Test E-Klasse, Superb, S80, C6

Vier Mittelklasse-Diesel im Vergleich Vier Mittelklasse-Diesel im Vergleich

Test E-Klasse, Superb, S80, C6

— 09.10.2006

Sternstunde für Außenseiter

Mercedes E-Klasse? Parkt doch an jedem Taxistand. Citroën, Skoda und Volvo sind individueller. Aber auch besser als der Erfinder des Automobils?

Preise und Werksangaben

Gehobene Diesel-Mittelklasse – einmal ganz anders gemixt. Den Maßstab stellt Mercedes mit seiner bewährten E-Klasse, unter der Haube den Dreiliter-V6, der sich etwas tiefstapelnd 280 CDI nennt. Das Status-Symbol "Sechszylinder" bieten natürlich auch Citroën C6 und Skoda Superb. Der Franzose hat 2,7 Liter Hubraum, der Tscheche 2,5. Vierter im Bunde ist Volvo mit 2,4 Litern und "nur" fünf Zylindern. Er ist erst seit Mai 2006 auf dem Markt und damit der Benjamin in diesem Quartett.

Vom Charakter her könnten die vier Kandidaten unterschiedlicher nicht sein. Hier der gutbürgerliche Mercedes, da Citroën und Volvo, die ihre Kundschaft traditionell bei den bekennenden Individualisten suchen, und dort schließlich Aufsteiger Skoda, der in dieser Klasse vor allem durch seinen Kaufpreis auffällt. Mit bequemer Getriebeautomatik liegt er unter 30.000 Euro, die Volvo-Preisliste vermeldet bereits 38.600, der Mercedes kostet über 44.000, und Citroën setzt dem Ganzen mit 45.500 Euro mutig die Krone auf.

Vier Autos, vier Charaktere

Vergleiche hinken, dieser aber provoziert extrem, was sich in den Fahrtenbüchern widerspiegelt. Der Skoda bekommt Prügel. Leseproben: "Umgerechnet 60.000 Mark für einen Skoda? Das gibt ein bisschen Stufenheck nicht her!" "E-Klasse-Konkurrent? Ich lach’ mich schlapp." Beim teuren Citroën sind die Kollegen gnädiger, loben vor allem den klassischen Federungskomfort, einer meint: "Eine E-Klasse ist ,Auto‘, ein Citroën aber Ausdruck einer Lebensweise." Dem Volvo wird seine "abgenutzte Designsprache" vorgeworfen, und beim Mercedes heißt es überzeugt: "Der ist jeden Euro wert!" Wirklich? Das Ganze soll ich armer (Au-)Tor nun in unser bewusst emotionsloses Test-Korsett zwängen.

Erste Klasse: Der Mercedes-V6 ist das beste Aggregat im Vergleich.

Okay. Machen wir zuerst wieder einmal einen Kniefall vor den modernen Dieselmotoren. Mit Drehmoment-Bums bereits ab 1250 Umdrehungen (Skoda) gehen sie kurz nach dem Leerlauf schon ab wie Schmidts berühmte Katze, die Automatik-Getriebe können schnell in die oberste Stufe schalten. Zusammen mit seiner Siebenstufen-Automatik ist Mercedes hier absoluter Antriebs-Sieger. Beim Spurt der Erste, auf der Autobahn der Schnellste und beim Durst bescheiden. Er verbraucht im Mittel unter neun Liter Diesel. Käufern von Benzinern gehen bald die Argumente aus.

Einem Chefwagen angemessen: Der Skoda bietet die beste Beinfreiheit.

Mir verschlägt es nur im Punkt Zuladung die Sprache. Laut Waage dürfen C6 und E-Klasse nur 370 Kilogramm einpacken. Mögliche fünf Insassen dürften jeder also nur 74 Kilogramm wiegen und müssten ohne Gepäck reisen. Kein Wunder, beide Testwagen waren vollgestopft mit den heimlichen Verführern der Aufpreislisten. Der Mercedes unter anderem mit klimatisierten Sitzen vorn, der C6 mit elektrischer Verstellung und Beheizung auch hinten. Als klassischer Chauffeurwagen empfiehlt sich übrigens der tschechische Benjamin. Im Skoda Superb, basierend auf der um zehn Zentimeter verlängerten Bodengruppe des alten Passat, haben Fondpassagiere die größte Beinfreiheit.

