Test Jaguar XF

Jaguar XF Jaguar XF

Test Jaguar XF

— 19.12.2007

Jaguar wetzt wieder die Krallen

XF heißt der Jaguar, der mit vielen Traditionen bricht. Die entscheidende Frage: Ist das noch ein echter Jaguar? Antwort: Bitte einsteigen ...

Täglich könnten die Schlagzeilen vermelden, dass Jaguar nicht mehr zu Ford gehört, sondern einen neuen Eigentümer hat. Das bremst die englischen Entwickler aber nicht. Im Gegenteil, bei ihrem Jüngsten verkneifen sie sich jedes britische Understatement – und schwelgen in höchsten Tönen. Die Männer um Chefingenieur Mick Mohan geben sich fast so, als hätten sie das Auto neu erfunden. Optik, Verarbeitung, Technik, Innenausstattung, Fahrverhalten und Sicherheit – überall setze der neue XF Maßstäbe, so ihre selbstbewusste Botschaft. Klar ist, an wen sie gerichtet ist. "ABM" heißt der Gegner – also Audi A6, BMW 5er und Mercedes E-Klasse. Nach ersten Testfahrten müssen wir feststellen, dass die großen Drei den Angriff ernst nehmen sollten.

Äußerlich wuchs der S-Type-Nachfolger um sechs Zentimeter in Länge und Breite, in der Höhe aber nur um einen. Das lässt ihn hinreißend flach erscheinen, passt perfekt zum traditionellen Raubkatzen-Ruf, unterscheidet ihn deutlich von seinen Mitbewerbern. Doch eigentlich will der XF ein viertüriges Coupé sein, peilt also eher den Mercedes CLS als Konkurrenten an. Wie dem auch sei, der neue XF ist in jeder Hinsicht eine Rassekatze. Das Heck ähnelt Aston Martin, in der Front rundet sich ein neuer Grill, der – so die Designer – an die Ansaugöffnung eines Düsentriebwerks erinnert. Wer die Tür öffnet, sieht und berührt feines Leder. Auf den Sitzen, an den Türverkleidungen und sogar oben auf der Armaturentafel – alles serienmäßig. Zündung einschalten, dann ein erster Gag: Der Start-Stopp-Knopf fängt an zu blinken, so, als ob darin ein Herz pulsiere. Völlig überflüssig, aber nett. Unter der Haube pochen entweder ein Diesel oder einer von drei Benzinern.

Wir fühlten bewusst dem stärksten Motor auf den Puls, dem aufgeladenen 4,2-Liter-V8 mit 416 PS. Denn ein Fahrwerk, das diese Leistung verkraftet, kann mit den schwächeren Motoren eigentlich auch keine Probleme bekommen. Beim Starten kommt die zweite XF-Spezialität: Der Automatikwählhebel "Drive- Selector" erhebt sich unhörbar aus der Mittelkonsole. Der geschmiedete Aluknopf ist kaum größer als die Bedienrädchen MMI, iDrive oder Comand der deutschen Konkurrenten. Beim Jaguar aber macht er richtig Sinn, denn er ersetzt den herkömmlichen Wählhebel. Da alle XF-Varianten eine Sechsstufenautomatik (für den manuellen Eingriff mit Schaltpaddeln am Lenkrad) haben, werden die Schaltbefehle des Drehrädchens via Kabel an das Getriebe geleitet. Friedlich und geschmeidig setzt sich der XF in Bewegung, die vielfach elektrisch einstellbaren Sitze umkuscheln die Front-Insassen.

