Test Ford Mondeo/VW Passat

Test Ford Mondeo/VW Passat Test Ford Mondeo/VW Passat

Test Ford Mondeo/VW Passat

— 29.04.2007

Führt Ford jetzt VW vor?

Der König der Mittelklasse heißt Passat – und das nicht erst seit gestern. Doch jetzt fährt ein Thronanwärter vor, den VW ernst nehmen sollte – der Ford Mondeo.

Cambridge gegen Oxford, Schalke gegen Bochum, Bayern gegen Franken. Für manche normale Konkurrenten, in Wirklichkeit historisch gewachsene Rivalitäten von grenzenloser Wichtigkeit. Hier geht es nicht um gut oder besser, hier geht es ums Ganze. Ähnlich verbissen wird in der Mittelklasse beim Duell Ford gegen VW gekämpft. Seit seinem Debüt 1973 muss sich der Passat gegen die Angriffe aus Köln wehren. Bis 1982 hieß der Gegner Taunus, bis 1993 Sierra, seither Mondeo. Und dessen dritte Auflage will den bisher stets erfolgreichen Wolfsburger endlich überholen. Ab 16. Juni 2007steht der Herausforderer bei den Händlern – bei uns muss er schon jetzt gegen seinen Erzrivalen zum Vergleich antreten. Beim Einlaufen zieht der Mondeo die Blicke klar auf sich. Der Passat wirkt mit seiner verchromten Schnauze doch ziemlich bemüht, die langen Überhänge vermasseln ihm ein wirklich vornehmes Profil. Der Mondeo lässt dagegen ungeniert, ja fast schon provozierend die Muskeln spielen. Der große Kühlergrill wirkt gierig, die ausgestellten Radhäuser machen auf dynamisch, die langgestreckte Silhouette sorgt für eine Portion Eleganz.

Vorteil Ford heißt es auch beim Fahreindruck

Neuer Mondeo: elegante Silhouette, ausgestellte Radhäuser, großer Grill.

Einspruch, werte AUTO BILD, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Der Mondeo darf ja als vorteilhaftes Fließheck antreten. Der gegenüber Viertürer und Kombi kürzere Überhang hinten vermeidet einen Pummelpo wie beim viertürigen Passat, die große Heckklappe schafft zudem Vorteile beim Beladen. Einspruch stattgegeben. Doch zu diesem frühen Zeitpunkt konnte Ford uns nur dieses Fahrzeug anbieten. Und wir haben natürlich nachgerechnet: Das Stufenheck hätte bei unserem Wertungsmodus nur mit einem Punkt weniger abgeschnitten. Alle Mondeo bieten nämlich einen ebenso großzügigen wie funktionalen Innenraum. Zudem stimmt die Qualität – trotz des Hartplastiks, das an weniger offensichtlichen Stellen verwendet wurde. Im Passat geht es weder geräumiger noch vernünftiger oder hochwertiger zu. Kaum Unterschiede auch bei der Sitzprobe. In beiden Autos verwöhnen großzügig geschnittene Polster mit echter Langstrecken-Tauglichkeit. Der Passat glänzt dabei mit dem minimal größeren Sitz-Verstellbereich vorn und mehr Kopffreiheit hinten, während der Mondeo vorn etwas mehr Luft überm Scheitel bietet und im Fond eine bequemere Sitzposition erlaubt. 14 Zentimeter mehr Radstand bei fast gleicher Außenlänge können sich eben sehen lassen. Vorteil Ford heißt es auch beim Fahreindruck. Trotz optionaler 17-Zoll-Bereifung, die wir dem Mondeo im Preis auch aufgeschlagen haben, lässt das feinfühlige Fahrwerk den Mondeo angenehm gelassen über die Piste gleiten. Grobe Absätze stoßen zwar spürbar auf, auf Straßen von handelsüblicher Qualität registriert der insgesamt weichere Passat aber mehr Fahrbahnfehler. In schnellen Wechselkurven wankt der VW zudem wie ein Seemann auf Landgang. Die Karosserie neigt sich deutlich stärker in die Kurve als beim satt liegenden Mondeo.

Der wesentliche Unterschied ist die Art der Einspritzung

VW spendiert jedem Zylinder eine eigene Pumpe-Düse-Einheit.

Risiken und Nebenwirkungen müssen aber selbst engagierte Fahrer nicht fürchten. Dank ESP fahren beide Mittelklässler auf der sicheren Seite. Der Ford hinterlässt dabei allerdings den handlicheren und agileren Eindruck. Und das, obwohl seine Lenkung aus der Mittellage ungewohnt synthetisch wirkt und weniger Rückmeldung liefert als die feine Passat-Steuerung. Lob verdienen sich grundsätzlich auch die Antriebe. Ford und VW setzen einträchtig auf Zweiliter-Diesel mit 140 PS, kombiniert mit präzisen Sechsgang-Boxen. Der wesentliche Unterschied liegt in der Art der Einspritzung. Ford versorgt alle vier Zylinder über eine gemeinsame Hochdruckleitung (engl. Common Rail), VW spendiert jedem Zylinder eine eigene Pumpe-Düse-Einheit.

Ergebnis: Der rau klingende Passat gibt sich geringfügig bissiger, reißt ab 2000 Touren ungestümer an den Vorderrädern und geht an der Ampel auch minimal schneller. Der Mondeo glänzt dagegen mit gleichmäßiger Kraftentfaltung, geschmeidigem Motorlauf und einem Verbrauchsvorteil von 0,3 Liter. Trotzdem belastet der hier getestete Mondeo das Konto seines Halters stärker als der Passat. Eine echte Überraschung, denn mit 27.544 Euro (wie Mondeo inklusive Partikelfilter) tritt der VW wie gewohnt nicht gerade als Preisbrecher auf. Doch Ford verlangt für seinen Mondeo inklusive der 17-Zöller, die neben der schicken Optik auch am guten Bremsweg mitwirken, immerhin 28.095 Euro. Zudem büßt Ford bei Garantie, Wartung und Wiederverkauf Punkte ein. Die früher so klare Rollenverteilung "günstiger Ford gegen guten VW" kehrt sich in diesem Vergleich also um. Was bleibt, ist die traditionelle Rivalität der beiden Marken.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Redakteur Gerald Czajka ist vom neuen Mondeo überzeugt.

Seit 34 Jahren fahren Ford und VW in der Mittelklasse gegeneinander, meist hatte VW das bessere Ende für sich. Doch der neue Mondeo schafft es tatsächlich, das Blatt zu wenden. Er erweist sich unterm Strich als das fahraktivere und besser ausgestattete Auto, leistet sich gleichzeitig keine ernsthaften Schwächen in den anderen Disziplinen. Der Passat kann über den Preis und die Unterhaltskosten zwar noch mal ganz dicht aufschließen, bleibt am Ende aber zweiter Sieger.

Autor: Gerald Czajka

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