Test Focus CC – Eos – Astra TwinTop

VW Eos – Opel Astra TwinTop – Ford Focus Coupé-Cabrio VW Eos – Opel Astra TwinTop – Ford Focus Coupé-Cabrio

Test Focus CC – Eos – Astra TwinTop

— 22.02.2007

Unter deutschen Dächern

Deutschland entdeckt die Cabrio-Coupés. Focus, Astra und Eos laden zum Sonnenbad mit Blechdach – AUTO BILD hat die drei verglichen.


Pflanzen streben generell zum Licht. Äpfel werden nur da rot, wo die Sonne hinscheint. Und Menschen verleiht das Sonnenlicht nicht nur eine gesunde Gesichtsbräune, sondern lässt auch die Glückshormone im Körper Tango tanzen. Was liegt also näher, als auch beim Autofahren nicht auf das aufhellende Sonnenlicht zu verzichten? Eben! Ein Cabrio muss her. Und da wir ja noch mitten im Winter stecken, am besten eines mit festem Blechklappdach. Die deutschen Vertreter dieser ebenso praktischen wie wetterfesten Glücksbringer haben wir zum Test geladen. Nach VW Eos und Opel Astra TwinTop gesellt sich nun das Ford Focus Coupé-Cabrio zu der nach oben offenen Spaßgesellschaft.

Für unseren Vergleich treten alle drei mit sparsam-spritzigen Diesel-Motoren an. Also Dach auf zum Sonnetanken – wollen doch mal sehen, wer die Endorphine am heftigsten in Wallung bringt. Obwohl unübersehbar Pininfarina auf der Flanke des Ford prangt, löst seine Optik nur wenig Kribbeln im Lustzentrum aus. Der italienische Karosserieschneider schafft es nur bedingt, den pummeligen Po des Klapp-Focus zu kaschieren. Der Kölner fährt in einer Liga mit dem optisch ebenfalls recht hecklastigen Eos. Einzig der Astra beweist hier mehr Schick, glänzt mit ansehnlicher Coupé-Linie und sammelt für das Design die meisten Sympathiepunkte.

Mangelhaft: Bei geschlossenem Dach dringt Wasser in den Innenraum.

Mit dem ersten Probesitzen im Frischluft-Focus verfliegen die gemischten Gefühle schlagartig. Alles findet sich dort, wo wir es erwarten. Die Gestalter gönnen uns eine durchaus schöne Schaltzentrale mit ansehnlichen Instrumenten und feinen Polstern. Schon fingern wir nach dem Schalter fürs Verdeck und dem Zündschlüssel – und werden enttäuscht. Bevor das Dach sich in zwei Teilen in den Kofferraum falten kann, tropft es auf unseren Arm. Es leckt. Bei geschlossenem Dach! Unser Glückshormonspiegel sinkt Rapide gen Nulllinie. Wie, bitte, kann das denn sein? Zudem prangt in unserem Testwagen an der Stelle des Zündschlosses ein hässlicher Plastikknubbel, der zum Starten gedrückt und gedreht werden muss. Ein schlüsselloses Start- und Schließsystem – wie überflüssig. Und zudem auch noch 460 Euro teuer sowie nicht mal sonderlich raffiniert.

Egal, wir starten den Striptease. Nach einer halben Minute sitzen wir unter freiem Himmel, weitere fünf Sekunden später sind alle vier Fenster wieder nach oben gefahren. Die hinteren Scheiben lassen sich sogar vom Fond aus bedienen, einen Schalter für alle Seitenscheiben hat Ford sich aber gespart. Schade, VW und Opel haben daran gedacht. Eigentlich seltsam, denn ansonsten erweist sich der Falt-Focus als durchaus gut ausgestattet. Sogar eine Klimaanlage, die Sitzheizung vorn und Nebelleuchten kosten nicht extra. Während der Kofferraum des Kölners nach Eröffnung der Frischluftsaison von sehr guten 534 auf immer noch ordentliche 248 Liter schrumpft, wächst der Fahrspaß in luftige Höhen. Zwei Verliebte genießen ein ausreichendes Platzangebot, können im Fond zur Not zwei Kinder mitnehmen und lauschen dem Fahrtwind. Erst oberhalb von 120 km/h zerrt es ohne Windschott (305 Euro Aufpreis) ungebührlich an den Haaren. Doch das gehört beim Cabriofahren eben dazu.

Klappt bis Tempo 30: Der Opel Astra ist in 35 Sekunden offen.

