Test Ferrari 575 GTZ Zagato
— 31.07.2006Aus zwei mach eins
Mit dem Design des 250 GTZ und der Technik eines 575 M Maranello hat Zagato den 575 GTZ erschaffen – limitiert auf fünf Exemplare.
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Solche Jobs liebt Andrea Zagato, Chef von SZ Design und Enkel des Firmengründers Ugo. Denn bei so einem Auftrag kann er die seit 1919 bestehende Firmenphilosophie von Zagato-Kreationen voll ausspielen: sportliche Eleganz als Designmittelpunkt, keine Massenware, enger Kontakt zum Kunden. Wie früher. Denn da wollten die Herrenfahrer mit ihren auffälligen Zagato-Karosserien einerseits am Wochenende ein sportliches, leichtes, aerodynamisch optimiertes Auto über die Rennstrecke prügeln. Andererseits sollte wochentags die Dame des Hauses damit elegant ausgeführt werden.
Was früher nonchalante Herrenfahrer waren, sind heute rechnende Geschäftsmänner. Der Sinn für schöne Autos aber ist geblieben, wie die neoklassische Ferrari-Interpretation 575 GTZ von Zagato zeigt. Wer dem Auto in die Augen schaut, erkennt die Frontleuchten vom 612 Scaglietti – die einzige Leihgabe von einem bereits existierenden Modell. "Das hat einerseits mit der Homologation zu tun", erklärt Andrea Zagato, "andererseits ist es aber auch gute alte italienische GT-Tradition, mit den Augen eines Autos zu beginnen und den Rest drumherum zu entwerfen. Die selbstentwickelten Heckleuchten nehmen das Thema dann wieder auf."
Besonders auffällig ist das "Double-Bubble-Dach". Die zwei fast schon erotischen Hügel sind eine Zagato-Spezialität – die gab's bereits beim Vorbild 250 GTZ. Sie haben nicht nur optische Vorzüge, machen das Auto flacher, sondern verbessern die Aerodynamik und sorgen für eine steifere Konstruktion.
Die einzige Leihgabe von einem bereits existierenden Ferrari sind die Scheinwerfer des 612 Scaglietti.
Grünes Licht aus Modena
Ferrari hat dem 575 GTZ seinen Segen gegeben, weil Zagato weder am Chassis noch am Motor etwas veränderte. Allerdings intervenierte Ferrari gegen die geplante Präsentation des Autos auf dem Genfer Salon 2006, um nicht die eigene Vorstellung des 599 GTB zu gefährden. Deshalb glänzte auf dem Zagato-Stand lediglich ein 250 GTZ. Den Innenraum hat Andrea Zagato nur anders beledert. Die Häute sind jetzt weich wie uralter Balsamico. Die Farben hat er sich gemeinsam mit seiner Frau Marella Rivolta (aus dem Clan des früheren italienischen Edelherstellers Iso-Rivolta) ausgesucht. Zweifarbig war bereits der erste 250 GTZ.Auf
Der Maestro sitzt soft: Andrea Zagato hat den Innenraum des GTZ mit extrem weichem Leder ausgekleidet.
Aber noch besteht die Chance, dass drei weitere 575 GTZ die Nase knapp über den Asphalt erheben. Insgesamt bis zu fünf Exemplare stellt Zagato in Aussicht, sollten sich weitere solvente Anleger finden. Vom 250 GTZ wurden schließlich ebenfalls fünf Stück gebaut. Alle existieren noch in Bestzustand. So ein Glück.
Technische Daten: • Zwölfzylinder-V-Motor, vorne längs • 48V • 5748 cm³ • 379 kW (515 PS) bei 7250 U/min • maximales Drehmoment 589 Nm bei 5250 U/min • Heckantrieb • F1-6-Gang-Schaltgetriebe Fahrwerk Einzelradaufhängung vorne und hinten mit Doppelquerlenkern • innen belüftete Scheibenbremsen vorne und hinten Reifen 255/40 ZR 18 vorn, 295/35 ZR 18 hinten Karosserie 4564 x 1937 x 1212 mm (L x B x H) • Leergewicht 1730 kg • Tankinhalt 105 l • 0-100 km/h 4,2 s • Höchstgeschwindigkeit 325 km/h
Die Geschichte von Zagato: Ugo Zagato gründete seine Karosserieschneiderei 1919 in Mailand mit dem Ziel, Konstruktionstechniken aus der Luftfahrt wie Leichtbau und Aerodynamik auf Autos zu übertragen. Die ersten neuen Karosserien entwarf er für Itala und Fiat, bald darauf folgten Alfa Romeo und Lancia. Den ersten Ferrari kleidete er 1950 um – mit dem Segen seines persönlichen Freundes Enzo Ferrari. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten Zagatos Söhne Elio und Gianni die Firma und machten sie zur exklusiven GT-Coupé-Schneiderei. Heute wird die Firma von Ugo-Enkel Andrea geleitet. Er versteht die Firma als Atelier, das für exklusive Fahrzeuge in extrem limitierter Auflage sorgt. Höchste Stückzahl eines Zagato-Modells: 99 Exemplare. Zuletzt realisiert beim Aston Martin AR1 in 2003.
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