Test Dodge Nitro 2.8 CRD SXT 4WD

Test Dodge Nitro 2.8 CRD SXT 4WD

— 26.04.2007

Dieser Dodge sprengt alle Klassen

Nach Viper und Caliber kommt mit dem Nitro jetzt das dritte Modell von Dodge. Das mittelgroe SUV hat einen gewaltigen Auftritt, hnlich explosiv wie sein Name. Ein Typ mit Ecken und Kanten, doch was steckt hinter der rauen Fassade?

Schon der Name beschleunigt den Puls: Nitro. Nitro wie Sprengstoff, wie die hochexplosive Fracht, die sie in "Lohn der Angst" durch den Urwald karren, diesem unvergessenen Trucker-Drama aus den Fnfzigern. Jetzt haben sie den Namen bei Dodge entdeckt und ihrem neuesten SUV an die kantige Karosserie geheftet. Es knnte kaum besser passen; denn der Nitro hat einen mchtigen Auftritt, scheint direkt aus den Prrien des mittleren Westens Amerikas zu uns geritten zu sein. Die Amis sprechen dann auch tatschlich von einem Fadenkreuz-Khlergrill so direkt htten wir das nie ausgesprochen. Dahinter baut sich eine kantige Karosserie auf, mit kurzen berhngen und kleinen Fenstern. Rund drfen nur die muskuls betonten Radksten sein. Dazu noch das durchdringende Orange des Testwagens und die verchromten 20-Zller, fertig ist ein absoluter Hingucker. Der Nitro ist ein Auto von der Sorte, dem zarte Mdchen sehnschtig hinterherschauen, bei dem entgegenkommende Nissan Almera-Diesel-Fahrer frhlich den Daumen hochrecken und zu dem der Werber im schwarzen 911er an der Ampel entgeistert hochstarrt.

Dodge deklariert den Nitro als mittelgroen SUV das kommt hin, wie die erste Begegnung zeigt. Mit 4,58 Meter Lnge ist er etwa so lang wie ein BMW X3 oder ein Honda CR-V. Ein VW Touareg zum Beispiel ist deutlich lnger. Doch seine Technik passt gar nicht in diese Klasse: Lngs eingebaute Motoren gehren zu den Raritten, und noch seltener sind hintere Starrachsen. Das wiederum klingt nach echtem Gelndewagen, doch hier hlt der Nitro nicht mit: Er bietet optional nur einen zuschaltbaren Vierradantrieb der einfachen Sorte, eine Untersetzung gibt es nicht. Dazu rumort ein grobschlchtiger Diesel unter der Haube, dem wir sein Common-Rail-Arbeitsprinzip nur unter Vorbehalt glauben. Warum Dodge nicht einen der laufruhigen Diesel aus dem Daimler-Chrysler-Regal verbauen darf, wissen die Gtter. Oder die Erbsenzhler.

Der riesige "Fadenkreuz-Grill" ist typisch für den Dodge.

Dieser 2,8-Liter-Vierzylinder stammt jedenfalls von Zulieferer VM in Italien und er luft mit einer Lautstrke, die auch die letzten Steppenrinder im Umkreis von 20 Meilen aus dem Schlaf schreckt. Macht nichts, sie knnen flchten. Die zur Weiterfahrt entschlossenen Nitro-Insassen nicht. Sie werden von krftigen Vibrationen wach gehalten und schon ab dem mittleren Drehzahlbereich restlos zugedrhnt. Der Lohn dafr ist bescheiden, denn bertriebenes Temperament entwickelt die 177-PS-Maschine im Zweitonner nicht. Auch wenn sich die technischen Angaben von Dodge ziemlich gut lesen: null bis 100 km/h in 11,5 Sekunden, Spitze 180 km/h. Wir raten dringend zum Sechsgang-Handschalter, dessen Fahrstufen sich leidlich exakt einwerfen lassen. Die Fnfstufen-Automatik (1200 Euro Aufpreis) raubt dem Motor sein letztes sprliches Temperament. Aber all das strt eigentlich berhaupt nicht, wenn man den Charakter des Nitro nur richtig versteht. Soll der Motor doch ab Tempo 150 wie ein hungriger Grizzly brummen macht nichts, fahren wir eben mal gemtlicher.

