Test Fiat Bravo 1.9 Multijet 8V

Test Fiat Bravo 1.9 Multijet 8V

— 28.03.2007

Fiat kriegt die Kurve

Der Stilo war ein Flop. Jetzt kommt der Nachfolger: Fiat schickt den neuen Bravo ins Golf-Revier. Als echte Italo-Schnheit.

Nur 18 Monate. Die Zahl lsst Schlimmes befrchten. blicherweise dauert die Entwicklung neuer Autos zwei Jahre. Mindestens. Und nun prahlt ausgerechnet Fiat damit, den Bravo in der Rekordzeit von eineinhalb Jahren auf die Rder gestellt zu haben. Kann das gut gehen? Es kann. Denn der erste Test endet berraschend positiv. Ab 24. Mrz hat der VW Golf einen ernstzunehmenden Konkurrenten mehr. Nach dem Grande Punto bringt Fiat den zweiten Neuling, der zur Konsolidierung des italienischen Traditionskonzerns beitragen drfte. Vor allem frs Karosseriedesign verdient der Bravo Beifall.

 

Ein Popo mit einer Prise Alfa: der neue Fiat Bravo.

Sein Popo hat eine Prise Alfa und seitlich betrachtet erzeugen Linienfhrung und das sich nach hinten verjngende Fensterband eine ausgeprgte Keilform. Der klassische Gittergrill schnffelt spitzmulig wie ein Nasenbr auf der Strae. In der Mitte prangt das Fiat-Emblem jetzt mit groen Buchstaben auf rotem Grund, so wie es 1931 an Fiat-Wagen zu sehen war. Das ist Zeichensetzung an der richtigen Stelle und verstrkt die italienische Markenidentitt, die der abgelste Stilo nie vermitteln konnte. Fragt sich nur, warum der Schlssel nach wie vor an einem blauen Fiat-Anhnger baumelt.

Der neue Bravo wirkt solide


Wenn man schon ber derartige Kleinigkeiten nrgelt, beweist das, wie viel besser der Bravo im Vergleich zu frheren Fiat-Modellen geworden ist. Schwerwiegende Qualittsfehler haben wir am Testwagen nicht gefunden.

Schöner Anblick: Form und Materialien der Kommandozentrale überzeugen.

Zwar sind einige Spaltmae nicht perfekt und das Sitzleder unsauber verarbeitet, ansonsten wirkt der Bravo aber solide. Sein Platzangebot ist okay, nur im Fond wird fr grogewachsene Passagiere die Kopf- und Kniefreiheit knapp. Besonders hinterm Lenkrad bekommt der Fahrer die Quittung fr die emotionale Formgebung prsentiert. Die Rundumsicht ist katastrophal. Vorn und hinten ist der Fiat nicht einzuschtzen. Bei 13 Zentimeter mehr Lnge als beim Golf ist Einparken mhsam. Das kleine Heckfenster und die hochgezogenen Seitenscheiben erschweren die Sicht nach hinten. Beim Schulterblick strt die breite B-Sule, und die flachen A-Pfosten beeintrchtigen die Wahrnehmung nach vorn.

13 Zentimeter lnger als ein Golf

Ebenfalls sind beim Kofferraum Nachteile durchs Design bedingt. Die Heckklappe ffnet nur per Fernentriegelung, der grifflose Deckel springt auf, lsst sich aber nur am Blechspalt anpacken und ffnen. Warum wurde nicht das Markenemblem wie beim Golf als Griff gestaltet? Nur 380 Kilogramm Zuladung sind zu wenig. Wer schwere Getrnkekisten einldt, muss diese ber die extrem hohe Ladekante wuchten, um sie dann fast 30 Zentimeter in den badenwannenfrmigen Stauraum abzusenken. Tipp: Fiat sollte Bravo-Kufern einen Gutschein fr Rckenschulen mitgeben.Orthopdisch freundlicher sind die Sitze. Sie sind straff gepolstert, haben groen Verstellbereich und guten Komfort. Justierhebel und -rder sind prima erreichbar und arbeiten tadellos. Gleiches gilt fr die Bedienung. Schalter und Hebel liegen griffgnstig und sind klar gestaltet.

Der 120-PS-Diesel hält sich akustisch nicht im Hintergrund.

Anders der Tacho. Er sitzt weit links, sodass im wichtigen Tempobereich von 50 bis 100 die Ziffern schlecht ablesbar sind. Ein Tausch mit dem rechts plazierten Drehzahlmesser wre sinnvoll. Und warum muss er bis 260 km/h reichen, wenn der 120-PS-Diesel nur mit Mhe seine Spitze von 194 km/h schafft? Dabei geht der Achtventiler lautstark zur Sache. Zweifel, dass hier ein Diesel nagelt, gibt es selbst bei warmem Motor nicht. Der Fiat-Selbstznder ist ein rauer Motor, der ab 3000 Touren nur zh hochdreht. Mit 6,4 Liter Testverbrauch liegt er auf Hhe seiner Konkurrenten. Einen sechsten Gang gibt es nicht, entsprechend lang sind die Gnge bersetzt und die Elastizitt dadurch mau.

Passend zur aggressiven Stilistik hat Fiat das Fahrwerk straff ausgelegt. Bei langsamer Fahrt auf schlechten Straen ist der mit groen 17-Zllern bereifte Testwagen zu hart, bei hherem Tempo dafr sehr agil. Er lenkt sauber ein und bleibt bei Ausweichmanvern dank ESP spurstabil ein gutes Fahrwerk. Wenn jetzt auch noch die Langzeitqualitt stimmt, hat dieser Bravo wirklich mehr als nur Szenen-Applaus verdient.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jrg Maltzan:

Wer htte das gedacht? Fiat besinnt sich auf seine Tugenden, entwickelt in Rekordzeit einen Golf-Gegner und landet einen Treffer. Der neue Bravo ist ein Auto, das vor allem die Sinne berhrt. Wie ein italienischer Designerschuh drckt und zwickt er hier und da. Mich strt's nicht. Der Bravo bietet ausreichend Alltagstauglichkeit in einer schnen Schale, wie sie sonst kaum einer zu bieten hat. Das Beste aber: Funktional und qualitativ macht dieser Fiat einen groen Sprung.

Autor: Jrg Maltzan

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