Test Fiat Bravo

Der neue Fiat Bravo Der neue Fiat Bravo

Test Fiat Bravo

— 31.01.2007

Dem Golf auf der Spur

Die Golf-Saison beginnt 2007 schon im März: Dann fährt dem Klassenprimus der neue Fiat Bravo ans Blech. Das könnte eng für den Volkswagen werden.

Fabio Negrino strahlt, als er von nur 18 Monaten Entwicklungszeit spricht. Als er vom Verzicht auf Prototypen und massiven Computer-Einsatz schwärmt. Als er – wie zum Beweis technologischer Kompetenz – Airbus und den A 380 ins Spiel bringt. Angesichts der Probleme mit dem Superflieger sicher kein glücklicher Vergleich. Doch Signor Negrino ist auch kein rhetorisch geschulter Redner, sondern bei Fiat verantwortlich für die Kompaktwagen. Und von diesem Job scheint er erheblich mehr zu verstehen.

Bravo, Fiat: Nur noch der Name erinnert an den vorletzten Golf-Gegner.

Wenn am 24. März der neue Bravo bei den Händlern steht, erinnert tatsächlich nur noch der wiederbelebte Name an den vorletzten Golf-Gegner der Italiener (1995–2001). Unter Leitung von Frank Stevenson entstand im Centro Stile ein wahrhaft schöner Kompakter, der seine wahre Größe von immerhin 4,34 Metern (VW Golf 4,20 m) gekonnt hinter dynamischen Linien und modernen Schwüngen verbirgt. Auf der komplett überarbeiteten, beim Radstand von 2,60 Metern aber unveränderten Plattform des Vorgängers Stilo, bleibt so viel Platz für Mensch und Material. Weil der Bravo den Golf außerdem in Höhe (1,50 m) um einen und in der Breite (1,79 m) um drei Zentimeter überragt, lässt es sich auch im Fond bequem reisen. Im Kofferraum verschwinden bis zu 400 Liter (mit Reifenreparaturkit). Einen Dreitürer wird es übrigens nicht mehr geben, 2008 erwarten wir aber eine Kombi-Version.

Hübsch aufgeräumt: das Cockpit mit zum Fahrer geneigter Mittelkonsole.

Cockpit ohne Schwächen

Die Piloten genießen neben dem Raum das ebenso hübsche wie aufgeräumte Cockpit. Besonders gefiel uns die sanft zum Fahrer geneigte Mittelkonsole, die Klima-, Radio- und Navigationssteuerung aufnimmt. Bei der Qualität scheinen die von uns gefahrenen Vorserienautos auf dem richtigen Weg, zumindest gibt es keine schlimmen Schwachpunkte. Die Sitze wirken allerdings eine Nummer zu klein. Bei engagierter Fahrweise fehlt im Schulterbereich die Unterstützung.

Qual der Wahl: Zunächst reicht das Leistungsspektrum von 90 bis 150 PS.

Mit mehr Einsatz gehen da die beiden von uns gefahrenen 1,9-Liter-Turbodiesel ans Werk. Schon der schwächere Common-Rail-Motor reicht locker aus, während der stärkere Bruder auch sportliche Naturen zufriedenstellt. Im Juni folgen zwei neue Benziner. Die 1,4-Liter-Turbos leisten 120 beziehungsweise 150 PS und sind laut Fiat spitze – ein Test wird das klären. Für 2008 erwarten wir dann noch eine heiße Sportversion mit 1,8-Liter-Turbo und über 200 PS. Lecker. Auch das Fahrwerk weiß durchaus zu gefallen. Trotz der optionalen 17-Zoll-Bereifung meistert unser Testwagen schlechte Strecken mit Anstand, reagiert nur auf fiese Schlaglöcher übermäßig heftig. Es gibt in dieser Klasse sicherlich komfortablere Kandidaten – aber auch deutlich schlimmere.

Unspektakuläres Fahrwerk: Braves Handling mit sanftem Untersteuern.

Für den Bravo spricht außerdem das brave Handling mit sanftem Untersteuern und einem feinfühlig regelnden ESP (Serie). Und für den Hausgebrauch arbeiten auch die nicht sehr mitteilsame Servolenkung (elektrohydraulisch) sowie die nicht übermäßig geschmeidige Schaltung ausreichend präzise. Wer nicht auf der Nordschleife nach Bestzeiten jagt, wird hier kaum etwas auszusetzen haben. Das könnte beim Preis schon anders aussehen. Der Bravo 1.4 16V mit 90 PS soll rund 15.500 Euro kosten, also deutlich weniger als ein viertüriger Golf mit 80 PS (16.901 Euro). Trotz akzeptabler Grundausstattung (ESP, sieben Airbags, Zentralverriegelung fernbedient, elektrische Fensterheber vorn): Günstig sieht anders aus. Doch Fabio Negrino strahlt trotzdem weiter – wir werden sehen, ob zu Recht.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

In nur 18 Monaten stellt Fiat einen neuen Kompakten auf die Räder, der vor allem durch seine Optik gefällt. Weil Raumkonzept, Fahrwerk und Motoren gleichzeitig kaum Schwächen zeigen, scheint ein Erfolg wie beim Grande Punto möglich.

Autor: Gerald Czajka

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