Test HKT Seven RS Clubsport

Test HKT Seven RS Clubsport Test HKT Seven RS Clubsport

Test HKT Seven RS Clubsport

— 12.12.2006

Eine Klasse für sich

Mit einer fabelhaften Zeit stößt der straßenzugelassene HKT Seven RS Clubsport den bisherigen Oschersleben-Tempokönig vom Thron. Sein Geheimnis: 700 Kilo Gewicht, mehr als 290 PS, sequenzielles Getriebe und Verzicht auf elektronischen Fahrhilfen .

Das Steinchen war vielleicht so groß wie ein halber Stecknadelkopf. Ein Stück Beton. Nur: Es lag nicht auf der Straße – sondern ich fand es in meinem linken Ohr. Ich dusche täglich. Deswegen gibt's nur einen Schuldigen: Der Simon Höckmayr war's. Sein HKT Seven RS Clubsport bewirft die Insassen aber nicht nur mit Dreck. In erster Linie versetzt der Wagen sie in höchstes Verzücken. Und pulverisiert nebenbei die bisherige Rekordmarke im Oschersleben-Rundenzeiten-Contest von AUTO BILD SPORTSCARS.

Porsche war gestern, heute ist Höckmayr: HKT Seven RS Clubsport heißt sein Renner – ein bis in jedes Flügelende straßenzugelassener Roadster à la Caterham. Optisch jedenfalls. Und doch ganz anders. Unter der Motorhaube arbeitet der Audi-Vierzylinder-Turbo aus dem Audi TT. Ursprünglich mit 225 PS, dank Spezialkolben, Stahlpleuel und spezieller Auslassventile auf 290 PS gepusht. Mindestens: "Der könnt auch ein bisschen nach oben streuen", bajuwart der 54 Jahre alte Techniker.

Der modifizierte 1,8-Liter-Turbo von Audi passt akkurat unter die Haube.

Damit keine Löcher die runde Motorhaube verunzieren, hat Höckmayr das Ansaugrohr selbst gebaut und passend platziert. Selbst die Ölversorgung und der Wasserhaushalt des Motors sind eine Eigenkonstruktion des Bayers. Nächster technischer Leckerbissen: Das sequenzielle Sechsganggetriebe mit Powershift von Drenth Motorsport. Erster und zweiter Gang werden mit Kupplung eingelegt, danach wird der Hebel beim Hochschalten nur noch nach hinten durchgerissen, ohne vom Gas zu gehen. Das Kunstwerk kostet alleine schon 15.000 Euro, der Spaß bei der Beschleunigung ist unbezahlbar. Und: Mit 3,7 Sekunden von null auf 100 km/h liegt der HKT exakt auf höchstem Porsche-Turbo-Niveau.

Rahmen, Fahrwerk und Karosserie sind Höckmayr-Eigenwerk

Damit die Kraft auch gut die Hinterräder erreicht, hat Höckmayr sich für Antriebswellen aus dem Escort Cosworth entschieden, dazu ein Differenzial mit 45-Prozent-Sperre, das ebenfalls von Ford stammt. Für die nötige Verzögerung sorgen Brembo-Bremsen und VW-R32-Bremsscheiben. Rahmen, Fahrwerk, Karosserie – das alles ist dagegen Höckmayr-Eigenwerk. Der Gitterrohrrahmen besteht aus dickem Vierkantrohr, an den Seiten verstärkt. Vorne und hinten werden die Räder an doppelten Dreieckslenkern geführt, die selbst konstruierten Achsschenkel sind aus Alu gefräst. Hinten leiten Schubstreben die enormen Antriebskräfte anteilig zum Rahmen ab.

Bei den möglichen 255 km/h wird der Fahrer ordentlich durchgeschüttelt.

Die Karosserie-Seitenteile bestehen aus Alu, der Rest ist glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK). Seitenscheiben aus Makrolon, Frontleuchten vom Traktor, Heckleuchten vom Anhänger, Blinker aus dem Motorradladen, schwarze ATS-Felgen, dazu ein aufwendiges 8-Kanal-Datenaufzeichnungssystem von Memotec, 250 Arbeitsstunden – fertig ist der HKT.

Der sportliche Klang des Auspuffs hat nichts mit Lärm zu tun – den größten Krach macht das Getriebe, egal ob im Leerlauf oder beim Sprint. Trotz Tempo-Tests mit Einstecktüren fliegen Steine (von oben) ins Cockpit, und mögliche 255 km/h sind selbst auf einer langen, betonbeplankten Flugzeugstartbahn ein Risiko: Obwohl straßentauglich gefedert, wird der Kopf des Piloten mächtig durchgeschüttelt, sodass klare Sicht Wunschdenken bleibt.

In sagenhaften 1:35,86 ging's über den Rundkurs

Fliegengewicht: Vollgetankt bringt es der HTK auf gerade mal 700 Kilo.

Für Druck auf den Boden sorgt das Clubsport-Paket, zu dem Käfig, Heckflügel, Frontflügel und Diffusor gehören. Damit schafft der HKT RS Clubsport in Oschersleben die Runde in sagenhaften 1:35,86 – neuer Rekord! Die Lenkung wirkt so direkt wie beim Motorrad, die Bremsen zuverlässig und druckpunktgenau. Die Schikane erfordert trotzdem einen geübten Fahrer: Der HKT klebt dank Semislicks lange auf der Strecke, aber wenn der Grenzbereich überschritten wird, reagiert der Wagen schnell und heftig. Wenn der Pilot nicht ebenso schnell und heftig gegensteuert, geht die Ausfahrt nicht gut aus.

Ohne Flügel fällt dem HKT die Beherrschung schwer: Auf der Geraden drehen die Hinterräder beim Beschleunigen noch im vierten Gang wegen fehlenden Abtriebs durch. Gut, dass die Luftleitwerke in die Papiere eingetragen und somit legal auf der Straße zu fahren sind. Wer auch mal vom RS mit Steinen beworfen werden will, muss sich gedulden: Gerade mal 15 Autos baut HKT pro Jahr. Und die Produktion ist bis Ende 2007 ausgebucht – trotz eines Preises von 89.500 Euro. Oder wegen?

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Roland Löwisch

Fazit: ein ehrliches, handgemachtes Auto vom Spezialisten für Spezialisten.

Man glaubt es kaum: heißeste Rennwagen-Optik, schnellste Oschersleben-Runde, Kraft für zwei – aber man könnte mit ihm täglich problemlos Brötchen holen fahren, wenn der enge Einstieg und die fummeligen Vierpunktgurte nicht wären. Der neue HKT Seven RS Clubsport ist nicht zu laut, nicht zu hart – ein ehrliches handgebautes 90.000-Euro-Auto vom Spezialisten für Spezialisten. Es lebe die Nische!

Kontakt Höckmayr Kfz-Technik, Tel. 08250/ 929 53, www.hkt-7.de

Autor: Roland Löwisch

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.