Testwerte und Kosten

Doch die Musik spielt natürlich vorn. Da geht es bei Mercedes und Skoda am sportlichsten zu, Volvo S80 und Citroën bieten gemütlichere Clubsessel-Atmosphäre. Da außer ihren agilen Motoren (Citroën aber mit ziemlicher Anfahrschwäche) weder Lenkung noch Fahrwerkabstimmung das Attribut "sportlich" verdienen, sind sie eher die Gleiter auf der Piste. Reisen auf der rechten Spur ist ihre Stärke, der Blick kann schon mal der Umgebung gelten, muss nicht an der Stoßstange des Vordermannes kleben. Wobei – zugegeben – das bei Mercedes und Skoda am meisten Spaß macht. Jenseits von Tacho 150 ziehen sie unbeeindruckt ihre Spur, laufen stur geradeaus. Nur die anfängliche Härte des Superb nervt, auch zeigen sich bald deutlich mehr Windgeräusche als beim Mercedes. Zudem vermitteln ihre Servolenkungen den besten Fahrbahnkontakt.

Citroën punktet mit charmanten Details

Nervenschonend seit über 50 Jahren die Hydropneumatik von Citroën. Fans lieben das Sänftengefühl, verdrängen das leichte Stuckern auf extrem kurzen Wellen und sind glücklich über den Mut der Franzosen, ihren angestammten Platz in der gehobenen Mittelklasse nicht aufzugeben. Mutig vor allem deshalb, weil jeder Marktkenner weiß, dass der C6 – wie fast alle seine Vorgänger – vermutlich ebenso kein Verkaufsschlager werden wird.

Ein echter Hit ist für mich dabei ein winziges Detail: die "Dark"-Taste in der Mittelkonsole. Zweimal gedrückt, und schon werden bei Dunkelheit nur noch Tempo und eingelegte Fahrstufe verraten. Im Falle einer Warnmeldung gehen selbstverständlich wieder alle Lampen an. Die Flugzeugcockpit-Fetischisten vieler Konkurrenten sollten sich an dieser Saab-Erfindung ein Beispiel nehmen.

Kurios: Kurvenlicht kann seekrank machen, sagt Volvo. Und hat es deshalb abschaltbar konzipiert.

Was auch bei der Sicherheit gilt. Der C6 bietet als einziger serienmäßig einen Knie-Airbag vorn und Seitenairbags hinten, dynamische Kopfstützen haben außer Skoda alle. Die Isofix-Kindersitzhaken müssen nur bei Mercedes extra bezahlt werden. Xenonlicht bietet wiederum nur der Citroën bereits als Grundausstattung an. Wer hingegen beim Volvo S80 die Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht (1340 Euro) ordert, wird einen ganz neuen Schalter auf der Konsole entdecken: Mit ihm lässt sich das Kurvenlicht abstellen. Volvo hat festgestellt, dass manche Insassen die schwankenden Lichtkegel nicht ertragen, seekrank werden können. Für hoffentlich immer kerngesundes Ankommen sorgen dafür die Bremsen. Sie zeigen sich allesamt standfest, nur der Volvo schwächelt bei warmer Anlage.

Bei den Kosten (wen wundert’s?) ist der Skoda natürlich wieder vorn. Er ist in diesem Vergleich der Leichteste, hat die kleinste Maschine, verbraucht also am wenigsten. Beim späteren Wiederverkauf geben unsere Experten von Bähr & Fess dem Skoda eine etwas bessere Chance als dem großen Citroën. Da sich Technokrat und Bonvivant emotional schwer vergleichen lassen, hier mal wieder unser Hinweis: Jeder Leser kann selbstverständlich seine eigenen Noten vergeben, sollte es hier sogar. Punkte wie Zuladung/ Anhängelast können beispielsweise durch eine ganz persönliche Imagewertung ersetzt werden. Denn wie gesagt, Vergleiche hinken immer, dieser provoziert.

Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Diether Rodatz Gehobene Mittelklasse von rund 30.000 bis weit über 40.000 Euro – wer die Mittel dafür hat, dem geht es echt klasse. Diese Modelle bereiten richtig Freude. Citroën behält den Mut, anders zu bleiben. Bon! Volvo setzt auf sein solides Schweden-Image. Bravo! Skoda drängt sich kess dazwischen mit dem größten Fondplatz für Chefs. Doch die Schwaben behalten traditionell die Nase vorn. Die Sternstunde schlägt dem Stern im Kapitel Fahrdynamik, der Motor ist einfach Spitze.

Autor: Diether Rodatz

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