Heico C30/MS-Design Focus ST

Test Heico C30/MS-Design Focus ST

— 10.07.2007

Tarnen und täuschen

Ein Triebwerk, zwei Marken, zwei Konzepte: Heico und MS-Design haben sich den Fünfzylinder-Turbo aus Volvo C30 und Ford Focus ST vorgeknöpft.

Fünfzylinder-Motoren und Volvo – das ist schon seit Jahren Tradition. Die meisten Schweden-Karossen werden mit den kernig klingenden Triebwerken ausgeliefert. Auch unter der Haube der neuen C30-Topversion T5 arbeitet ein Fünfzylinder-Turbo mit 220 PS. Konzernbruder Ford wählte 2005 bei der Präsentation seines neuen Focus ST dasselbe turbobefeuerte 2,5-Liter-Triebwerk, jedoch mit 225 PS. Dennoch kein Grund für die Tuningfraktion, nicht noch ein bisschen an der Leistungsschraube zu drehen: Focus ST und C30 T5 bieten den Tunern dank Aufladung reichlich Spielraum in Sachen Chiptuning. "HS3 Camouflage" von Heico Sportiv und "Race" von MS-Design heißen die rollenden Resultate.

Tarnanzug gegen auf Sport getrimmtes Blechkleid

Extrovertiert: Heico verpasst dem C30 einen Tarnanzug für 2200 Euro.

Beim Anblick des Heico Volvo C30 stellt sich uns vorrangig jedoch nicht die PS-, sondern eine andere Frage: Kann es sein, dass bei der Entwicklung dieses Umbaus der Begriff "Tarnen und Täuschen" im Lastenheft ganz weit oben stand? Das vermutet man zumindest beim Blick auf die Karosserie. Der Volvo ist mit einem Aufkleber-Kit namens "Camouflage" in Tarnoptik bestückt. Man könnte denken, die Bundeswehr hat ihren Fuhrpark erweitert. Wer darauf steht, kann die Optik für 2200 Euro bei Heico ordern. Der Volvo-Tuner aus Darmstadt war schon immer bekannt für seine extrovertierten Umbauten. "Mit dem Odin auf Basis des S40 hatten wir schon gezeigt, was für die Straße und gleichzeitig für die Rennstrecke möglich ist. Mit dem C30 HS3 Camouflage setzen wir die auf der Tuningmesse SEMA in den USA gezeigte Studie um", erklärt Pressemann Patrick Brenndörfer. Neben den farbigen Maßnahmen beeindruckt aber auch das Bodykit, bestehend aus Front- und Heckschürze, Schweller sowie Radhausverbreiterungen. Damit diese auch gut gefüllt sind, montiert Heico 19-Zöller mit 235er-Breitreifen.

Optisch auf Sport getrimmt: Der Ford Focus ST von MS-Design.

Optisch erscheint der MS-Design Focus trotz "Race"-Dekor etwas gediegener, wenn auch alles andere als unauffällig. Neben 20-Zoll-Rädern setzt sich der Österreicher mit Seitenflaps, einem Heckdiffusor und Dachflügelaufsatz in Szene. Zumindest beim Motortuning liegen die Tuner auf einer Wellenlänge. Beide verzichten auf größere Umbauten an Innereien und Turbo und setzen auf einen Eingriff ins Steuergerät. Heico holt dadurch 30, MS-Design 35 zusätzliche PS raus. Das Drehmoment steigt bei Heico um 40, bei MS-Design um 80 Newtonmeter. In der Praxis funktionieren beide Autos hervorragend. Mit den zusätzlichen Pferden geht es zügig voran, sauber und unangestrengt drehen die Maschinen hoch. Untermalt wird die Hatz im Heico C30 vom bollernden Sound der Vierrohr-Auspuffanlage.

Ein Motor, zwei Charaktere

Ein Turbo alter Schule: Der Focus MS-Design braucht Zeit und Drehzahl.

Der Focus geht auf den ersten Blick gut. Der Motor ist aber nicht ganz so perfekt abgestimmt wie der des Heico-Volvo: Im Ford denkt man immer an einen Turbo alter Schule. Er benötigt Zeit und Drehzahl, um in Fahrt zu kommen, schiebt dann aber ziemlich ruppig voran. Gaswechsel werden mit einem lauten Zischen quittiert – Musik in unseren Ohren. Die Leistungsentfaltung im C30 wirkt dagegen Turbo-untypisch. Schon im Drehzahlkeller steht dem Fünfzylinder genügend Power zur Verfügung. Kompliment an die Heico-Techniker! Jedoch können sich beide Derivate bei unseren Messfahrten gegenüber den Serienmodellen nicht verbessern. Im Gegenteil, der blaue Focus ST ist sogar 0,3 Sekunden langsamer als ein ST ab Werk. Kein Wunder: fährt doch der Ford auf drei Zoll größeren Rädern als die Serie, und die Motorelektronik arbeitete beim Test nicht immer einwandfrei. So stehen am Ende auf dem Datenblatt nur 240 km/h und 7,1 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100. Auch der Heico HS3 hat mit den üppigeren Rädern zu kämpfen und schafft nur 6,7 Sekunden, genauso schnell wie ein Serien-C30-T5. Bei echten 243 km/h ist Schluss. Erst bei den Zwischensprints von 60–100 im vierten und 80–120 km/h im fünften Gang spielt der österreichische Focus sein Drehmoment-Plus aus. Die 400 Newtonmeter verhelfen ihm zu jeweils über einer Sekunde Vorsprung gegenüber dem C30.

Gut gemacht: Auf dem Rundkurs gefällt der Heico C30 mit Präzision.

Unterschiede auch beim Fahrverhalten. Absolut spurtreu bremst der Volvo enge Kurven an, der Pedaldruck erlaubt feinfühliges Dosieren. Dem Einlenkbefehl des Piloten folgt der C30 präzise, in flotten Wechselkurven zeigt der Schwede große Reserven. Selbst bei deaktiviertem ESP erlaubt er sich keine Lastwechselreaktionen. Kein Wunder dank in der Höhe verstellbarem und speziell abgestimmtem Sporfahrwerk und einer Vier-Kolben-Sportbremsanlage. Etwas mehr Eingewöhnung verlangt der Focus ST von seinem Fahrer. Denn MS-Design montierte lediglich einen Sportfedernsatz. Wer zu schnell in eine Kurve hineinbremst, erntet deutliches Untersteuern, und der Fahrspaß ist erst einmal dahin. Gleiches gilt für den zu beherzten Lenkeinsatz in Wechselkurven. Erst wer sauber einlenkt, erfährt lastwechselfreies Verhalten. Da können selbst die dicken Gummis der 20-Zöller nicht helfen.

Die linke Fahrspur räumt nur einer der beiden souverän frei

Ins Hintertreffen gerät der Focus auch mit seinen Serienbremsen. Sie verzögern schlechter und lassen sich nicht so präzise dosieren wie die des Heico. Ein wichtiger Punkt, der dem HS3 neben seinem absolut narrensicheren Fahrverhalten zum Sieg verhilft. Beide Tuner verwenden zwar dieselbe Motorbasis – die Resultate könnten unterschiedlicher jedoch kaum ausfallen. Der Volvo C30 von Heico räumt mit seiner martialischen Optik souverän die linke Spur frei. Und beweist, dass hinter der Tarn-Fassade auch Power steckt. Der Focus ST von MS-Design trägt zwar den Namen "Race", kommt dem aber nicht sehr nahe. Der Ford empfiehlt sich für alle, die mit schicker Optik und guten Fahrleistungen zufrieden sind.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung