Test Ferrari 575 GTZ Zagato

Ferrari 575 GTZ Ferrari 575 GTZ

Test Ferrari 575 GTZ Zagato

— 31.07.2006

Aus zwei mach eins

Mit dem Design des 250 GTZ und der Technik eines 575 M Maranello hat Zagato den 575 GTZ erschaffen – limitiert auf fünf Exemplare.

Yoshiyuki Hayashi dürfte ein glücklicher Mensch sein. Er kann in seine Garage gehen und dort Pretiosen wie Ferrari 166 MM, 250 Spider California, Daytona Coupé und Spider sowie einen Enzo bewundern. Trotzdem war das Glück des betuchten Japaners anscheinend nicht vollkommen. Und da er noch ein wenig Kleingeld übrig hatte, schickte er zwei Ferrari 575 Maranello F1 (Zwölfzylinder, 515 PS, Stückpreis knapp 200.000 Euro) um die halbe Welt nach Italien, rief beim Mailänder Edelkarossier Zagato an und beauftragte ihn im Plauderton: "Mach mal was draus." Zwei Vorgaben gab er ihm: eine Karosserie in Anlehnung an den Zagato-Ferrari 250 GTZ aus dem Jahre 1956, der nun gerade 50 Jahre alt wird. Zweitens: eingebaute Wertsteigerung. Die Autos sind als Geldanlage gedacht.

Solche Jobs liebt Andrea Zagato, Chef von SZ Design und Enkel des Firmengründers Ugo. Denn bei so einem Auftrag

Yoshiyuki Hayashi orderte gleich zwei 575 GTZ. Einen für die Sammlung, den anderen zum Fahren.

kann er die seit 1919 bestehende Firmenphilosophie von Zagato-Kreationen voll ausspielen: sportliche Eleganz als Designmittelpunkt, keine Massenware, enger Kontakt zum Kunden. Wie früher. Denn da wollten die Herrenfahrer mit ihren auffälligen Zagato-Karosserien einerseits am Wochenende ein sportliches, leichtes, aerodynamisch optimiertes Auto über die Rennstrecke prügeln. Andererseits sollte wochentags die Dame des Hauses damit elegant ausgeführt werden.

Was früher nonchalante Herrenfahrer waren, sind heute rechnende Geschäftsmänner. Der Sinn für schöne Autos aber ist geblieben, wie die neoklassische Ferrari-Interpretation 575 GTZ von Zagato zeigt. Wer dem Auto in die Augen schaut, erkennt die Frontleuchten vom 612 Scaglietti – die einzige Leihgabe von einem bereits existierenden Modell. "Das hat einerseits mit der Homologation zu tun", erklärt Andrea Zagato, "andererseits ist es aber auch gute alte italienische GT-Tradition, mit den Augen eines Autos zu beginnen und den Rest drumherum zu entwerfen. Die selbstentwickelten Heckleuchten nehmen das Thema dann wieder auf."

Besonders auffällig ist das "Double-Bubble-Dach". Die zwei fast schon erotischen Hügel sind eine Zagato-Spezialität – die gab's bereits beim Vorbild 250 GTZ. Sie haben nicht nur optische Vorzüge, machen das Auto flacher, sondern verbessern die Aerodynamik und sorgen für eine steifere Konstruktion.

Die einzige Leihgabe von einem bereits existierenden Ferrari sind die Scheinwerfer des 612 Scaglietti.

Der 575 GTZ wirkt wie aus einem Guss – was er auch ist: "Wir arbeiten an der Karosserie als Ganzes und kümmern uns nicht lange um Details", verrät Andrea Zagato. "Deswegen gibt es bei uns auch kein Beiwerk aus Chrom oder Ähnliches. Wir fügen der Karosserie keine Kunst hinzu – sie selbst ist die Kunst." Dazu passt, dass Zagato kaum ein halbes Jahr für die Realisierung benötigte: "Wir entwerfen das Design am Computer und erschaffen dann – ohne jegliche Modelle zu bauen – sofort per Hand die Aluminiumkarosserie. Das Auto ist aus dem Instinkt geboren."

Grünes Licht aus Modena

Ferrari hat dem 575 GTZ seinen Segen gegeben, weil Zagato weder am Chassis noch am Motor etwas veränderte. Allerdings intervenierte Ferrari gegen die geplante Präsentation des Autos auf dem Genfer Salon 2006, um nicht die eigene Vorstellung des 599 GTB zu gefährden. Deshalb glänzte auf dem Zagato-Stand lediglich ein 250 GTZ. Den Innenraum hat Andrea Zagato nur anders beledert. Die Häute sind jetzt weich wie uralter Balsamico. Die Farben hat er sich gemeinsam mit seiner Frau Marella Rivolta (aus dem Clan des früheren italienischen Edelherstellers Iso-Rivolta) ausgesucht. Zweifarbig war bereits der erste 250 GTZ.

Auf

Der Maestro sitzt soft: Andrea Zagato hat den Innenraum des GTZ mit extrem weichem Leder ausgekleidet.

der Straße ist der 575 GTZ der Hingucker schlechthin. Seine vollendeten Formen begeistern jeden. Nicht nur Italiener. Die Alltagstauglichkeit ist dennoch geblieben, der Sound unangetastet, die Sicherheit gewährleistet. Der GTZ kann benutzt werden wie ein Fiat Punto. Er ist halt nur ein bisschen exklusiver. Andrea Zagato wird beiden Exemplaren Tränen nachweinen, wenn sie im Land des Lächelns verschwinden. Einer fürs Privatmuseum, einer zum Fahren.

Aber noch besteht die Chance, dass drei weitere 575 GTZ die Nase knapp über den Asphalt erheben. Insgesamt bis zu fünf Exemplare stellt Zagato in Aussicht, sollten sich weitere solvente Anleger finden. Vom 250 GTZ wurden schließlich ebenfalls fünf Stück gebaut. Alle existieren noch in Bestzustand. So ein Glück.

Technische Daten: • Zwölfzylinder-V-Motor, vorne längs • 48V • 5748 cm³ • 379 kW (515 PS) bei 7250 U/min • maximales Drehmoment 589 Nm bei 5250 U/min • Heckantrieb • F1-6-Gang-Schaltgetriebe Fahrwerk Einzelradaufhängung vorne und hinten mit Doppelquerlenkern • innen belüftete Scheibenbremsen vorne und hinten Reifen 255/40 ZR 18 vorn, 295/35 ZR 18 hinten Karosserie 4564 x 1937 x 1212 mm (L x B x H) • Leergewicht 1730 kg • Tankinhalt 105 l • 0-100 km/h 4,2 s • Höchstgeschwindigkeit 325 km/h

Die Geschichte von Zagato: Ugo Zagato gründete seine Karosserieschneiderei 1919 in Mailand mit dem Ziel, Konstruktionstechniken aus der Luftfahrt wie Leichtbau und Aerodynamik auf Autos zu übertragen. Die ersten neuen Karosserien entwarf er für Itala und Fiat, bald darauf folgten Alfa Romeo und Lancia. Den ersten Ferrari kleidete er 1950 um – mit dem Segen seines persönlichen Freundes Enzo Ferrari. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Zagatos Söhne Elio und Gianni die Firma und machten sie zur exklusiven GT-Coupé-Schneiderei. Heute wird die Firma von Ugo-Enkel Andrea geleitet. Er versteht die Firma als Atelier, das für exklusive Fahrzeuge in extrem limitierter Auflage sorgt. Höchste Stückzahl eines Zagato-Modells: 99 Exemplare. Zuletzt realisiert beim Aston Martin AR1 in 2003.

Autor: Roland Löwisch

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