-Klasse W 210 (bis 2002).

US-Preis: 43.585 Dollar. Bei uns : 59.900 Euro

In dem V8 wohnt nach alter US-Sitte eine zentrale Nockenwelle.

Der 6,1-Liter erwacht auf Knopfdruck, brabbelt hohl vor sich hin. Wählhebel auf D, Gas. Wie von der Faust des Allmächtigen getrieben, schießt der Trumm los. Bei hohen Drehzahlen schreit der V8 ein metallisch-hartes Hämmern heraus. Zu leichtgängig, aber direkt und präzise arbeitet die Lenkung. Die 16 Kolben in den Bremssätteln beißen brutal zu. Ein Fahrerlebnis, das unsere Erwartungen übertrifft. Wie auch die Grenze des politisch korrekten Zeitgeschmacks: 5,1 Sekunden und bis zu 25 Liter auf 100 km – dürfen wir das noch? Durchaus. Aber mit der Zeit werden die Entschuldigungen knapp.

Der Dodge Challenger ist in den USA heiß begehrt

Seit der Challenger (zu deutsch: Herausforderer) 2006 als Showcar debütierte, ist die Fangemeinde angezündet. Jeder will das neue Kultmobil – und jeder will es als Erster. Erheblich verspätet lief das Fließband an. Im Modelljahr 2008 spuckt es nur eine homöopathische Dosis aus: 6400 Challenger, alle in der Topversion SRT8 mit 431 PS (US-Norm: 425 horsepower), fast alle mit Vollausstattung (Navi-/Multimedia- Paket, High-Performance-Reifen, Schiebedach). Exklusiv für den Heimatmarkt.

Drei Tage nach Start ausverkauft

Nicht einmal drei Tage nach dem Vertriebsstart war die Serie ausverkauft, dann explodierte der Spekulationsmarkt. Derzeit verlangen US-Vertragshändler um die 20.000 Dollar über Liste – völlig legal. Wir reden immerhin vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber auch von einer Ära, in der klassische Säufer wie Pick-up-Trucks mit minus 40 Prozent verramscht werden. Diese Tatsache macht den irren Run auf das Muscle Car vielleicht am besten klar. In Deutschland sieht das ähnlich aus. Gut 50 Grauimporteure bieten den Challenger schon an. Doch solange die Frachter unterwegs sind, kann ihn noch keiner zeigen. Warum www.faircars.com, Marquardts Firma, bereits einen hat? Lufthansa Cargo heißt das Stichwort. Was die Luftfracht kostete, verrät er nicht. Wir wissen jedoch: 10.000 Euro sind Satz. Noch ein unmoralisches Angebot. Aber akzeptabel – wenn man Erster sein will.

Das kostet der Eigenimport wirklich

Noch ein teurer Traum: Dodge Challenger in Deutschland

"Für 13.850 Euro wird der Traum vom Challenger wahr": So was kursiert aktuell im Internet. V6-Grundpreis: 21.995 Dollar. Devisenkurs: 1,59. Stimmt, die Rechnung – irre. Und doch verkalkulieren sich die Milchmädchen gewaltig. Die nüchternen Tatsachen: Derzeit wird nur das Spitzenmodell SRT8 in Maximalausstattung gebaut – für 43.585 Dollar. Und: US-Händler berechnen aufgrund der horrenden Nachfrage bis zu 65.000 Dollar. Verkaufen sie an Exporteure, drohen Strafen. Der Dodge muss also via Strohmann – und mit Umsatzsteuer – gekauft werden, dann folgt die US-Zulassung mit Kfz-Steuer und "Gas Guzzler Tax" (Spritsäufersteuer, 2100 Dollar). Macht gut 70.000 Dollar – 44.000 Euro. Dazu kommen Seefracht (rund 1500 Euro), Frachtversicherung, Endlade- und Verzollungskosten, schließlich zehn Prozent Zoll und 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Macht nach unserer Überschlagsrechnung etwa 58.300 Euro – ohne Umbaukosten für den TÜV. Erst wenn die US-Händler 2009 den Basis-V6 frei verkaufen dürfen, stimmt die Rechnung: Eigenimporteure zahlen dann unterm Strich gut 23.000 Euro, bis der Dodge hier ist. Doch viel mehr dürfte ein Grauimporteur auch nicht verlangen.

Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube

Wolfgang Blaube, AUTO BILD-Autor

So reizvoll Dollarkurs und der US-Listenpreis auch sind: Der Challenger ist nur theoretisch ein Schnäppchen – noch. Erst wenn der 3.5-V6 (Challenger SE; 253 PS) und der 5.7-V8 (R/T; 375 PS) zu haben sind und sich der Markt abgekühlt hat, wird er interessant. Die Garantiefrage bleibt jedoch offen. Denn offiziell bringt Chrysler die coole Kiste nicht nach Europa – man scheut die hohen Kosten der Typprüfung. Schade. 

Technische Daten Dodge Challenger SRT8 • V8, vorn längs • zentrale Nockenwelle • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 6059 ccm • Leistung 317 kW (431 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 569 Nm bei 4800/ min • Hinterradantrieb • Fünfstufenautomatik • Doppelquerlenker vorn, Raumlenkerachse hinten, Schraubenfedern rundum, Querstabilisatoren • innenbelüftete Scheibenbremsen rundum • Reifen 245/45 ZR 20 rundum • L/B/H 5023/1918/1448 mm • Radstand 2946 mm • Leergewicht 1900 kg • Kofferraumvolumen 453 l • Tankinhalt 72 l • Beschleunigung 0–100 km/h in ca. 5,1 s • Höchstgeschwindigkeit ca. 275 km/h • Verbrauch ca. 15,7 l Normal/100 km • Preis bei Importeur faircars.com: 59.900 Euro • Telefon: (0 21 59) 92 82 90

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V8

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