Test Ford Focus Coupé-Cabriolet

Ford Focus Coupé-Cabriolet Ford Focus Coupé-Cabriolet

Test Ford Focus Coupé-Cabriolet

— 14.09.2006

Klappenkunst aus Köln

Ab November 2006 steht mit dem Ford Focus Coupé-Cabrio das nächste Klappdach-Cabrio bei den Händlern. Erster Fahrbericht.

3000 Euro günstiger als der Basis-Eos

Weg mit dem Dach, her mit dem Cabrio – so einfach war das mal in der Welt der kompakten Frischluft-Fahrzeuge. Doch die Franzosen haben den Trend zum bezahlbaren Viersitzer-Cabrio mit Stahldach als Erste erkannt (Peugeot 206+ CC) und damit den Kurs für alle anderen Autobauer heftig verdorben. VW legte mit dem Eos die komplizierteste Dachkonstruktion am Markt nach, Opel schließt den Astra in der dritten Cabrio-Generation ebenfalls per Stahldach. Und jetzt eben auch Ford. Klingt unspannend nach letztem Platz, ist aber eigentlich nicht unklug.

Elegant gelöst oder nur noch ein Pummel-Hintern à la Peugeot 206 CC?

Peugeot 206 und Renault Mégane bekommen heftigst Kritik ob der nicht geraden eleganten Hinterteile ihrer Blechdach-Cabrios zu hören, VW knirscht hinter verschlossenen Türen über die Kosten des aus drei Teilen bestehenden Eos-Verdecks. Ford schaffte mit dem Frischluft-Focus einen hervorragenden Kompromiss: 70 Prozent aller Komponenten und Systeme stammen aus der bewährten Focus-Limousine, sämtliche Neuteile, die es nur im Cabrio gibt, wurden sehr sensibel gestaltet. Sie durften weder zu teuer noch unästhetisch sein. Die Preisvorgabe wurde erreicht, der Focus ist mit einem Basispreis von 22.975 Euro für den 1,6-Liter-Benziner knapp 3000 Euro billiger als der günstigste Eos.

Und was die Ästhetik betrifft, wird der Markt sein Urteil fällen. Meine subjektive Meinung: Der Focus hat zwar nicht das Zeug zur zeitlosen Design-Ikone, zählt aber bestimmt zu den schöneren Angeboten am Markt. Verlangen Sie jetzt bitte keine bösen Worte über pummelige Heckansichten oder dergleichen, der Markt verlangt nach solchen Autos. Und jeder Hersteller tut gut daran, in dieser Nische Geld zu verdienen.

Nun aber zum Fahren: Die größten Schwächen offener Autos, nämlich Verwindungen im Bereich der Karosserie und Vibrationen im Lenkrad, machen auch vor der jüngsten Ford-Konstruktion nicht Halt. Zur Ehrenrettung der Kölner sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass der Focus in diesen Punkten nicht schlechter als seine Mitbewerber ist. Die Abstimmung ist angenehm straff, ohne mit übertriebener Sportlichkeit die Passagiere zu nerven. Volles Lob auch für die Verarbeitung; sie läßt nicht erahnen, dass es sich hier um das günstigste Angebot aus Deutschland handelt. Einparken ist vor allem bei geschlossenem Dach eine Angelegenheit, die nach Übung verlangt.

Mega-Kofferraum mit 534 Litern Platz

Ganz ohne Übung ist es auch nicht einfach, bei vorgeklappter Lehne in den Fond zu klettern. Wer es dann geschafft hat, wird nur als Schulkind glücklich. Doch wenn selbst verdiente Marketingstrategen aus Köln meinen, der offene Focus sei für "Singles, Paare und kleine Familien" geeignet, so darf man das glauben. Junge Eltern brauchen jedenfalls in den ersten Jahren kein neues Auto, auf Wunsch gibt es ohne Aufpreis eine Isofix-Halterung im Fond.

534 Liter Platz im Kofferraum: Das ist mehr als ordentlich!

Weniger Platzprobleme offenbart der Kofferraum, vor allem bei geschlossenem Dach. Ganze 534 Liter schluckt das Heck. Kleiner Vergleich der dramatischen Art: In der letzten Mercedes S-Klasse hatten "nur" 500 Liter Platz. Weitaus weniger Volumen bietet der Basis-Benziner, er leistet aus 1,6 Litern ehrliche 100 PS. Für den Weg zur Arbeit mag das ausreichen, zumindestens wenn man die 145 PS aus dem Zweiliter nicht kennt. Der 2.0-Diesel hingegen stellt die Weichen unwiderruflich: Wer dieses Triebwerk kennt, bestellt keinen Benziner. Er bietet mit 320 Newtonmetern Drehmoment mehr als das doppelte des Basis-1.6 (150 Nm) und ist mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern Diesel auch noch der Sparefroh der Focus-Familie.

Fazit von autobild.de-Redakteur Nikolaus Eickmann Egal, welches Focus Coupé-Cabriolet auf dem Wunschzettel steht – ein solider Kauf ist der jüngste Ford bestimmt. Wer gerne Radhelm trägt, findet auch das Coupé-Cabriolet gut. Selten fühlte sich Fahrfreude so alltagstauglich, ja fast schon spießig an. Der Wertverlust wird kaum von jenem des Fünftürers abweichen, vor allem der auf den ersten Blick teure Diesel verschönert mit einem sicherlich hohen Wiederverkaufswert gewaltig die Kostenrechnung.

Autor: Nikolaus Eickmann

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