Test Ford Galaxy gegen Kia Carnival

Kia Carnival gegen Ford Galaxy Kia Carnival gegen Ford Galaxy

Test Ford Galaxy gegen Kia Carnival

— 18.09.2006

Aus einer anderen Galaxie

Zwei Raumfahrzeuge, zwei Ideen. Galaxy 2.0 TDCi und Carnival 2.9 CRDi verfolgen unterschiedliche Konzepte – und liegen am Ende Lichtjahre auseinander.

Preise, Testwerte, Werksangaben

Der bemannten Raumfahrt bescheinigen wir eine große Zukunft. Zumindest gilt das für den neuen Großraumshuttle von Ford, den Galaxy. Gleich im ersten Vergleich gegen die etablierte Van-Konkurrenz legten die Kölner mit dem dynamischen Siebensitzer eine saubere Punktlandung hin (siehe Vergleichstest Wer packt's am besten?). Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings die motivierte Raumfahrertruppe von Kia ihr ehrgeiziges Projekt Carnival noch nicht in die Umlaufbahn geschossen. Jetzt ist die Sieben-Mann-Fähre aus Korea startklar, und die Eckdaten klingen vielversprechend.

Den Carnival LX gibt es zum Beispiel mit 185 PS starkem 2.9-CRDi-Dieselmotor bereits ab 27.490 Euro. Ein Galaxy Ambiente TDCi mit 140 PS geht nicht unter 29.200 Euro von der Rampe. Dabei müssen Ford-Passagiere sogar noch auf diverse Reiseerleichterungen verzichten – beziehungsweise saftigen Zuschlag zahlen. So kosten eine Drei-Zonen-Klimaanlage, CD-Radio mit Wechsler oder elektrische Fensterheber hinten Aufpreis – während Kia seine Astronauten bereits ab Werk mit Extras dieser Art verwöhnt. Sicherer werden Flüge mit dem Carnival durch dieses Komfort-Plus allerdings nicht. Auch wenn im Kia ESP und sechs Airbags an Bord sind, der Galaxy zeigt, was in dieser Klasse tatsächlich Stand der Technik ist. Neben einem zusätzlichen Airbag im Fahrer-Kniebereich, einem Bremsassistenten und Nebelscheinwerfern liefert Ford das Raumschiff (gegen Aufpreis) sogar mit adaptivem Lichtsystem, Bi-Xenon-Scheinwerfern oder dem radargestützten Tempo- und Abstandsregler ACC aus. Auch so etwas wie Reifendruckkontrolle oder eine das Fahrverhalten verbessernde Niveauregulierung bietet Kia nicht an.

Wankelmütig: Voll beladen kommt der Carnival ordentlich ins Schwitzen.

Dabei könnte der Carnival besonders letztere Option gut gebrauchen. Stolze 675 Kilogramm darf die Korea-Kapsel zuladen. Bei der ohnehin eher weichen Auslegung des Fahrwerks kommt der Van in bepacktem Zustand dadurch aber auch gleich gehörig ins Schwitzen. Die bereits im Leerzustand ausgeprägte Wankneigung der Karosserie verstärkt sich unter Beladung noch, die Bremswege aus Tempo 100 verlängern sich auf fast 42 Meter. Noch schlimmer: Aus 130 km/h lässt die Bremswirkung unter voller Last dramatisch nach. Die heißen Bremsen bringen den Carnival nach mehreren Versuchen erst nach 130 Metern zum Stehen. Das sind Werte aus einer anderen Galaxie. Normal wären rund 70 Meter (siehe auch Bremsentest). Schleunigst nachbessern, schließlich eiert der Kia nicht irgendwo durch die Milchstraße, sondern bemannt über deutsche Autobahnen. Auch beim Ausweichen patzt der Kia. Nur träge ändert das Schiff die Richtung, besonders die im schnellen Spurwechsel abrupt verhärtende Lenkung erschwert solche Manöver. Ford hat seinen Raumgleiter deutlich bodenständiger abgestimmt. Die direkte Lenkung und das straffe Fahrwerk sorgen dafür,

Großer Sport: So agil und aktiv wie der Galaxy ist keiner im Segment.

dass man mit dem Galaxy richtig Fahrspaß haben kann. Sein Sternzeichen: Dynamiker. Keine Frage, so agil und aktiv fährt sonst kein Van in diesem Segment.