Cabrio-Genießer dürfte die weit nach hinten gezogene Frontscheibe deutlich mehr stören. Kleine Fahrer sitzen eher darunter, große haben den Scheibenrahmen vor der Stirn. Ein merkwürdiges Fahrgefühl, aber unter Festdach-Cabrios leider auch ein verbreitetes Phänomen. Im enger geschnittenen Astra wird das ebenfalls recht deutlich. Das aufwendigere Dach verleiht dem Astra zwar die schönsten Proportionen, das Platzangebot fällt aber am kleinsten aus. Inklusive der Fenster braucht der Opel ebenfalls 35 Sekunden, um sich komplett zu entblättern. Pluspunkt: Der Striptease gelingt sogar beim Fahren bis Tempo 30. Der vorn ausgesprochen großzügig gestaltete Eos kommt echtem Cabrio-Fahrgefühl noch am nächsten und rückt die Frontscheibe am weitesten von den Piloten weg. Außerdem schließt er mit 28 Sekunden (plus vier für die Fenster) einen Hauch schneller als die Konkurrenz. Den Fond wie auch den Frachtraum vernachlässigt der VW dafür allerdings am meisten, bietet Kind und Kegel den geringsten Freiraum.

Fazit, Bewertung und Ihre Meinung

Bei geschlossenem Dach pfeift es im Focus ab160 km/h deutlich hörbar an den Dach-Dichtungen. Eos und Astra behelligen uns hier nur mit einem feinen Säuseln. Der Eos lässt zudem auch bei hochgeklapptem Stahlverdeck noch stimmungssteigerndes Licht ins Abteil. Mit viel Aufwand konstruierten die Wolfsburger Dachdecker auch noch ein Glasschiebedach ins Faltverdeck. Das muss man nicht unbedingt haben, es macht sonnige Wintertage aber doch erheblich schöner.

Der Leisetreter im Vergleich: Im VW Eos ist man am ruhigsten unterwegs.

Bei den Motoren und beim Fahrverhalten offenbaren die drei Frischluft-Freunde weniger gravierende Unterschiede. Alle drei fahren mit serienmäßigem ESP und Überrollschutzsystemen auf der sicheren Seite des Lebens, die Gäste der ersten Reihe schützen Airbags vorn und seitlich. Obwohl mit 136 PS der schwächste Selbstzünder im Vergleich, führt der Focus das Feld meist sehr munter an. Wegen des langen sechsten Ganges sollte zum Überholen zwar mindestens einmal die knackig-kurze Schaltung betätigt werden, ansonsten schnurrt der zwei Liter große Common-Rail-Diesel aber motiviert und munter durchs Land. Mit 150 PS aus 1,9 Liter Hubraum setzt sich der Opel insgesamt am sportlichsten in Szene, schafft auf der Autobahn mit 213 km/h immerhin sieben Kilometer pro Stunde mehr als seine Mitstreiter. An der Schaltung lässt sich dabei ebenfalls wenig aussetzen, nur die elektrohydraulische Servolenkung arbeitet bei schnellen Richtungswechseln etwas zäh. Das können sowohl Ford als auch VW besser, beide liefern mehr Rückmeldung. Und wie der Focus geht der Astra etwas geräuschvoller zu Werke als der Eos.

Der von uns mehrfach als knurrig gescholtene Zweiliter-TDI von VW macht im Eos plötzlich auf Leisetreter. Dank hervorragender Dämmung lassen die 140 PS nur wenig von ihrer Anstrengung hören. Im Sprint fährt der Pumpe-Düse-Motor seinen Kollegen allerdings auch leicht hinterher, es fehlt ihm hier der bedingungslose Drehwille von Opel und Ford, die munter bis 5000 Touren orgeln. Auch beim Fahrkomfort fährt VW eher auf Schmusekurs. Mit fester Verbindlichkeit, aber weder schwammig noch überhart erweist sich der Eos als angenehmer Ausflugswagen. Der Focus folgt ihm auf diesem Komfort-Kurs. Der Astra setzt mehr auf die sportliche Schiene, ohne den Genuss am Offenfahren aber durch übertriebene Härte zu verleiden. Auf schlechten Strecken fällt allerdings auf, dass der Ford nicht die Karosseriesteifigkeit eines Eos erreicht. Und auch der sehr solide Astra kann dem Wolfsburger in diesem Punkt nicht ganz das Wasser reichen.

Doch dafür spielt Sonnenschein Eos auch preislich in einer anderen Liga. 30.725 Euro müssen mindestens angelegt werden – da suchen die Glückshormone bei Otto Normalverdiener doch erschreckt das Weite. Der Astra lässt ihnen mit 29.360 Euro schon eher eine Chance. Und beim Focus ab 27.950 Euro kommen wir unbeschwertem Sonnengenuss eindeutig am nächsten. Denn als Glücksbringer funktioniert auch ein Cabrio nur dann, wenn es halbwegs bezahlbar bleibt.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka:

Die anspruchsvollste technische Lösung muss nicht immer die beste sein. Manchmal tut es auch ein einfaches, aber preiswertes System. Wie bei unseren drei Klappdach-Cabrios. Der frische Focus fährt mit seinem simplen zweiteiligen Dach und günstigen Preisen auf Rang eins. Dahinter der fast perfekte, aber zu teure Eos. Dem dynamischen Astra fehlt es an innerer Größe.

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