Mit der ungenauen Lenkung und dem schaukeligen, hoffnungslos unterdmpften Fahrwerk ist es kein Vergngen, den Nitro mit Schwung um die Kurven zu wuchten. Aber dafr ist er auch nicht gemacht. Stattdessen fhlst du dich wie ein Trucker auf dem Highway. Kein schlechtes Gefhl. Denn egal, was Dodge sagt: Der Nitro fhlt sich eben nicht wie ein Allerwelts-SUV an. Keine Spur auch von Crossover oder anderen Moderichtungen: Er hat Charakter, ist ein sympathisches Auto von echtem Schrot und Korn. Der Innenraum ist hemdsrmelig eingerichtet. Beim Platznehmen scheint er zu passen wie eines dieser karierten, immer etwas zu groen Flanellhemden, die wir alle noch fr die Gartenarbeit im Schrank haben. Es gibt jede Menge Platz und eine angenehm aufrechte Sitzposition. Die geteilte Rckbank lsst sich mit einem Griff umlegen, mit der besseren SXT-Ausstattung gehrt unter anderem ein ausziehbarer Ladeboden zur Serienausstattung.

Tankverschluss mit Schlüssel – das muss doch wirklich nicht sein.

Trotz oder wegen seiner rustikalen Seiten macht der Nitro richtig Freude. Und er wird beim Blick in die Preisliste noch ein Stck sympathischer: Der Spa beginnt bei 26.890 Euro fr den 2.8 CRD SE mit Hinterradantrieb (unter anderem mit Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern, elektrisch einstellbaren Auenspiegeln, CD-Radio, Reifendruck-Kontrolle). Der Allradantrieb kostet 1500 Euro Aufpreis. Der Test-2.8-CRD-SXT mit Einparkhilfe, Bordcomputer, CD-Wechsler und Tempomat steht dann mit 31.790 Euro in der Liste. Und wie bei allen Dodge im Preis inbegriffen ist auch beim bulligen Nitro das Fnf- Sterne-Premium-Paket, bei dem vier Jahre lang alle Inspektionen, Verschleiteile und Reparaturen kostenlos sind. Auch damit sprengt der Nitro ein paar Gewohnheiten seiner Klasse.

Dodge eine Marke mit groer Tradition


Die Brder Horace und John Dodge bauten Teile fr das legendre Ford Model T und 1914 ihr erstes eigenes Auto. Dodge expandierte, geriet aber spter in Schwierigkeiten und wurde 1928 von Chrysler bernommen. Zu den Meilensteinen zhlte 1953 der Red-Ram-V8, eine Variante des Chrysler Hemi. In den 60ern wurden Charger und Challenger mit bis zu 425 PS zu Musclecar-Helden. In den 70ern baute Chrysler Familienkutschen, wechselte in den 80ern zu kleineren Motoren und Frontantrieb. In den 90ern kamen Pick-ups und Light Trucks. Seit 1998 gehrt Dodge zu DaimlerChrysler, ist in den USA die Nummer fnf und verkaufte 2006 weltweit 1,3 Millionen Autos.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke


Klar, der Nitro ist ein Typ fr Fans. Aber was fr einer: mit aufflligem Design und umwerfendem Charme. Mit betagter Technik zwar, aber praktischen Anlagen und fairen Preisen. Also, her damit, langweilige Autos gibt es wirklich schon genug.

Technische Daten Dodge Nitro 2.8 CRD SXT 4WD Vierzylinder-Diesel Turbolader vier Ventile pro Zylinder Hubraum 2768 cm Leistung 130 kW (177 PS) bei 3800/min max. Drehmoment 460 Nm bei 2000/min Hinterradantrieb Vorderradantrieb zuschaltbar Sechsganggetriebe Reifen 235/65 R 17 R.der 7 x 17 L/B/H 4584/1856/1773 mm Radstand 2763 mm Leergewicht 1855 kg Kofferraum 3691994 Liter (max.) Tank 70 Liter Zuladung 665 kg Beschleunigung 0100 km/h in 11,5 s Hchstgeschwindigkeit 180 km/h Verbrauch (EU-Mix) 8,6 l Diesel/100km Preis 31.700 Euro.

Autor: Dirk Branke

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