Test Heidl RHT 540

Test Heidl RHT 540

— 23.10.2006

Leistungsdruck

Es sollte ein ganz normaler Test werden. Dann stellte sich heraus, dass der Heidl 997 Turbo schneller beschleunigt als je ein Straen-Porsche zuvor: 3,24 Sekunden bis Tempo 100!

Der Flugplatz des Aero-Club Rothenburg o.d. Tauber e.V. ist ein beschaulicher Ort. Ab und an landet hier eine Zweimotorige und in der Garage schlummert ein alter VW Bus als Feuerwehrauto vor sich hin. Eine perfekte Idylle. Bis zu jenem Morgen des 14. September, als ein schwarzer Blitz in Gestalt des Heidl 997 Turbo die Landebahn heimsucht und Geschichte schreibt. Denn an diesem Tag beschleunigt der 540 PS starke Heidl 997 Turbo schneller von null bis 100 km/h als je ein straenzugelassener Porsche vor ihm auf der Welt: in sagenhaften 3,24 Sekunden. Sie glaubens nicht? Noch mal zum Mitschreiben: Drei-komma-zwei-vier-sekunden-von-null-bis-hundert. Wahnsinn!

Testfahrer Sebastian Schneider montiert die Messtechnik.

Rckblende: Es ist 8.30 Uhr morgens, als unser Testfahrer mit breitem Grinsen am Rand der 950 Meter langen Startbahn wartet. Die Sonne scheint, aber es ist frisch. 13 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Eine herrliche, sauerstoffreiche Luft ideal fr Turbomotoren "Na, was gibts zu grinsen?", frage ich, whrend er lssig den Laptop aufklappt und auf eine Zahlenreihe deutet. "Wir haben einen neuen Rekordhalter im Sprint: fnf Versuche, alle um 3,2 Sekunden." Rummmms! Das sitzt. Nach einem kurzen (positiven) Schock kommen erste Zweifel auf: Wie bitte schafft ein in erster Linie ber die Elektronik modifizierter Turbo mit 60 PS mehr Leistung, Metallkats und Semislicks solch eine phnomenale Zeit und nimmt dazu dem nicht gerade lahmen 911-Werksturbo (3,7s) fnf Zehntel ab?

Endloser Schub ohne Traktionsprobleme

"Das kann nicht sein " Selbst ist der Mann. Also noch mal Messgert anbringen, justieren und ab auf die Piste. Reifen auf Temperatur bringen, dann gilts. Dank Tiptronic ein Kinderspiel, denke ich. Der erste Versuch misslingt. Die Anfahrdrehzahl von 3500 Touren ist zu hoch, beim Lsen der Bremse sackt die Drehzahl trotz durchgepresstem Gaspedal ab: "nur" 4,4 Sekunden stehen zu Buche. Dank der beiden Serienlader mit variabler Turbinengeometrie die der Tuner nicht austauscht, deren Ladedruck er um 0,2 Bar erhht liegt bereits bei 1950 Touren das volle Drehmoment von 705 Newtonmetern (Serie 620 Nm) an. Also sollte es auch mit weniger Drehzahl klappen. Der zweite Versuch. Sporttaste drcken, Whlhebel auf "D", linken Fu auf die Bremse, rechts das Gas auf 2400 bis 2500/min einnorden und Feuer frei!

Wahnsinn: In 3,24 Sekunden ist der Heidl RHT 540 auf 100 km/h.

Wie aus der Armbrust geschossen rast der Heidl davon: 90, 100 150, 200, 210 der Schub hrt nicht auf, lediglich die kurze Landebahn zwingt zum Bremsen. Schlupf? Pah, kein Thema. Nicht mal ein Quentchen durchdrehende Reifen beim Anfahren trotz Vollgas bis zum Bodenblech. Der Puls schlgt hoch, was sagt der Computer? Triumph und Besttigung: 3,26 Sekunden. Noch dreimal gelingt danach eine Zeit zwischen 3,2 und 3,4 Sekunden. Der knftige Besitzer kann sich freuen, auerhalb der Formel 1 hat er nur wenige "Ampelgegner" zu frchten.

Dabei bleibt das Beschleunigungsmonstrum uerlich dezent. Lediglich die Rennsportflair vermittelnden BBS-Le-Mans-Rder, eine Fronstpoilerlippe und die gelben Sttel der optionalen Porsche-Keramikbremse knden vom Tiger unterm Blechdach. Probleme bereitet dem ganz auf Performance abgestimmten Testwagen nur die Autobahn: Die Kombination aus verndertem Sturz und breiten Semislicks sorgt fr extrem unruhigen Geradeauslauf und Atemaussetzer beim Fahrer, wenn bei 270 Sachen kleine Bodenwellen zur Sprungschanze mutieren. Doch, was solls. Schlielich gehrt der Heidl Turbo sowieso in hhere Sphren zumindest aber auf einen Flugplatz.

Autor: Ingo Roersch

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