Auf sanften 20-Zoll-Pfoten gleitet der fast unhörbare Super-V8 (Kennern aus dem XKR bekannt) dahin, bis den Fahrer mal der Hafer sticht. Dann reißen 560 Newtonmeter an der Hinterachse, katapultieren den 1,9-Tonner in 5,4 Sekunden auf Tempo 100. Untermalt von einem nervenkitzelnden Aufschrei unter der Haube, wo der mechanische Eaton-Lader die Verbrennungsluft über 16 Einlassventile in die acht Zylinder presst. Dabei zeigt sich das Fahrwerk in keiner Situation überfordert, jeder Ausbruchsversuch wird blitzartig eingebremst. Denn schon ab dem Basismodell gibt es alle elektronischen Schutzengel, einschließlich der Understeer Control Logic, die durch gezielte Motor- und Bremseingriffe den Wagen beim Untersteuern in der Spur hält. Natürlich nicht, wenn das Tempo doch die Grenzen der Physik übersteigt. Dann müssen sich die Insassen auf die komplette Airbag-Ausstattung verlassen. Sogar Fußgänger werden geschützt, beim Crash hebt sich die Motorhaube ein Stück, vergrößert so den Abstand zum harten Motorblock.

Aber ein englischer Landlord will reisen, nicht rasen. Und dafür genügt bereits der Basisdiesel (kommt von Peugeot, natürlich mit Filter) mit seinen 207 PS, die auch schon für 229 km/h Spitze gut sein sollen. Der Verbrauch soll dabei 7,5 Liter betragen. Zum Vergleich: Der doppelt so starke Benziner wird mit 12,6 Liter Super angegeben. Beim gemütlichen Gleiten im XF interessieren trockene Zahlen nicht. Da genießt der Jag-Driver die präzise, tempoabhängige Lenkung, den erstaunlich guten Komfort, den dank des langen Radstands (2,91 Meter) tadellosen Geradeauslauf. Wer nicht gerade die serienmäßige Musikanlage mit ihren acht Lautsprechern eingeschaltet hat, der hört die – ebenfalls serienmäßige – Klimaautomatik leise rauschen. Er erfreut sich an liebevollen Details wie den phosphorblau illuminierten Instrumenten und Schaltern, der erstaunlich einfachen Bedienbarkeit – dank eines Minimums an Tasten und Schaltern – und nicht zuletzt an dem variablen Kofferraum, der bei umgelegter Rücksitzlehne bis zu 960 Liter fassen kann.

"Der XF ist ein Jaguar durch und durch", meint Redakteur Diether Rodatz.

Ab dem 8. März 2008 steht der XF bei den Händlern, zu Preisen ab 49.370 Euro. Damit liegt er zwar über der ABM-Konkurrenz, ist aber auch deutlich besser ausgestattet und hat das unbezahlbare Image, ein Jaguar zu sein. Weniger klassisch als bisher – aber sehr reizvoll. Fazit: Wie sagt Chefingenieur Mick Mohan? Der XF bietet eine Vielzahl von neuen Lösungen. Stimmt. Wichtiger ist aber, dass sich der XF trotz neuer Form ganz nach Jaguar anfühlt. Er bricht mit Traditionen, wird sicher trotzdem kein Volumenauto – aber das zählt ja für Freunde der Marke ganz besonders.
Die Motoren: ein Diesel, drei Benziner
2.7 D 3.0 4.2 4.2 S/C
Motor V6, Bi-Turbo V6 V8 V8, Kompressor
Huabraum 2720 ccm 2967 ccm 4196 ccm 4196 ccm
Leistung kW (PS) U/min 152 (207)/4000 175 (238)/6800 219 (298)/6000 306 (416 PS)/6250
Drehmoment Nm U/min 435/1900 293/4100 411/4100 560/3500
0-100 km/h 8,2 sek 8,3 sek 6,5 sek 5,4 sek
Spitze 229 km/h 237 km/h 250 km/h 250 km/h
EU-Verbrauch 7,5 L D/100 km 10,5 L S/100 km 11,1 L S/100 km 12,6 L S/100 km
CO2 -Ausstoß 199 g/km 249 g/km 264 g/km 299 g/km
Leergewicht/Zuladung 1771/539 kg 1679/536 kg 1749/521 kg 1842/488 kg
L/B/H Millimeter 4961/1877/1460 4961/1877/1460 4961/1877/1460 4961/1877/1460
Preis 49.370 Euro 54.380 Euro 62.180 Euro 80.820 Euro

Autor: Diether Rodatz

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