Test Ford S-Max 2.5 – Opel Zafira OPC

Opel Zafira OPC – Ford S-Max Opel Zafira OPC – Ford S-Max

Test Ford S-Max 2.5 gegen Opel Zafira OPC

— 04.09.2006

Die Familien-GTIs

Kinder kommen, Träume gehen: die von den kleinen Knall-Kisten. Damit der Abschied nicht so schwerfällt, gibt es Vans, die außer Platz auch Power bieten.

Ausstattungen, Preise und Betriebskosten

Ja, ja, alle Eltern wissen: Wenn Nachwuchs kommt, dann ändert sich das Leben. Schnuller statt Schumi, Vernunft statt Vollgas. Kinderwagen ist jetzt angesagt, und der enge GTI muss weg. Was aber gar nicht schlimm sein muss. Denn Ford und Opel haben auch ein Herz für sportliche Familienväter. 30.000 Euro sollten die aber schon zur Verfügung haben – oder erst einmal mit den alten Möbeln weiterleben. Ford S-Max 2.5 und Opel Zafira OPC heißen die beiden Gemüts-Beschleuniger, die jede Familien-Ausfahrt zum Erlebnis werden lassen. Zwei stattliche Vans, die mit jeweils weit über 200 PS nicht nur jeder Verkehrslage gewachsen, sondern auch echte Spaßgeräte sind.

Zafira OPC: Ab 1400 Touren zündet im Motor der Opel-Blitz.

Schauen wir ihnen zuerst mal unter die Hauben. Beim Ford sitzt da der 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor von Konzerntochter Volvo, der sein höchstes Drehmoment von 320 Newtonmetern schon bei 1500 Umdrehungen liefert. Das sind Dieselwerte, das garantiert schaltfaules Fahren. Schon ab etwa 1250 Umdrehungen zieht der S-Max im sechsten Gang ab Tempo 60 los. Ohne zu knurren, ohne zu ruckeln. Beim Zafira aus dem Opel Performance Center (OPC) steckt vorn der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo aus dem Astra mit ebenfalls 320 Newtonmeter Drehmoment, das aber erst ab 2400 Umdrehungen verfügbar ist. Dank geringeren Gewichts und anderer Übersetzung bummelt er ab 1400 Umdrehungen mit 60 km/h los. Danach aber zündet der Opel-Blitz: 240 PS bringen den 1,6-Tonner in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 (Ford 8,5), und erst bei 230 km/h endet das Gewitter.

Aufgemotzt und sportlich

Der Opel sieht nicht nur aufgemotzter aus, er ist auch vom Charakter her knalliger. Bei Tempo 130 lärmt er innen mit 74 Dezibel (A), der Ford hingegen ist innen wie außen deutlich leiser. Damit wird der erste große Unterschied deutlich: Beim Zafira liegt die Betonung auf Performance, also Leistung. Die graue Maus Zafira, bereits ab 94 PS zu haben, reizt mit dem 240-PS-Motor die Sicherheitsreserven ihres Fahrwerks aus. Beim starken Beschleunigen wollen die Vorderräder das Lenkrad in alle Richtungen zerren, nur ein kräftiger Griff bändigt es, bis die Antriebs-Schlupfregelung endlich für Ruhe sorgt. Bei Nässe ist dieser Effekt noch unangenehmer. Insgesamt muss die Lenkung so viele fremde Einflüsse korrigieren, weshalb sie etwas zu gefühllos ausgelegt ist. Beim Fahrverhalten hingegen überwiegt wieder Sportlichkeit: Die elektronisch geregelte Dämpfung des IDS Plus-Fahrwerks ist gut abgestimmt, seine Härte gerade noch erträglich.

Prädikat "echt familientauglich": Im Ford fährt es sich komfortabel.

Dem S-Max 2.5 gebührt dagegen das Prädikat "echt familientauglich". Er wirkt deutlich komfortabler, man spürt in allen Bereichen, dass seine 220 PS nicht nachträglich aufgepfropft, sondern von Beginn an bei der Abstimmung berücksichtigt wurden. Der stramme S-Max federt angenehmer, seine Lenkung wirkt nicht überfordert, sondern arbeitet sehr präzise. Somit ist er der bessere Langstrecken-Reisewagen, der nur in der Stadt Probleme beim Rangieren bekommt. Sein Wendekreis von 12,5 Metern macht ihn beim Parken sehr unhandlich. Dem Opel gebührt ein dickes Kompliment für die gute Bremse. Wer sie kalt erwischt, steht nach 36,4 Metern, warm schon 70 Zentimeter früher. Das sind echte Sportwagen-Werte. Der Ford braucht kalt knapp zwei Meter mehr, warm sogar drei. Das ist im Prinzip noch okay, aber ein Punkte-Plus für Opel.

Technische Daten, Fazit und Bewertung

Genug der Dynamik, klettern wir doch mal in die Wagen. Vorn sitzt es sich bei beiden gut in prima geformten Schalensesseln. Im Opel hockt der Fahrer ungewohnt hoch, im Ford sitzt er flacher, entspannter. Den Blick nach vorn stört im Ford die lästig reflektierende Frontscheibe. Bei ungünstigem Lichteinfall zeigt sie alle Einzelheiten des Kunststoffs – die Umrisse der Airbag-Fächer, der Ablageklappe und die Defrosterdüsen-Leiste. Auch sitztechnisch haben es die Opel-Fahrer besser.

Der Zafira hat sieben Stühle serienmäßig. Das Herausklappen der beiden letzten Heck-Hocker ist aber etwas mühsam, weil dazu die ersten beiden Reihen ganz nach vorn geschoben werden müssen. Dann aber erklärt sich alles wie von selbst, jeder Betätigungsgriff sitzt da, wo er auch hingehört. Ärgerlich nur, dass die Dreiersitzbank sehr konturlos geraten ist. Im Ford rutschen die Insassen nicht herum, in der zweiten Reihe gibt es drei gut ausgeformte Einzelsitze. Außen – wie auch bei Opel – mit Isofix-Kindersitzhaltern. Wer zwei weitere Plätze möchte, zahlt 775 Euro extra.

Auch beim Radio schlagen die Kölner noch mit mindestens 620 Extra-Euros zu. So kommen beide auf nahezu den gleichen Preis bei gleicher Ausstattung. Auch wenn das durchaus fair kalkuliert ist, 32.500 Euro sind verdammt viel für eine junge Familie. Und so werden sich pro Jahr nur rund 2000 Kunden für diese Familien-GTIs entscheiden. Allen Gefrusteten zum Trost: Es gibt S-Max und Zafira auch deutlich billiger. Die fahren nicht wirklich schlechter – nur eben ohne GTI-Feeling.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz: Nein, auf die Rennstrecke gehören sie wirklich nicht – obwohl sie auch dort eine gute Figur machen. Ihre Stärken sind das Platzangebot und die Familientauglichkeit dank pfiffiger Variabilität. Wer mit seiner Familie immer reichlich Platz haben und solo auch mal wieder das alte GTI-Gefühl genießen möchte, der wird mit dem S-Max prima bedient.

Autor: Diether Rodatz

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