Und nur wenige lassen sich von einem besseren Motor anschieben. Gegen die vibrationsarme, leise und sparsame TDCi-Maschine hat der spröde rumorende Block des Carnival keine Chance. Attestieren wir dem Ford-Vierzylinder allenfalls noch eine leichte Anfahrschwäche, so müssen wir dem Korea-Diesel gleich eine ganze Liste von Schwachpunkten ankreiden. So liegt sein Dieseldurst um satte 1,5 Liter pro 100 Kilometer höher, ist er nur gegen Aufpreis rußfrei, klingt lauter und arbeitet durchzugsärmer als der nominell viel schwächere 2,0-Liter des Ford. In Verbindung mit dem lang übersetzten Fünfganggetriebe fällt der Motor des Carnival zudem nach jedem Schaltvorgang in ein besonders tiefes Turboloch.

Kosten, Fazit, Wertung

Dafür steht es um die Transportqualitäten des Kia besser. Zumindest nach maximalem Fassungsvermögen beurteilt. Mehr als 3000 Liter Fracht passen ins Kia-Heck. Sofern sich jemand die Mühe macht, die fünf unhandlichen und hakelig verankerten hinteren Einzelsitze zu demontieren. Moderne Raumfahrt hat heute intelligentere Lösungen parat. Das schlaue Faltprinzip des Galaxy zum Beispiel. Wenige Handgriffe reichen, um die großen fünf hinteren Klappsitze den Wagenboden zu beamen. Insgesamt entsteht danach ein immerhin noch 2325 Liter großer Laderaum. Die umständliche Lösung, Lücken zwischen den Sitzgestellen mit fummeligen Teppich-Klappen zu verdecken, gibt dem System leider einen arg improvisiert wirkenden Beigeschmack. Wie auch das teilweise übertriebene Ablagen-Angebot im Dachhimmel. Ein Fach weniger wäre mehr – der Rest dafür

Respekt: Mehr als 3000 Liter Fracht passen ins sitzbereinigte Kia-Heck.

hochwertiger montiert. Das wär's.

Hier trifft Kia besser den Nerv der Raumfahrer. Klappbare Tischchen und sinnvoll platzierte Ablagen wirken gut durchdacht. So wie auch die glasklar abzulesenden Instrumente oder die funktional arrangierten Bedienelemente für die Klimaanlage. Das alles sieht zweifellos gut aus und ist auch wirklich ordentlich verarbeitet, reicht dennoch höchstens für die Rolle des günstigen Exoten im Van-Kosmos. Vom deutschen Galaxy trennen den Koreaner Welten. Ford fährt ganz klar einer anderen Galaxie.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Jan Horn

Kölner Maßstab: Dem Galaxy gehört die Zukunft der bemannten Raumfahrt.

Ein Kollege hat es im Fahrtenbuch treffend zusammengefasst: Der Carnival wirkt wie von 1998. Da stimme ich voll zu. Mit müdem Motor (wo sind bloß die versprochenen 185 PS?), schlechter Bremse, schwammigem Fahrverhalten und altmodischem Sitzkonzept kann der Kia nicht punkten. Schon gar nicht gegen den modernen Ford. Die Kölner setzen hier erneut den Maßstab. Der Galaxy ist dynamisch, sicher, vielseitig. Gleichzeitig egalisiert er den höheren Kaufpreis durch geringere Unterhaltskosten. Dem Galaxy gehört somit weiterhin die Zukunft zumindest in der bemannten Raumfahrt.

Autor: Jan Horn

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